Geschwister erben // Schreinerei

  • Hallo,
    Folgende Überlegung. 4 Geschwister erben. Gemeinsam erben sie verschiedene Immobilien und Geld. 1 Geschwister führt den elterlichen Betrieb, eine Schreinerei, weiter und erbt diesen on top, das heißt er muss die Geschwister nicht auszahlen. Das ist von allen akzeptiert, da der Wunsch die Schreinerei in der Familie zu halten stark ist, aber ein Auszahlen die Übernahme unattraktiv machen würde. Die Gebäude, in denen die Schreinerei beheimatet ist, gehören jedoch der "Geschwister GbR". Der 1 Bruder erhält Maschinen, Fahrzeuge, Kundenbeziehungen on top aber keine Gebäude.


    Die Geschwister bezweifeln, dass der Bruder die Firma wird halten können. Er ist kein typischer Unternehmer. Sie wollen ihm aber eine Chance geben und hoffen auf ein Fortbestehen der über 100jährigen Firmengeschichte.


    Würdet ihr Miete vom Bruder verlangen?
    Würdet ihr einen Vertrag über Instandhaltung abschließen?
    Ist damit zu rechnen, dass die Gebäude weniger wert werden, wenn die Schreinerei nach x Jahren pleite geht?
    Gibt es weitere Risiken zu beachten?


    Oberste Prio hat der Familienfriede und geschwisterliche Zusammenhalt, der exzellent ist. Die drei anderen Geschwister sind aber nicht reich und können nicht beliebig verzichten oder selbst Risiken eingehen, die sie letztlich gar nicht beeinflussenkönnen, insbesondere den unternehmerischen Erfolg, den nur der Bruder in der Hand hat


    Danke euch :love:

  • Typisches verbocktes, stark emotionales oder unterlassenes Testament.


    Regelungen zu treffen, die das Ziel nicht erreichen können, kommen sehr sehr häufig vor.


    Dazu noch diese Emotionen. Oh je. Haben selber so ein "Ding" in der Familie. Kostet nur Geld.


    Wirtschaftlich vernünftig ist es, alles zu versilbern und "brüderlich" zu teilen.


    Oder vielleicht kauft ja ein Fremder und vermietet dem Schreiner die Immo? Miete zahlen wird er -wie in allen solchen Fällen- nicht. Ist ja der Bruder.


    Alternativ wäre die Zwangsversteigerung wg. Aufhebung der Gemeinschaft. Ach ja, soll ja nicht. Bietet da überhaupt einer? Aber vielleicht nützt die Drohung damit?


    Oder dem Schreiner auf schmale Leibrente die gesamte Immo verkaufen. Wenn es dann schief geht, bekommt man sie ja zurück. Zwar kaputt ...


    Oder dem Bruder gleich schenken. Ach ja, soll ja auch nicht.


    Alles andere wird wahrscheinlich da enden, wie beschrieben.


    Ich nehme mal das Ergebnis vorweg: nichts wird gehen.


    Und da das Objekt noch Steuer verstrickt sein dürfte: viel Spaß beim Suchen einer Lösung.

    Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenig Leute damit beschäftigen. Henry Ford

  • Spontane Sicht der Dinge:


    Miete muss (grundsätzlich) sein. Für die Übernahmephase (z. B. 3 Jahre) niedrige Eingewöhnungsmiete verlangen, danach an die untere Kante des marktüblichen Niveaus anlehnen.


    Wenn das "Unternehmer-Gen" fehlt, muss für entsprechende Unterstützung gesorgt werden.


    Vertragliche Regelungen sollten schon bestehen, sonst kann es bitter werden, wenn man in der Krise es doch anders gemeint haben will mit der mündlichen Zusage.

  • Würdet ihr Miete vom Bruder verlangen?

    Miete ist der falsche Begriff. Der Schreinerei-Bruder ist ja selbst Miterbe. Er würde deshalb an sich selbst vermieten.
    Aber selbstverständlich steht den drei Miterben, die keine Schreiner sind, eine Nutzungsentschädigung zu.


    Es wäre sicherlich besser, wenn sich die Erbengemeinschaft vollständig auseinandersetzt. Dann müsste der Schreiner seine drei Geschwister für den Wert des Betriebsgebäudes und des Grundstückes abfinden. Das könnte möglich sein, wenn der Schreiner auf seine Ansprüche an den übrigen Immobilien und am Barvermögen verzichtet.


    Sollte die Dinge jedoch so liegen, dass das Betriebgebäude der wertmäßig überwiegende Teil des Nachlasses ist, dann wird die Auseinandersetzung nicht klappen, ohne dass der Schreiner ein Darlehen aufnimmt.



    Würdet ihr einen Vertrag über Instandhaltung abschließen?

    Wenn die Erbengemeinschaft sich nicht auseinandersetzt, ist dringend zu empfehlen, dass alle Fragen der Nutzung, Instandhaltung und was damit zusammenhängt in einem schriftlichen Vertrag geregelt werden.



    Ist damit zu rechnen, dass die Gebäude weniger wert werden, wenn die Schreinerei nach x Jahren pleite geht?

    Das kann niemand sagen. Da die Gebäude nicht dem Unternehmer sondern der Erbengemeinschaft gehören, wären diese von einer Insolvenz nur mittelbar betroffen. Die Gläubiger des Schreiners könnten allerdings in den Erbteil vollstrecken. Es könnte dann zur Zwangsauseinandersetzung der Erbengemeinschaft kommen. Wenn der Betrieb heruntergewirtschaftet ist, lässt sich in einer Versteigerung meist kein angemessener Preis erzielen.



    Gibt es weitere Risiken zu beachten?

    In einer Erbengemeinschaft kann jeder der Miterben zu jeder Zeit "die Reißleine ziehen", sprich die Auseinandersetzung verlangen. Auch wenn sich die Geschwister heute einig sind, bedeuet das nicht, dass das immer so bleibt.


    Ein Miterbe könnte selbst versterben, dann rücken für dessen Miterbenanteil seine Erben nach. Diese "Erbeserben" haben meist nicht die Bindung zu den ursprünglichen Miterben wie der verstorbenen Miterbe selbst.


    Meist sind die Erbeserben die Witwe oder der Witwer des Verstorbenen und dessen Kinder oder Enkel. Im Verhältnis zu den jetzigen Erben sind dies also Schwager/Schwägerin und Neffen, Nichten bzw. Großneffen und Großnichten. Wenn jemand von diesen Verwandten die Auseinandersetzung verlangt, könnte dies zur "Unzeit" erfolgen und die Schreinerei in Probleme stürzen.


    Fazit: Bei allem geschwisterlichen Verständnis sollten die Erben jetzt die Auseinandersetzung vornehmen. Dann herrschen klare Verhältnisse und jeder ist seines Glückes Schmied.