Vermögensaufbau für die eigene Immobilie neben der Altervorsorge?

  • Hallo zusammen,


    Ich habe mir in der letzten Zeit viele Gedanken gemacht bezüglich des Vermögensaufbaus sowie der Altersvorsorge.
    Zu meiner Person:
    Ich bin 20 Jahre alt und mache momentan ein duales Studium im öffentlichen Dienst, welches ich voraussichtlich 2022 abschließen werde. Mein Einstiegsgehalt wird dann bei ca. 2400€ netto im Monat liegen.


    Für meine Altersvorsorge habe ich bereits eine fondsgebundene Rentenversicherung mit einem Rentenfaktor von 21,75 abgeschlossen, in die ich momentan 100€ monatlich einzahle, was ich mit dem abgeschlossen Studium dann natürlich erhöhen möchte. An diese Rentenversicherung will Ich bis zu meiner Pension auch nicht herangehen um die steuerlichen Vorteile des Versicherungsmantels voll auszuschöpfen.


    Meine Frage ist jetzt:
    Wie kann ich über einen mittelfristigen Zeitraum von 8-12 Jahren genug Eigenkapital aufbauen, um mir mit Anfang 30 den Kauf einer eigengenutzten Immobilie zu ermöglichen?


    Da es bei einen solchen Zeitraum von weniger als 15 Jahren ja sehr risikoreich wäre in ETF's zu investieren habe ich über eine Anlage in Festgeldkonten nachgedacht. Allerdings habe ich die Sorge, dass ich dann innerhalb von 10 Jahren nicht genügend Eigenkapital aufbauen kann um mir eine Immobilie leisten zu können, da die Verzinsung bei Festgeldkonten ja immer noch relativ gering ist und mein Ziel es ist mindestens 15%- 20% Eigenkapital in die Baufinanzierung mit einzubringen, was ca. 30.000€-50.000€ entsprechen sollte.


    Ich hoffe, dass mir und meinem Anliegen weitergeholfen werden kann.


    Beste Grüße


    Frederick

  • Hallo Frederick,


    Alle Achtung. Mit 20 war ich nicht so weit wie du. Glückwunsch.


    Du wirst Beamter. Dem Nettogehalt nach zu urteilen A9 - A10. Das ist erstmal solide. Dein größter Gehaltskick käme über den höheren Dienst über ein Masterstudium. Das wäre meine wichtigste Empfehlung. Ein moderat schwieriges Masterstudium an irgendeiner Hochschule. Musst nur darauf achten, dass der Master für den höheren Dienst qualifiziert.


    Aber zu deinen Fragen. Ist die private Versicherung wirklich das beste was du tun kannst? Deine Beamtenpension wird viel besser sein als die Rente eines Arbeitnehmers mit identischem Bruttogehalt. Der Rentenfaktor von 21 ist grottig. Welche Abschluss Vertriebs Verwaltungskosten hat sie? Dem solltest du nachgehen. Mit 20 ist überhaupt nichts verloren. Völlig falsch ist unhinterfragtes escalating commitment nach dem Motto "Papa war vor 2 Jahren beim Abschluss dabei, das muss bis 69 maximal bespart werden, basta".
    Vermutlich hast du eine Vorhersage, welches Vermögen die RV bei 5% Rendite und x Euro Einzahlung mit 67 enthalten wird. Gib das mal auf https://m.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php ein und vergleiche. Der Unterschied wird gewaltig sein. Als Beamter brauchst du Vermögen aber keine lebenslange Rente.


    Zur Hausfrage. Du kannst nur diszipliniert sparen und eine hohe Sparquote halten. Rechne mal aus wieviel Zinsen du mit Festgeld aktuell bekommst. Für nen Stapel Handtücher wird es reichen, nicht viel mehr.

  • Hallo Chris,
    danke für deine Antwort
    Meine Verwaltungskosten belaufen sich auf 140€ jährlich und die Abschlusskosten betragen 1200€.
    Mit der RV bin ich für die Altersvorsorge eigentlich grundlegend zufrieden. In der Ansparphase wird keine KapESt fällig und bei Auszahlung erfolgt bei Renteneintritt mit 67 lediglich eine hälftige Versteuerung der Erträge mit 17% was meiner Meinung nach die höheren Kosten der RV ausgleichen sollte. Außerdem erhalte ich eine garantierte Rente und es steht eine Pflege-Option offen.


    Was das Haus angeht:
    Da der Hauskauf noch mind. 10 Jahre in der Zukunft liegen wird hatte ich auch in Betracht gezogen ein von mir geführtes Depot zu eröffnen und so Eigenkapital für den Hauskauf aufzubauen. Für einen Zeitraum von 10-15 Jahre sollte doch das Risiko dazu eher gering ausfallen oder?


  • Ich würde die RV auf den Prüfstand stellen. Wieviel Rendite kannst du dort erwirtschaften, wieviel über ETFs?


    Natürlich kann man auch über 10 Jahre ein ETF Depot besparen. Aber würdest du dann heute 50.000 einzahlen? Oder wäre is ein Sparplan, der auch noch in 9 Jahren bedient wird und somit eine Laufzeit von 1 Jahr hätte? Da wäre mir persönlich das Risiko zu groß.

  • Bei gleichbleibender Einzahlung von 100€ monatlich und einer Laufzeit von 47 Jahren würde ich bei einer Rendite von 6% auf 202.343€ kommen (die Inflation ist nicht rausgerechnet)
    Die RV besteht aus 50% aus ETF's und 50% Fonds.


    Der Depot würde ich als Sparplan führen, da ich momentan kein nennenswertes Eigenkapital aufweisen kann.


    Das ein Sparplan Risikoreich wäre kann ich gut nachvollziehen aber ich kann mir nicht vorstellen dass man über reines Sparen genug Eigenkapital für einen Immobilienkauf aufbringen kann.


    Von Bausparverträge oder ähnlichen Versicherungsprodukten halte och nicht viel. Gibt es noch andere Möglichkeiten um genug Eigenkapital aufzubauen?


    Und vielen Dank für deine Antworten.

  • 100 Euro, 6%, 47 Jahre ergibt ohne Kosten 298.000 Euro. https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php


    Du gehst das Risiko ein, dass du am Ende des Sparplans weniger Geld in der Hand hast als du eingezahlt hast. Du kannst dieses Risiko eingehen, aber du musst dir dessen bewusst sein. Geldanlage an der Börse ist keine Einbahnstraße nach oben.


    Außer diszipliniert Sparen oder auf familiäre Unterstützung hoffen sehe ich keine Alternative.

  • Hallo.


    Beim Immobilienwunsch kommt es ja schon auf die Lage an (von günstig bis unbezahlbar ist alles denkbar), so dass man schauen muss, was tatsächlich realistisch ist.


    Gibt es einen konkreten Anlass für den Wunsch mit Anfang 30 eine Immobilie sein Eigen nennen zu wollen?


    Je nach Dienstherr ist ggf. auch räumliche Mobilität gefragt. Das gilt es zu berücksichtigen.

  • Ok, vielen Dank für deine Tipps.


    Aber man darf bei den 298000€ ja nicht vergessen dass über den gesamten Zeitraum Kapitalertragssteuer abgeführt wird, was ein hoher Kostenfaktor ist. Zieht man die ab sind es lediglich noch 209000€. Also kein großer Unterschied.

  • Es kommt da auch etwas darauf an wie sich der Immobilienmarkt über die ca. 10 Jahre entwickelt und auch wie genau der Zeitplan ist.
    Also ob es einen festen Zeitpunkt für den Hauskauf geben soll, oder ob das ggf. auch nochmal ein, zwei Jahre geschoben werden kann.


    Zu berücksichtigen ist da auch, dass wenn man das noch länger aufschiebt, weniger Zeit für die Rückzahlung bleibt. Ist halt auch eher eine Lebensentscheidung, als eine Renditesache mit der eigenen Immobilie.


    Gruß InvestMoe

  • Ok, vielen Dank für deine Tipps.


    Aber man darf bei den 298000€ ja nicht vergessen dass über den gesamten Zeitraum Kapitalertragssteuer abgeführt wird, was ein hoher Kostenfaktor ist. Zieht man die ab sind es lediglich noch 209000€. Also kein großer Unterschied.

    Die Steuer bei der freien ETF-Anlage wird erst bei Verkauf fällig. Die jährliche Vorabpauschale kann derzeit man wegen des niedrigen Zinsniveaus praktisch vernachlässigen. Beim Verkauf von Aktien-ETF und -Fonds wirkt zudem die Teilfreistellung von 30%. De facto fallen also nur 18,5% Steuern an, in diesem Fall 55.000 EUR.

  • Okay, wenn das so ist, dann sehe ich da keine größeren Probleme.


    Der klassische Beamte kann auch mit relativ wenig Eigenkapital finanzieren falls notwendig, oder ggf. auch nach Eintritt in den Ruhestand den Hauskredit abbezahlt haben. (Bei Beamten sind Banken wohl generell entspannter.)


    Bei der entsprechenden Flexibilität hinsichtlich des Kaufzeitpunktes spricht nicht wirklich viel gegen (ein wenig) ETF in den nächsten Jahren.