Welche Steuerklasse wählen ?!

  • Hallo Zusammen,


    meine Frau und ich haben vor kurzem geheiratet und wir sind uns aktuell wegen der Steuerklassen nicht ganz im klaren.


    Aktuell sieht es wie folgt aus:


    Mein Bruttogehalt liegt bei 2700€ und in meiner Firma gibt es jährlich Weihnachtsgeld sowie eine hohe Bonuszahlung.


    Meine Frau ist seit Ende Mai Betriebsbedingt arbeitslos und bekommt knapp 900€ alg1


    Meine Frage für 2 Szenarien :


    1) Frau ist arbeitslos gemeldet, ich verdiene normal weiter (Weihnachtsgeld + Bonus mit einberechnet). Welche Steuerklasse wäre dann hier von Vorteil (am besten ohne "höhere" Nachzahlung?)


    2) Ich arbeite normal weiter, meine Frau nimmt einen Halbtagsjob an (da sie sich dann noch um unseren Sohn ab Mittag kümmern kann). Das wäre natürlich erst "interessant" sobald Sie einen anderen Beruf gefunden hat.



    Ich hoffe das Ihr uns ein paar Tipps geben könnt.


    VG

  • Hallo Deejay,


    deine Gsamtsteuerzahlung ist in einem Jahr immer gleich, egal welche Steuerklassen zu wählst.
    Du kannst durch die Wahl der Steuerklassen nur beeinflussen, wieviel Steuern du unterjährig zahlst.
    Durch die Abgabe der Steuererklärung wird die Differenz dann wieder glattgezogen, durch Rückzahlung oder Nachzahlung.


    Mit Steuerklasse 3:5 hast du unterjährig wenig Steuern gezahlt und bekommst dann wenig zurück, du riskierst eine Nachzahlung.
    Mit Steuerklasse 4:4 hast du unterjährig viel Steuern gezahlt und hast meist ein Rückzahlung. Das Risiko einer Nachzahlung ist quasi null.


    Ich würde in eurer Situation die 4:4 empfehlen. Du hast sicher keine Nachzahlung zu befürchten, aber in der Jahressumme nach Abgabe der Steuererklärung auch keinen Nachteil gegenüber 3:5. Bei 3:5 in Verbindung mit Arbeitslosigkeit riskierst du eine Nachzahlung.

  • Was das exakt bedeutet, kann dir nur ein Steuerprogramm oder Steuerberater sagen. Es macht ja auch einen Unterschied ob deine Frau ab September oder Dezember wieder arbeitet. Das muss berücksichtigt werden.


    Wir sind seit 8 Jahren verheiratet und bekommen demnächst das 3. Kind. Zu normalen Zeiten machen wir 4:4 und freuen uns über eine ordentliche Rückzahlung. Zu Schwangerschaftszeiten bekommt meine Frau die 3 und damit mehr Elterngeld, auch wenn sie eigentlich weniger verdient als ich. Ich 3:sie 5 machen wir nie, da ich nie nachzahlen möchte.

  • Grundsätzlich wird für die Einkommensteuer der Tarif gem. § 32a EStG berechnet.
    Dort sind die "ersten" ca. 9000,- Euro frei. der so genannte Grundfreibetrag.


    Bei der Steuerklasse 4/4, bekommt jeder Ehegatte jeweils diesen Grundfreibetrag.
    Bei 3/5 bekommt der Ehegatte in der 3 den doppelten Grundfreibetrag,
    zahlt als erst bei fast 20.000,- Euro zu versteuerndem Einkommen (zvE) Steuern, dafür hat der Ehegatte in der 5 keinen Freibetrag und würde ab dem ersten Euro zvE Steuern zahlen.


    Es gibt auch die diese zwei Grundfreibeträge individuell aufzuteilen nach dem jeweilig zu erwartenden zvE.
    Die Steuerklasse heißt 4 mit Faktorverfahren
    Da dürfte man, vorausgesetzt bei den Einkünften ändert sich in dem Jahr nicht so viel, das beste Ergebnis erzielen.


    Bei den Steuerklassen 3/5, 5/3 und 4 mit Faktor ist man zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Bei 4/4 nicht.
    Macht zwar oft Sinn eine Steuererklärung abzugeben, sei aber der Vollständigkeit halber erwähnt.
    So könnte man die gute Verzinsung der Erstattung durch das Finanzamt noch ausnutzen.


    Gruß InvestMoe

  • So könnte man die gute Verzinsung der Erstattung durch das Finanzamt noch ausnutzen.

    @InvestMoe


    Ich höre dieses Argument oft, gerade von Freunden, die eine hohe Erstattung kriegen. Ich habe es aber noch nicht ganz verstanden.


    Variante 1: Steuer 2019, ich gebe früh ab, dieses Jahr hatte ich meine Rückzahlung im Juli 2020.


    Variante 2: Zinsen kriege ich 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist (Link), also ab 01. Juni 2021. Sagen wir ich verschleppe und das Finanzamt zahlt mir 6% für meine Rückzahlung am 01. Juni 2022. Dann habe ich mein Geld von Juli 2020 (wo ich es in Variante 1 bekommen hätte) bis Juni 2022 dem Finanzamt geliehen und bekomme dafür 6% Zinsen.


    Meine persönliche Annahme, wenn ich den MSCI World hochrechne, ist 5% p.a.. Wäre es nicht besser, ich bekomme mein Geld im Juli 2020 und kaufe ETF, statt es im Juni 2022 für 6% Zinsen zu bekommen?


    Oder habe ich was vergessen?
    Danke, wenn du das erklären kannst. Gruß chris

  • Das ist grundsätzlich richtig mit der Hochrechnung. Nur hast du beim MSCI World, oder sonst einem ETF, keine Garantie auf das erreichen der Verzinsung. Hier schon. Sicherer Zinssatz bei 0 % Risiko (Also vom Rendite/Risiko-Profil erstmal unschlagbar)


    Wenn du nicht verpflichtet bist eine Steuererklärung abzugeben, hast du bis 4 Jahre Zeit dies zu tun.
    Wenn man jetzt jedes Jahr die Erklärung von vor 4 Jahren abgibt, hat man auch wieder eine jährliche Erstattung (regelmäßig) und einen guten Zinssatz.


    Kann man aber entsprechend auch nur nutzen wenn man nicht verpflichtet ist eine Erklärung abzugeben.

  • Noch eine Info meinerseits auf die keiner bis jetzt eingegangen ist.


    Das ALG I ist zwar bei Auszahlung steuerfrei, allerdings unterliegt es dem Progressionsvorbehalt, sprich ihr müsst auf eure restlichen Einnahmen mehr Steuern zahlen (ALG I wird mit restlichem Verdienst addiert (höherer Steuersatz entsteht)->
    ALG I wird wieder abgezogen und die restlichen Einkünfte werden mit dem höheren Steuersatz versteuert.


    Ich würde an eurer Stelle zu 4/4 tendieren. Ist natürlich Geschmackssache.