Nachhaltig anlegen

  • Liebe Community,


    auf der Suche nach nachhaltigen Fonds/ETFS bin ich auf einer Vortragsveranstaltung auf den 13 Jahre alten Global Challenges Index (GCX) der Börse Hannover in Kooperation mit der Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS ESG gestoßen.


    Es ist kein ETF, sondern ein gemanagter Fonds mit strengen Auswahlkriterien. Er bildet 50 weltweite Unternehmen ab, die sich besonders für Nachhaltigkeit (im Sinne der 7 größten globalen Herausforderungen Klimawandel, Trinkwasserversorgung, Entwaldung, Artenvielfalt, Bevölkerungsentwicklung, Armutsbekämpfung, verantwortungsvolle Unternehmensführung) engagieren. Die Zusammensetzung der 50 Unternehmen prüft 2x im Jahr neben der ISS ein unabhängiger Beirat mit Vertretern von Hochschulen, Kirchen, WWF, internationalen Organisationen. Soweit die Broschüre.


    Hat jemand damit Erfahrungen?

    Die Performance (nach allen Gebühren!) ist laut Chart besser als beim DAX und nicht viel schlechter als der MSCI World:


    Liebes Finanztip-Team, habt Ihr den GCX-Fonds Geneon Global Challenges Select (ISIN: DE000A0Q8HL1 / siehe auch: https://nachhaltige-geldanlage.org/) auf dem Radar? Wie bewertet Ihr ihn?


    Freue mich auf Meinungen dazu, da ich Börsenneuling bin und gern nachhaltig investieren möchte.


    Viele Grüße,

    Nicnic

  • Hallo Nicnic,

    ich habe in einen "richtigen" ETF, den iShares MSCI World SRI Selected Reduced Fossil Fuels investiert. Er ist sogar einen Tick besser durch die Krise gekommen als der "herkömmliche" MSCI World.

    Mit deinen genannten Fonds habe ich leider keine Erfahrung. Der Warburg Global Challenges wurde durch Finanztest glaub in Sachen Nachhaltigkeit sehr gut bewertet. Hat allerdings natürlich ein größeres Risiko, da nur in 50 Unternehmen gestreut wird.

    Viele Grüße
    Martin

  • Hallo Martin,


    danke für Deinen Beitrag. Da die "echten" ETF meist nach dem "Best in class"-Prinzip vorgehen (wer ist unter den ausgewählten Unternehmen der am wenigsten Schlimmste /noch am ehesten nachhaltige der jeweiligen Branche) bin ich mal gespannt, was ich über den GCX weiter herausfinde - ob er eine annehmbare Alternative zu den ETFs ist, was Performance und Kosten angeht. "Nachhaltiger" nach meinen Vorstellungen ist er sicherlich.


    Ich dachte auch erst, 50 Unternehmen ist ja nicht wirklich breit gestreut. Allerdings ist der GCX ein gemanagter Fonds, d.h. da fällt m.E. das Argument mit der Streuung weniger ins Gewicht. Denn die ausgewählten Unternehmen sind in dem Fall ja "handverlesen" und werden 2x im Jahr überprüft. Dafür muss man etwas höhere Kosten in Kauf nehmen. Im Prospekt heißt es "bis zu 1,75% Verwaltungsgebühr" p.a.. Ich telefoniere demnächst mal mit den Herausgebern des Fonds und lasse mir alle Details erklären. Wenn ich beim Herausgeber direkt kaufen würde, könnte ich mir zumindest den Ausgabeaufschlag von 5% sparen.


    Danke auch für die Erwähnung des Warburg Global Challenges; auch den schaue ich mir zum Vergleich mal an.


    Viele Grüße,

    Nicnic

  • Ich gebe dir Recht, dass man "richtige" Nachhaltigkeit wohl kaum über einen ETF hinbekommt, sondern wohl nur mit einem aktiven Fonds. Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass der aktive Fonds mal besser und mal schlechter abschneiden kann (im Vergleich zum MSCI World), da hier immer die Entscheidungen des Managers entscheidend sind. Und 50 Aktien sind aus meiner Sicht nicht sehr viel, wodurch die Diversifikation relativ gering ist. Was man dann wie stark gewichtet, ist natürlich einem selbst überlassen. :)

  • Hallo nochmal,

    inzwischen habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und zwei nachhaltige, gemanagte Fonds gekauft:

    1. Geneon Global Challenges Select (WKN: A0Q8HL)

    2. Nordea 1 Global Climate and Environment Fund (WKN: A0NEG2).


    Die sind beide mit rd. 50 handverlesenen Unternehmen weltweit nicht wirklich breit gestreut, aber dafür eben gemanagt. Der Geneon bildet den Global Challenges Index ab (siehe Ausgangsfrage). Beide gab es bei der comdirect mit reduzierten Ausgabe-Aufschlägen.


    Der Nordea (thesaurierend) schreibt dies hier in den Prospekt:

    "Das Managementteam konzentriert sich bei der aktiven Verwaltung des Fondsportfolios auf Unternehmen, die klima- und umweltfreundliche Lösungen entwickeln, beispielsweise im Bereich erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz, die überdurchschnittliche Wachstumsaussichten und Anlagemerkmale bieten dürften."

    Er hatte in den letzten 5 Jahren im Schnitt 17% Plus p.a., nach 1,83% lfd. Kosten.


    Der Geneon (asuschüttend) spielt mittlerweile von der Performance auch in der MSCI-Liga, bei 1,98% lfd. Kosten. Er investiert erst seit drei Jahren in GCX-Firmen (vorher andere Strategie). Ich habe mit dem Herausgeber des Fonds (Geneon) gesprochen und mir die Strategie und Unternehmensauswahl erklären lassen. Das hat mich überzeugt. Die Performance liegt mit rd. 4,5 % p.a. (3-Jahres-Zeitraum seit Strategiewechsel) unter der vom Nordea-Fonds, dafür hat der Geneon aber weniger Volatilität, weil er in Krisenzeiten mit Derivaten abgesichert wird.


    Mir war "echte" Nachhaltigkeit wichtig. Mit den beiden Fonds glaube ich ein für mich passendes Performance-Nachhaltigkeits-Verhältnis gefunden zu haben. Gute Rendite und trotzdem ein gutes Gewissen. :)


    Viele Grüße,

    Nicnic

  • Hat allerdings natürlich ein größeres Risiko, da nur in 50 Unternehmen gestreut wird.

    ... wenn die 50 handverlesen sind ist das Risiko überschaubar. Eine breite/re auf Indices basierende Streuung birgt auch Risiken, wie die Geschichte zeigt.


    Mal ein „blödes“ Beispiel kurz vor dem Brötchenholen...


    Angenommen alle Bäcker in Schland wären Bäckerei-AGen und der Bäckerei-Fonds 1 würde Aktien aller Bäckerei-AGen mit der Gewichtung Prozentsatz des Buchwertes kaufen... dann wären prosperierende Bäcker bis hin zu Backpfeifen (die am Hungertuch nagen und nur darauf warten, bis der Steuerberater ihnen sagt, dass sie schon seit 2 Jahren tot sind) im Fonds. Der Bäckerei-Fonds 2 legt Aktien der 50 größten Bäcker (nach Börsenwert) ins Körbchen und der 3. Fonds (natürlich gemanagt) pickt sich die jeweils 30 erfolgreichsten Bäcker.


    Ihr dürft nur in Anteile eines einzigen Fonds investieren! Welcher der drei ist der riskanteste und welcher wird vermutlich die höchste Rendite bringen?

  • 1. Geneon Global Challenges Select (WKN: A0Q8HL)


    ….


    Der Geneon (asuschüttend) spielt mittlerweile von der Performance auch in der MSCI-Liga, bei 1,98% lfd. Kosten. Er investiert erst seit drei Jahren in GCX-Firmen (vorher andere Strategie). Ich habe mit dem Herausgeber des Fonds (Geneon) gesprochen und mir die Strategie und Unternehmensauswahl erklären lassen. Das hat mich überzeugt. Die Performance liegt mit rd. 4,5 % p.a. (3-Jahres-Zeitraum seit Strategiewechsel) unter der vom Nordea-Fonds, dafür hat der Geneon aber weniger Volatilität, weil er in Krisenzeiten mit Derivaten abgesichert wird.

    Der Geneon Global Challenges Select richtet sich an dem Global Challenges Index (GCX) aus. Auf diesen Index gibt es mehrere Produkte. Warum hast Du Nicnic Dir diesen Fonds ausgewählt?

    Die Werte des Index werden zweimal im Jahr geprüft. Im September gab es deshalb ein Wechsel von 7 Firmen (von 50 Firmen).

  • Hallo winter,

    danke für die Nachfrage - genau anhand Deiner verlinkten Produktübersicht bin ich auch an die Sache rangegangen. :)

    Ich habe mir den Geneon-Fonds rausgepickt, nachdem ich zufällig auf einem Vortrag unserer Kirchengemeinde über nachhaltige Geldanlagen darauf gestoßen war. Ursprünglich war ich auf der Suche nach einem nachhaltigen ETF, aber das Angebot dort sind ja eher Fonds, die nach dem "Best-in-Class"-Prinzip die am wenigsten "schlimmen" Unternehmen listen - und nicht unbedingt die, die wirklich nachhaltig arbeiten.


    Das ist, wie Du weißt, bei den Fonds, die auf dem nachhaltigen GCX-Index basieren, anders. Ich hatte mir die anderen Fonds, die Du verlinkt hast, der Reihe nach angeschaut.

    * Der PRIMA war mir zu teuer (2,53% lfd. Kosten).

    * Der WARBURG ist nicht abgesichert.

    * Der SCHELLHAMMER - sorry, da hab ich die Details nicht mehr präsent. Sitzen in Österreich.

    * Der KANON - ist die nicht abgesicherte Variante des Geneon (kommt quasi aus gleichem Haus). Noch nicht lange genug am Markt, erst diesen Januar gestartet.


    Letztlich den Ausschlag hat das Telefonat mit einem Geneon-Vorstandsmitglied gegeben, das den Vortrag seinerzeit gehalten hatte. Obwohl es bei mir wirklich nicht um ein großes Investment ging, hat sich der Mann eine Dreiviertelstunde Zeit genommen, meine ganzen Anfängerfragen zu beantworten - wohlgemerkt, nicht als Verkaufsgespräch, sondern er hat mir einfach deren Vorgehensweise erklärt. Ich fühlte mich jedenfalls in keiner Weise zu einem Kauf gedrängt, dafür war die Summe, um die es ging, auch viel zu klein. 8o

    Bei dem Geneon-Fonds guckt der Fondsmanager zusätzlich zur GCX-Ratingagentur selbst nochmal auf die Entwicklung und kann ggf. etwas korrgierend eingreifen. Außerdem gibt es eine Absicherung über Derivate. Die wurde bisher wohl erst 2x eingesetzt; 2018 und zuletzt im Februar/März wg. Corona. Deshalb ist der Geneon auch der einzige GCX-Fonds, der die Abwärtsspirale im März mit nur ein paar Schrammen überstanden hat.


    Hinzu kommt: Geneon sitzt bei mir vor der Tür, ich (absoluter Börsenneuling) habe also bei Fragen immer einen Ansprechpartner. Und die Firma (eine Vermögensverwaltung) ist insgesamt nachhaltig ausgerichtet; die bieten nicht Rendite und Gewinnmaximierung um jeden Preis, sondern ausschließlich nachhaltige Geldanlagen an - und nicht nur einen Alibi-Fonds, um auch was Nachhaltiges im Programm zu haben. Kurz: Mich hat das Gesamtkonzept überzeugt. Da ich die Performance akzteptabel finde, bin ich da eingestiegen.


    SachsenMartin: Danke für Dein gar nicht blödes Bäcker-Beispiel! Genauso hat es mir der Geneon-Chef auch erklärt. ^^


    Schönen Sonntag noch!

    Nicnic

  • Keine Ursache, Nicnic!


    Und für dich gibt‘s den dann noch den Bäckerei-Fonds 4, in den Aktien der Bäcker kommen, die nur mit Sonnenstrom backen und Getreide verwenden, das mit der Sense gemäht und mit den Dreschflegel per Hand gedroschen wurde, von Bauern, die vegan leben...

    Kann durchaus sein, dass die 4er Bäcker besser wirtschaften als die „alten das-haben-wir-immer-so-gemacht-Bäcker“ 😏

  • Fast, liebe/r JDS! Gut, dass Du so gar keine rückwärtsgewandten Vorstellungen von Nachhaltigkeit hast! :thumbsup:

    Natürlich mähen die Bauern nicht mehr mit der Sense und dreschen auch nicht per Hand, das wäre ja total Steinzeit und viel zu unwirtschaftlich! :P

    Nee, die Bauern fahren natürlich solarstrom-gepowerte, emissionsarme Traktoren (oder auch mit Ökostrom erzeugten Wasserstoff), nutzen GPS-gesteuerte, sparsame Düngeempfehlungen, um die Böden nicht zu überdüngen, und betreiben Fruchtfolge, damit die Böden nicht ausgelaugt werden. Und "meine" Fonds-4-Bäckereien haben natürlich alle Solarstrom aufm Dach, backen Bio-Brot und verschenken ihre übriggebliebenen Backwaren an die Tafeln! :saint:

  • Nicnic ,


    goil!!! Wir verstehen uns!!!


    Ich wollte das Bild etwas überzeichnen und du hast es absolut getoppt.


    Das Gute an der ganzen Geschichte ist, dass sich Nachhaltigkeit und Rendite nicht ausschließen müssen! Moderne, nachhaltig wirtschaftende Unternehmen können es mit den zahlreichen „Das-hat-schon-mein-Opa-so-gemacht-Betrieben“ längst aufnehmen oder sie sogar „schlagen“, wenn das Thema Rendite angeschnitten wird.

    Der Nordea zeigt es ja...

    Sprich... bei der noch relativ kleinen Auswahl zeigt sich, dass Rosinenpicken die Indices schlägt.

    Ein 6-Prozenter macht aus’m Hunni in 30 Jahren rund 574!

    Ein ~15-Prozenter bringt 6.620!

    Klar... macht Rosinenpicken Arbeit und die darf auch gerne Geld kosten (Managementgebühren)... erst recht, wenn unter‘m Strich mittlere zweistellige Renditen für den Anleger rumkommen.

  • Das ist, wie Du weißt, bei den Fonds, die auf dem nachhaltigen GCX-Index basieren, anders. Ich hatte mir die anderen Fonds, die Du verlinkt hast, der Reihe nach angeschaut.

    * Der PRIMA war mir zu teuer (2,53% lfd. Kosten).

    * Der WARBURG ist nicht abgesichert.

    PRIMA hat eine hohe Kostenquote. Ist dieses relevant, wenn die Rendite stimmt?

    WARBURG hat aber eine höhere Rendite als der von Dir gewählt Fonds. Auch ich verstehe den Hinweis auf die Absicherung nicht.

  • Ich lese dieses öfter, daß man nicht nachhaltig angelegt soll, sondern lieber spenden soll. Dieses kann ich nicht nachvollziehen.

    Ich hatte das eher ironisch gemeint in dem Sinn, dass Du bei der bescheidenen Rendite dieses Produktes lieber gleich spenden könntest.


    Aber dahinter steht natürlich auch die Frage: Was sind Deine Ziele? a) maximale Kohle für Dich b) maximaler Nutzen für die Gesellschaft oder c) beides?


    In Richtung a) und b) jeweils einzeln zu optimieren ist schon eine Aufgabe für sich. Bei c) wird es dann schwierig...