Scheidung möglichst günstig

  • Guten Abend,


    ich hofee ich bin hier im richtigen Bereich des Forums gelandet, andernfalls bitte ich um einen kurzen Hinweis, dann frage ich einfach am richtigen Ort noch mal nach.


    Und zwar haben mein Mann und ich uns vor einiger Zeit getrennt und nunmehr beide festgestellt, dass das offensichtlich die richtige Entscheidung war. Zwar war das natürlich kein einfacher Schritt, aber seit wir nun etwas Abstand gewonnen haben, können wir endlich wieder normal miteinander reden und wollen daher nun gemeinsam die Scheidung angehen.


    Nun fragen wir uns, mit was für (auch versteckten) Kosten wir diesbezüglich rechnen müssen und ob es Möglichkeiten gibt die Angelegenheit etwas kostengünstiger zu gestalten. Wir sind beide berufstätig und haben keine Kinder, auch sind wir uns einig, dass keiner von uns dem anderen etwas wegnehmen möchte und dass es möglichst fair für beide verlaufen soll.


    Ich würde mich auf jeden Fall über Tipps und Kniffe zum senken der Kosten und auch über Erfahrungen hinsichtlich der zu erwartenden Kosten freuen.


    Liebe Grüße und vielen Dank!

  • Aus eigener Erfahrung vor 5 Jahren (m/w bitte gedanklich selbst einsetzen!):

    Mit einer Mediatorin (Verzeichnis findet man meist online bei den Anwaltskammern) kann man zum einen Schlammschlacht/Rosenkrieg vermeiden, zum anderen Geld sparen, weil: Honorar geht nach Zeitaufwand, nicht Streitwert und kann meines Wissens frei verhandelt werden.

    Wenn ihr für die Mediatorin schon einen Plan dabei habt, der alle Vermögensgegenstände und ihre Verteilung umfasst, geht alles schneller (und damit billiger). Am besten, ihr verhandelt dort nur noch um Strittiges).
    Es ist auch sinnvoll, den Versorgungsausgleich (Rentenansprüche) dort zu verhandeln.
    Das spart dem Gericht und euch viel Zeit (kann gut und gerne ein halbes Jahr sein), weil nicht mehr bei den Versorgungsträgern angefragt und auf die Antworten gewartet werden muss (ich habe keine Idee, wie stark die durch Corona ausgelastet sind).

    Nach der Mediation genügt eine Anwältin, die die Scheidung beim Gericht einreicht. Eine eigene Anwätin für jede Partei ist nicht notwendig. Wenn im Vertrag aus der Mediation ein Streitwert klar ersichtlich ist, sollte sich die einreichende Anwältin bei ihrem Honorar daran halten müssen (?, evtl. Ausnahmen in der ROÄ? Bin kein Jurist).

    Wenn Ausgleichszahlungen zwischen Ihnen nicht sofort bezahl werden können, sollte nicht nur ein verbindlicher Zahlungsplan ins Urteil, sondern der auch durch eine Sicherheitsleistung (ein Beispiel: Bankbürgschaft) gewährleistet sein.

    Alles Gute, viel Glück für die Zukunft und baldiges Wieder-Kribbeln-im-Bauch!

  • Die größten Kosteneinsparungen beim Scheidungsverfahren kann man erzielen indem man getrennt lebt und trotzdem verheiratet bleibt. Da gibt es natürlich 1000 Wenns und Abers und spätestens wenn einer von Euch wieder heiraten will hat das sein Ende. Aber wenn es noch oder wieder alles so weit passt, dass ihr vernünftig reden könnt... Es ist natürlich die totale Ausnahme, aber ich kenne solche Menschen. Da wollte ich die Möglichkeit nicht unerwähnt lassen.


    Die wesentlichen Kostenblöcke sind die Gerichtskosten (die sich nicht vermeiden lassen) und die Anwaltskosten (die sich wie Kaffler64 schon schreibt halbieren lassen durch einen gemeinsamen Anwalt). Oft ist der Anwalt gleichzeitig auch Mediator, so dass man bei einer Person bleiben kann. Vielleicht wird es dadurch auch günstiger? Die Kosten von Gericht und Anwalt orientieren sich am Streitwert (und nicht an Arbeitsstunden). Vielleicht gibt es noch Hebel, um den Streitwert zu senken? (Die Frage kann ich nur stellen aber nicht beantworten.)


    Euch beiden alles Gute! Guido

  • Ja, Pantoffelheld hat recht, eventuell habe ich das nicht gut dargestellt: nur der Mediator arbeitet nicht auf Basis Streitwert.
    Ob der Mediator so selbstlos ist, dass er den Streitwert niedrig hält, wenn er auch der Scheidungsanwalt ist? Auf der anderen Seite: er kann eine zweite Honorarnote stellen, die sonst an eine Kollegin geht.

  • Hallo Zusammen,


    erstmal vielen Dank für eure ausführlichen Tipps und Hinweise, die werde ich auf jeden Fall bei allen meinen weiteren Schritten berücksichtigen.

    Ich denke ich werde nun erstmal eure Tipps mit meinem Mann besprechen und wir werden gemeinsam mal unsere Vermögenswerte auflisten und überlegen wie wir uns die Aufteilung vorstellen und dann schlage ich ihm zunächst den Besuch bei einem Mediator vor.

    Kaffler64 ist das worauf man sich bei der Mediation einigt dann bereits "verbindlich" oder kann in der tatsächlichen Scheidung dann doch wieder alles über den Haufen geworfen werde, falls einer nicht mehr möchte? Ich gehe zwar zurzeit nicht davon aus, dass mein noch-Mann und ich solche Probleme bekommen, aber man weißt ja leider auch nie wie sich die Situation ggfs. ändert, falls zB ein neuer Partner dazu tritt. Da wäre mir eine gewisse Verbindlichkeit sehr lieb.


    Nochmals vielen Dank für all eure Ratschläge und eine gute Woche wünsche ich!:)

  • Guten Morgen, Nordseeliebe,
    wenn ihr per Mediator einen Vertrag schließt, ist der (erst einmal) verbindlich. Wenn Dein Mann dagegen verstößt, kannst Du Schadenersatz verlangen. Natürlich könnt ihr beide vor dem Scheidungsrichter neu verhandeln. Allerdings glaube ich nicht, dass es viele Paare gibt, die das Fass noch einmal neu aufmachen.
    Wenn ihr schon alles verteilt und verkauft habt, wie es Berta (s.o.) gemacht hat, ist ein Mediator eventuell entbehrlich. Wenn sich keiner von euch beiden fürchtet, vom anderen in dieser Zeit über den Tisch gezogen zu werden, ... denn der Mediator soll ja auch zu einem "gerechten" Ausgleich verhelfen und beide juristisch beraten.
    Viel Glück!

  • Hallo zusammen,


    hast du denn schonmal versucht, deine Scheidungskosten zu berechnen?


    Wenn du das machst, weißt du schon ungefähr, in welcher Größenordnung Kosten auf dich zukommen werden, und wieviel Geld du bei der Scheidung "sparen" kannst. Etwas wird die Scheidung zwangsläufig immer kosten.


    Wenn ihr keine Kinder habt, erhöhen sich eure Scheidungskosten dadurch schonmal nicht. Wie andere schon erwähnt haben, spart man extrem viel durch die Beauftragung nur EINES Anwalts. Ferner erhöht sich der Streitwert, wenn der Versorgungsausgleich vom Gericht vorgenommen werden soll. Schließt ihr den aus bzw. einigt ihr euch außergerichtlich, sinkt der Streitwert.


    Wenn du dein Nettoeinkommen und das deines Mannes weißt, kannst du den Streitwert und anschließend die Scheidungskosten berechnen. Bei Fragen melde dich gerne nochmal.


    Viele Grüße!

  • Hallo JuriS2019,


    vielen Dank für deine Antwort. Nein, die Scheidungskosten habe ich bisher noch nicht berechnet. Gibt es dafür eine Tabelle oder ähnliches wo ich die ablesen kann? Die nötigen Angaben zu unserem Einkommen kann ich liefern.


    Die anderen Punkte, insbesondere nur einen Anwalt zu konsultieren und den Versorgungsausgleich außergerichtlich zu regeln, habe ich bereits mit meinem Mann besprochen. Wir sind uns beide einig, dass wir diese Möglichkeiten wohl wahrnehmen wollen.


    Vielen Dank und ich freue mich, falls du mir noch ein wenig mehr bezüglich der Berechung der Scheidungskosten erzählen könntest.


    Liebe Grüße!

  • Moin moin Nordseeliebe ,


    die Angaben zu deinem Einkommen und dem deines Noch-Mannes musst du gar nicht unbedingt hier ins Forum "liefern". Es genügt, wenn du diese Daten einfach in den Scheidungskostenrechner eingibst. So einen findest du fast überall im Internet, jedenfalls wenn du den Begriff googlest.


    Keine schlechte Idee, das mit einem Anwalt zu probieren. Sei dir aber auch über die Risiken bewusst. Kommt es doch zum Streit, stehst du erstmal ohne Anwalt da, wenn er diesen zunächst beauftragt. Deshalb sorge dafür, dass ihr alle Vereinbarungen schriftlich (Am besten gut leserlich) festhaltet, damit es nicht zum Streit kommt bzw. dieser schnell beendet wird. Wie viel du dadurch an Anwaltskosten sparst, kann dir dieses Bild zeigen:


    Ich denke, die Kostensenkung ist ein ziemlich gutes Argument, gerade wenn man die Gefahren durch schriftliche Vereinbarungen abwenden kann. Ansonsten wird in den Kostenrechnern meistens gut erklärt, wie sich die Kosten errechnen. Wenn nicht, frag einfach nochmal nach.


    Alles Gute Dir!

  • Hallo JuriS2019,


    vielen Dank für diese tolle Aufschlüsselung und auch für den Kostenrechner. Ich habe das direkt gestern mit meinem Expartner gemeinsam durchgerechnet und wir waren beide wirklich überrascht von den Möglichkeiten und sind froh nun zumindest eine vage Größenvorstellung von den Kosten zu haben.


    Vielen Dank, bei Fragen melde ich mich gerne wieder.


    Ganz liebe Grüße!