Thesaurierender ETFs und die perfekte Ausnutzung des Steuerfreibetrags

  • Heißt das, wenn ich z. B. 3 Jahre lang 801 Euro "entrichtet" habe und dann bei einem Gewinn von 10.000 Euro und einer anfallenden Steuer von (*70%*25%) 1.750 Euro keine Steuer mehr anfallen würde, weil ich ja schon 2.403 Euro "entrichtet" habe?

  • Im Grunde ja. Im Detail funktioniert das so:

    -die im Zeitpunkt 0 gekauften Anteile, die nach einem Jahr verkauft werden, sind ab diesem Zeitpunkt steuerlich vergessen und die neu gekauften sind dann auch steuerlich neun und der Gewinn zählt dann nicht mehr ab Jahr0 sondern erst ab Jahr 1.

    - entsprechendes gilt für die Folgejahre.

  • ika

    Ganz so einfach ist es nicht. ;)

    Wenn Du einen thesaurierenden ETF besitzt, entrichtest Du abgesehen von der Vorabpauschale erstmal gar keine Kapitalertragssteuern. Die Vorabpauschale ist aktuell durch den niedrigen Leitzins zu vernachlässigen.

    Es geht nun darum, dass Du durch den optimierten Verkauf und anschließenden Kauf den jährlichen Steuerfreibetrag auf Kapitalerträge von 801€ optimal ausnutzen kannst.


    Nehmen wir mal an, Du hast Dir 2020 für 10K€ 200 ETF-Anteile (=50€ pro Anteil) auf einen thesaurierenden ETF gekauft. Durch Kursgewinne/Dividenden sind Deine 200 Anteile jetzt nach 1 Jahr 12K€ Wert.

    Steuern zahlst Du wie geschrieben aktuell so gut wie keine (Vorabpauschale). Daher kannst Du so auch nicht vom Steuerfreibetrag profitieren.


    Die Idee ist nun, jedes Jahr so Viele Anteile an Deinem ETF zu verkaufen, dass Du mit dem Gewinn möglichst nahe an die 801€ heran kommst und dann gleich wieder neue Anteile zu kaufen.

    Du hast ja 200 Anteile an Deinem ETF, die aktuell 12K€ Wert sind (60€ pro Anteil). Wenn Du jetzt Anteile für 10.801€ verkaufst, musst Du darauf keine Steuern zahlen.

    Also verkaufst Du jetzt 180 Deiner ETF-Anteile = 10.800€ und kaufst diese 180 Anteile sofort wieder. Damit hättest Du jetzt 800€ 'gewonnen' die Du zukünftig nicht mehr versteuern mußt.

    Dabei muss man natürlich beachten, dass i.d.R. durch den Verkauf/Kauf Kosten bei Deinem Depotanbieter anfallen. Auch musst Du berücksichtigen, dass der Kauf/Verkauf der Anteile nach dem FiFo-Prinzip läuft. Also es werden immer die zuerst gekauften Anteile auch zuerst verkauft.

    Im folgenden Jahr, müsstest Du also beachten, dass Du noch 20 Anteile im Depot hast, die Du für 50€ gekauft hast und 180 Anteile, die Du für 60€ erworben hast (usw.).

    Das Ganze wird damit jedes Jahr komplexer (Excel ist Dein Freund!? :)). Auch ist zu beachten, dass es für unterschiedliche ETF sog. Teilfreistellungen gibt.

    Bei einem Aktien ETF gibt es 30% Teilfreistellung, so dass Du bei einem Aktien ETF damit sogar 1140€ pro Jahr steuerfrei erzielen kannst.


    Fazit: Bei einem thesaurierenden Aktien ETF könnte man so etwa 200€ pro Jahr an steuern sparen (wenn es keine anderen Zinseinkünfte mehr gibt!). Aber man muss halt alle Käufe/Verkäufe und die jeweiligen Kaufkurse in Excel tracken und nachrechnen. 8o

  • Okay, dann entsteht der persönliche Gewinn dadurch, dass später neu und zu einem höheren Preis als erstmals gekaufte Anteile einen kleineren steuerlich wirksamen Gewinn generieren.


    monstermania: Wie errechnet sich die mögliche Ersparnis von 200 € pro Jahr?

  • 801*26,375% = 211,26€

    Diese Angabe hat mich nun eine Excel-Tabelle anlegen lassen, um am konkreten Beispiel zu rechnen. Vielleicht habe ich ja Denkfehler, aber ich komme zu anderen Ergebnissen.

    Das Model:
    Kauf von 1000 Stück zu je 50 €, 5 % Wertsteigerung konstant, 30 % Teilfreistellung, 10 Jahre, keine Vorabpauschale, keine Kauf-/Verkaufkosten
    Gegenüberstellung der Steuern

    • jährliche Ausnutzung des Steuerfreibetrags
    • Halten aller Anteile über die 10 Jahre

    Die errechnete jährliche Verkaufs- und gleiche Wiederkaufsstückzahl wurde ganzzahlig abgerundet, so dass der Freibetrag nicht vollständig ausgenutzt wird.

    Das Ergebnis:

    im optimierten Fall 660 € Steuern, nicht optimiert ca. 5.600 €. Auf 10 Jahre betrachtet bedeutet das einen jährlichen Vorteil von fast 500 €.


    Richtig oder falsch? Ich bin gespannt.

    Mit den blauen Werten kann variiert werden.

  • Soweit ich die Tabelle verstehe fehlen in der Berechnung die jeweils nicht verkauften Stücke, also in der ersten Zeile die Differenz 1000 zu 971 usw.


    Von dem Gesamtgewinn 31.400 € können in den neun Jahren nur 10*1.144 steuerfrei werden, ohne Optimierung 1*1.144 im letzten Jahr = Verkaufsjahr.


    Also ohne Optmierung

    (31.400 -1.144)*0,7*0,26375 = 5.586 € Steuern

    mit Optimierung

    (31.400 -11.440)*0,7*0,26375 =3.685 € Steuern


    Differenz 1.901 €, dividiert durch 9 Jahre sind wieder die 211 € von oben.

  • ika

    Wie ich bereits schrieb: Excel ist dein Freund. Man muss halt nur alle Daten richtig eingeben.:)

    Kater.Ka hat das Problem bzw. den Fehler Deiner Excel-Berechnung ja bereits angesprochen.


    Jetzt komm ich mal mit der bitteren Realität. Du hast halt nicht jedes Jahr konstant 5% Wertsteigerung im Depot. ;)

    Unter Umständen bist Du sogar einige Jahre mit Deinem Depot im Minus und kannst bzw. willst daher gar keine Anteile verkaufen. Dafür hast Du dann auch Jahre dabei in denen 10-15% Wertsteigerungen drin sind. Leider bleibt es dann trotzdem nur bei den 801€ Freibetrag p.a..

  • monstermania

    Der Einwand ist richtig und auch berechtigt. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mechanik dauerhaft zuschlägt, begrenzt.

    Im konkreten Beispiel müsste die Anlage bei 50.000 € weniger als 1.144 / 50.000 =2,3% p.a. kumuliert (!) steigen. Nicht durchführbar ist es dann, wenn nach dem Kauf die Kurse einbrechen und die Erholung lange dauert bzw. vorher nur wenig Gewinn aufgelaufen ist. Ob der Anstieg stark oder durchschnittlich spielt keine Rolle, man muss halt auf die 801 bzw. mit TFS auf die 1.144 € optimieren.


    Unterm Strich bleibt es immer eine individuelle Entscheidung, wie viel Aufwand man für die 211 € p.a. treiben möchte.

  • Kater.Ka: Ja, ich hab da einen Fehler in der Berechnung des Gewinns im Falle der Optimierung. Ich verstehe zwar formal-mathematisch die Berechnung im optimierten Fall, nicht aber den auch dort gemachten Ansatz mit 31.400 EUR. Da in den Vorjahren die früher gekauften Anteile verkauft wurden, sind sie ja m. E. für die Gewinnermittling am Ende nicht mehr relevant, sondern nur die Differenz zu den Käufen der allerletzten Jahre.
    Ich glaube, ich muss mir das mal im Gespräch erklären lassen.


    monstermania: Ja, mir ist klar, dass das eine sehr idealisierte Rechnung ist. Es ging mir darum, die Steuerberechnung am Ende zu verstehen.

    Unabhängig davon, auf die jährlichen Möglichkeiten der Ausnutzung des Freibetrags aufmerksam gemacht worden zu sein, ist schon ein großer 'Gewinn' jetzt.

  • Da in den Vorjahren die früher gekauften Anteile verkauft wurden, sind sie ja m. E. für die Gewinnermittling am Ende nicht mehr relevant, sondern nur die Differenz zu den Käufen der allerletzten Jahre.

    In der Excel fehlen die nicht verkauften Anteile. In der Spalte B hast Du immer 1000 Anteile. Die 29 im ersten Jahr nicht verkauften Anteile verkauft Du im zweiten Jahr; dadurch verkaufst Du weniger Anteile, die Du am Ende des ersten Jahres rückgekauft hast. Der Wert in Spalte G ist bereits im ersten Jahr höher, da alle 1.000 Anteile jeweils 52,50 € wert sind. Dadurch läuft bereits ab dem ersten Jahr ein steuerpflichtiger Gewinn zusätzlich zu dem steuerfrei gemachten auf.