BAV, Riester, ETF - Was ist das richtige für mich?

  • Hallo zusammen,


    ich komme mit meiner Altervorsorge irgendwie nicht weiter...

    Ich habe mich eigentlich schon sehr eingehend mit den Optionen befasst, auch die Artikel und Videos zu den einzelnen Optionen von Finanztip gelesen bzw. gesehen, aber noch nicht das Gefühl auch das richtige gefunden zu haben.


    Zur Ausgangssituation:


    30 Jahre alt, verheiratet, eine Tochter, laufende Finanzierung für selbstgenutzte Immobilie.

    Die Tilgung läuft zum Teil über einen riestergeförderten Bausparvertrag, dort läuft auch die Kinderzulage hinein.
    4.000€/Monat Bruttogehalt.


    Ich bespare aktuell einen ETF-Sparplan mit 100€/Monat - nicht zwingend nur als AV.


    Daneben habe ich ein Sammelsurium an AV Verträgen.


    1. Riester Uni ProfiRente mit aktuell 7.614,06€ Guthaben
      Dies war mein Start in die AV, der Vertrag ist noch von 2009.
      Ich habe irgendwann aufgehört diesen zu besparen, da mir lukrativere Anlageformen versprochen wurden.
      Für die vollen Zulagen müsste ich ca. 150€/Monat einzahlen.
    2. VBLklassik mit 22,62 VP, entspricht aktuell einer Rente von 90,84€
      aus meiner Zeit im öffentlichen Dienst.
      Hier nicht wirklich relevant, da meines Wissens nicht auf andere Gesellschaften übertragbar.
      Beitragsfrei gestellt bis zur Rente oder ich mal wieder im öffentlichen Dienst arbeiten sollte
    3. BAV Allianz IndexSelect (EuroStoxx50 mit Sicherungsmechanismus und 3,2% Cap), 416,17€ Guthaben
      Abgeschlossen nach Arbeitgeberwechsel, dort wurde diese BAV direkt vermittelt.
      Allerdings haben sich unsere Wege drei Monate später bereits wieder getrennt, entsprechend Beitragsfrei gestellt.
      Wurde mit 150€/Monat von mir bespart.
    4. BAV Alte Leipziger FR20 (50%DimensGlobalTargetedValue, 50% MSCI World), 536,76€ Guthaben
      Wurde beim folgenden Arbeitgeber ab 3 Jahren Betriebszugehörigkeit mit 25,56€/Monat bespart.
      Hier bin ich seit März 2020 nicht mehr tätig, entsprechend Beitragsfrei gestellt.
    5. Nürnberger Dax-Rente (Dax RiskControl20) ca. 1.000€ Guthaben
      Habe ich vor einem Jahr über meinen Versicherungsvertreter noch beim alten Arbeitgeber abgeschlossen.
      Dieser gab 15% plus 26,59€ Umwandlung aus der VWL dazu.
      Nach dem Arbeitgeberwechsel ebenfalls beitragsfrei gestellt.
      Wurde mit 226€ monatlich bespart.

    Nun dümpelt das alles seit einem halben Jahr vor sich hin und ich weiß nicht was ich sinnvollerweise fortführen sollte.
    Mein Versicherungsberater rät dringend zur BAV mit der Begründung des Hebels durch die Nettoersparnis.

    Mein neuer Arbeitgeber hat keinen direkten Partner für die BAV, würde aber den bestehenden Vertrag übernehmen.
    Nach erster Auskunft zahlt er keine Zulage, die gesetzlichen 15% wird er aber ja letztlich zahlen müssen, spätestens ab 2022.


    Die Argumentation meines Versicherungsberaters ist, dass ich durch den Hebel der Nettoersparnis letztlich die doppelte Summe monatlich anlegen kann.


    Beispiel:

    120€ Riester bei 3% ergäben mit Zulagen 177.000€ zu Rentenbeginn, -18.000€ Steuern.

    Dagegen könnte ich bei der BAV 230€/Monat anlegen, zahle Netto aber ebenfalls nur 120€.

    Zu Rentenbeginn hätte ich dann bei 3% 335.000€, von denen ich 85.000€ an Steuern abgeben müsste.

    Im Ergebnis stehe hier also 160.000€ gegen 250.000€ Guthaben zu Rentenbeginn.


    Das klingt ja erstmal so, als wenn die BAV immer gewinnt, allein schon durch die höheren möglichen Beiträge.

    Meine Frage ist jetzt, was hier schöngerechnet wurde.

    Ein Punkt sind die geringeren Beiträge zur gesetzlichen AV bei der BAV.
    Hier ist mir nicht ganz klar, wie viel das ausmacht.


    Dass der DaxRiskControl20 allein schon durch den Cap-Mechanismus nicht für die ganz großen Sprünge geeignet ist, ist mir klar. Ob dieser konkrete Tarif gut ist, ist aber ja nochmal eine andere Frage als die generelle Frage der Sinnhaftigkeit einer BAV. Das Argument des Versicherungsberaters ist, dass man immer wieder "oben" einsteigt, da zwar die Gewinne gedeckelt sind, aber eben auch keine Verluste möglich sind. Ein ETF oder klassischer Fonds müsste schon sehr gut performen, um dies nach Markteinbrüchen wieder aufholen zu können.




    tl;dr

    1. Warum ist es trotz Nettovorteil nicht immer der beste Weg über die BAV zu gehen?
      Nach der obigen Rechnung würde ich ja 90.000€ liegen lassen, wenn ich nicht auf die BAV setze.
    2. Sollte ich stattdessen wieder meinen Riestervertrag besparen?
      Hier liegt aktuell bereits das meiste Kapital und ich bin deutlich Flexibler was die Einzahlung, Arbeitgeberwechsel oder auch Umwandlung z.B. in Wohnriester angeht.
    3. Wie viel "brauche" ich eigentlich als Altersvorsorge?

    Bei Frage 3 ziele ich vor allem auf die Immobilie ab.
    Rentenlücke ist klar, aber inwieweit wirkt sich hier die in 29 Jahren abgezahlte Immobilie (Volltilgung mit Garantiezins über die gesamten 30 Jahre Laufzeit) aus?

    Darüber habe ich nicht wirklich etwas gefunden.

    These: Sollte ich mich vielleicht eher darauf konzentrieren, Kapital für Werterhalt und Renovierung oder Sondertilgung der Immobilie aufzubauen, als das Geld in eine AV zu stecken, die mir erst in 37 Jahren zur Verfügung steht?


    Ich hoffe ich habe euch mit dem Text nicht erschlagen und freue mich auf eure Antworten, um das Thema endlich abschließen zu können - zumindest für den Moment.


  • Hallo toimabo,

    willkommen erst mal von mir.

    Grundsätzlich bin ich kein Freund von Versicherungen. Deshalb gibt und gab es bei mir keine Altersvorsorge über Versicherungen.

    Dein Gedanke erst mal Immobilienfinanzierung anzugehen, finde ich erst mal richtig, weil Schuldentilgung wichtiger als jede andere Geldanlage ist.

    Aber warum in eine Altersvorsorge investieren deren Ertrag erst in 37 Jahren zum tragen kommt ? Eine Geldanlage mit Aktienfonds bringt warscheinlich mehr Rendite, und ist zudem jederzeit wieder zu Geld zu machen. Dazu kommt noch, dass diese Anlageform vererbbar ist.

    Bei Versicherungsprodukten bin ich mir da nicht sicher, ob das auch so ist.

    Gruß


    Altsachse

  • Danke erstmal für eure Tipps - das bestärkt mich schonmal in meiner Tendenz.


    Das einzige was mich noch grübeln lässt, ist die angebliche Verdopplung der netto eingesetzten Beiträge bei der bAV die man liegen lassen würde.

    Könnt ihr diese noch entkräften, bzw. aufzeigen wo hier schöngerechnet wird?

  • Ich würde Dir empfehlen die 3 bisherigen BAV Verträge:
    BAV Allianz IndexSelect (EuroStoxx50 mit Sicherungsmechanismus und 3,2% Cap), 416,17€ Guthaben
    BAV Alte Leipziger FR20 (50%DimensGlobalTargetedValue, 50% MSCI World), 536,76€ Guthaben
    Nürnberger Dax-Rente (Dax RiskControl20) ca. 1.000€ Guthaben
    im Rahmen einer Portierung zusammenzulegen.Schlimm genug das du anscheinend 3 mal volle Abschlußkosten gezahlt hast.https://www.ihre-vorsorge.de/altersvorsorge/betriebsrente/jobwechsel.htmlhttps://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/altersvorsorge/betriebsrente-mit-dem-arbeitgeber-fuer-die-rente-sparen-7675

  • Ich weiß, das ist jetzt der dritte Beitrag, bei dem ich den gleichen Link empfehle, aber ich fand das war augenöffnend:

    https://hartmutwalz.de/betrueb…eine-herbe-enttaeuschung/


    Zu Deiner Frage direkt: Die Schönrechnung liegt darin, dass Du im Alter Steuern und Krankenversicherungsbeiträge (inkl. AG-Anteil bei der KV) leisten must. Die hat Dir der Versicherungsmensch verschwiegen, wie es scheint. Im o.g. Link wird das durchgerechnet.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob Dein "Versicherungsberater" als echter Berater für Dich tätig ist, oder ob er als Versicherungsmakler davon lebt, Dir Produkte mit hoher Provision zu verkaufen.