Ray Dalio Portfolio?

  • Hallo!
    Endlich mal ein gutes Forum :-)
    Ich habe schon ein wenig über das Allwetterportfolio von Ray Dalio hier gelesen, aber für mich noch keine entgültige Antwort gefunden.
    Es geht nochmal um das Thema Zinspolitik und den Anteil der US-Bonds in diesem Portfolio.
    Es ist ja davon auszugehen, dass wir in den nächsten 5-10 Jahren keine Zinserhöhung sehen werden, wirkt sich das nicht sehr negativ auf den hohen Anteil (60%) der US-Bonds in dem Portfolio aus?
    Und ich gehe davon aus, dass sowohl der Aktienmarkt, als auch der Markt der Staatsanleihen aufgrund der hohen Staatsverschuldungen weltweit langfristig nicht mehr so super performen werden.
    Ich bin aber echt nur Laie und das ist mein Fazit aus allem, was ich aktuell mitbekomme.


    Mein Anlagehorizont liegt bei 10, max. 15 Jahren (ich bin nämlich schon 50 :)) und suche nach einer relativ sicheren Anlage für mein bescheidenes Kapital. Ich habe noch zwei uralte Lebensversicherungen, die in 10 Jahren ausgezahlt werden (mit jeweils 3,5 und 4 % Verzinsung, ich hoffe, dass das so bleibt und nicht mal eine Überraschung kommt, im Sinne von: Nee, leider können wir diesen Vertrag nicht mehr einhalten...), also da habe ich prinzipiell schon mal eine kleine Sicherheit.
    Außerdem bin ich seit kurzem überzeugt von Bitcoin (aus einer relativ sicheren Quelle - das würde jetzt den Rahmen sprengen, mehr darüber zu schreiben) und mit einem Anteil von ca 15k dort investiert. Als spekulativem Anteil, den ich auf 20k aufstocken möchte, warte aber noch, in der Hoffnung, dass es im nächsten Jahr nochmal kleine Rücksetzer geben wird. Deshalb möchte ich mit dem restlichen Anteil von ca 20k in einer Art sicheren Hafen den Rest anlegen. Ich bin in einigen Einzelaktien bereits investiert, vor allem in den typischen 3 China-Aktien und in ein paar deutschen Aktien wie z. B. Zalando oder Steico. Alles in sehr kleinen Beträgen.
    USA habe ich aktuell nur noch Bershire und Goldminenaktien, auch hier in kleinen Beträgen. Außerdem bin ich in einem New Engery ETF investiert, der ganz gut läuft und in Xetra-Gold.
    Ich schweife ja total ab...

    Also nochmal meine Frage: Wie ist das Allwetterportfolio aktuell zu bewerten, in Anbetracht der gesamtwirtschaftlichen Zinspolitik und einem Analgehorizont von 10-15 Jahren?
    Ich freue mich sehr über eine Antwort und Austausch :thumbsup:

  • Hallo und willkommen Ilka70 , vielen Dank für das Lob. Und vielen Dank für die Frage. Eigentlich sind es ja viele Fragen. Ich möchte zum Anfang nur auf zwei Sachen eingehen:


    1. Du schreibst mit einem Lebensalter von 50 von einem Anlagehorizont von 10-15 Jahren. Darf ich fragen, was dann passiert? Ok, wahrscheinlich hat es was mit Rente zu tun... Aber wirst Du das Kapital zu dem Zeitpunkt vollständig brauchen, etwa um Dich Dich in eine Seniorenwohnanlage einzukaufen? Oder brauchst Du auch für die Zeit danach noch eine Geldanlage?


    2. Bei dem Allwetterportfolio reden wir von diesem https://portfolio-architekt.de…os-all-seasons-portfolio/ , richtig?


    Mein erster Eindruck beim Blick auf die Torte war genau der erste Halbsatz darunter "Auf den ersten Blick erscheint womöglich der Anteil an Staatsanleihen überproportional hoch". Hier würde ich ergänzen wollen: Auf den zweiten Blick auch. Und als drittes fällt einem auf, dass es ausschließlich amerikanische Staatsanleihen sind.


    Magst Du uns noch etwas zum "Drumherum" um die Frage erzählen? Also ob die Vermutung mit der Rente stimmt, ob Du absehbar eine Rente bekommst, die den Lebensunterhalt abdeckt und die Kapitalanlagen nur ein Zückerchen obendrauf sein sollen. Oder ob Du auf das Kapital dann angewiesen sein wirst, um die Rente aufzustocken.


    Viele Grüße, Guido

  • Das Portfolio ist nicht so viel anders als man in D vor > 10 Jahren geraten hat, nämlich je zur Hälfte in Aktien-Standardwerte und das andere in Staatsanleihen zu investieren. Das Problem der Staatsanleihen in D ist, dass sie schon länger nichts mehr bringen, wenn sie auch immer noch zur Stabilisierung beitragen. Die EZB hat ja wir auch die Fed angekündigt auf längere Zeit an den niedrigen Zinsen festzuhalten. Wenn man nun langlaufende Staatsanleihen nimmt fixiert man den heute niedrigen Zins auf z.B. 10 Jahre.


    Deutsche Alternativen als fertige Fonds wären der Arero und der Portfolio-ETF von Beck, da kann man sich die Historie für einen deutschen Anleger anschauen, Anleihen liegen hier so im 30%-Bereich, https://www.fondsweb.com/de/ve…LU0397221945,LU0392494562 Man sieht hier schön, dass in den frühen Jahren der Anleihen-Anteil einen guten Beitrag gebracht hat, später außer der Glättung eher nicht.

  • Vielen Dank für deine Antwort, Pantoffelheld

    Und danke auch dafür, dass du genauer nachfragst. Das macht Sinn.

    1.) Seniorenheim... *kleinerSchock.... Aber deine Frage ist ja berechtigt. Also nein, das beabsichtige ich keinesfalls. Ich lebe mit meinem Lebensgefährten auf einem alten Hof, der ihm gehört, dort sind noch drei weitere Wohneinheiten vermietet, die Miete finanziert die Tilgung und leider Zinszahlung. Ich werde also ziemlich sicher keine Miete zahlen müssen, außerdem gehört mir noch ein Haus, in dem mein Vater noch wohnt. Das werde ich auch irgendwann vermieten oder verkaufen.
    Ich möchte so lange ich kann arbeiten, denn ich mag meinem Beruf sehr gerne (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Außerdem nimmt die Selbstversorgung (Garten, Hühner usw... ) einen immer größeren Raum ein. Von Seniorenheim bin ich also ganz weit entfernt, da kann ich mir schon eher ein Mehrgenerationsprojekt langfristig vorstellen.
    Ich wünsche mir mit meiner Kapitalanlage ein Einkommen, von dem ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann (das Übliche eben, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten usw...)
    Eine staatl. Rente werde ich nicht bekommen, ich war immer schon Selbständig und habe über die Lebensversicherungen und das Haus meine Rente versucht abzusichern.


    2.) Richtig :-)
    Ich möchte gerne mein angespartes Kapital, was ich bisher immer nur auf einem Sparbuch mit 0.01% Zinsen liegen hatte, irgendwo realtiv sicher unterbringen. Wie gesagt, für eine spekulativen Anteil bin ich in Bitcoin investiert und in einem kleinen Aktienfond (den ich ganz gut finde) und mit einem Anteil bei Oskar. Der Rest wabert noch herum, ein größerer Teil aktuell in Cash, weil wir uns ja aktuell in einer sehr ungewissen Lage befinden. Kurzfristig sehe ich eine Erholung am Aktienmarkt in 2021, langfristig sehe ich da größere Probleme auf uns zukommen und da wäre ich gern etwas sicherer :-)

  • ....wenn sie auch immer noch zur Stabilisierung beitragen. Die EZB hat ja wir auch die Fed angekündigt auf längere Zeit an den niedrigen Zinsen festzuhalten. Wenn man nun langlaufende Staatsanleihen nimmt fixiert man den heute niedrigen Zins auf z.B. 10 Jahre....


    Deutsche Alternativen als fertige Fonds wären der Arero und der Portfolio-ETF von Beck, da kann man sich die Historie für einen deutschen Anleger anschauen, Anleihen liegen hier so im 30%-Bereich, https://www.fondsweb.com/de/ve…LU0397221945,LU0392494562 Man sieht hier schön, dass in den frühen Jahren der Anleihen-Anteil einen guten Beitrag gebracht hat, später außer der Glättung eher nicht.

    Vielen Dank für deine Antwort:thumbsup:

    Bedeutet das, dass man durch die Staatsanleihen zwar eine Sicherheit, aber dafür eine minimale Verzinsung erhält? Die ja nicht einmal die Inflationsrate abdecken würde?


    Das Beck'sche Portfolio schaue ich mir mal in Ruhe an, ich entnehme aber deinem Kommentar, dass Anleihen in den nächsten 10 Jahren eigentlich wenig Sinnvoll sind?

    Aber was ist die Alternative? :/

  • Bedeutet das, dass man durch die Staatsanleihen zwar eine Sicherheit, aber dafür eine minimale Verzinsung erhält? Die ja nicht einmal die Inflationsrate abdecken würde?

    Finanztip empfiehlt ein Mischportfolio aus Aktien-ETF und Festgeld / Tagesgeld. Letzteres ist für Privatanleger die Alternative zu ETF mit Staatsanleihen, da diese 1. schon zum Teil negativ rentieren und 2. auch Kosten für den ETF aufkommen. Theorie s, u,a, https://www.finanztip.de/geldanlage/ https://www.finanztip.de/investmentfonds/rentenfonds/


    Festgeld / Tagesgeld und Anleihen ist gemein, dass damit ein Inflationsausgleich mittelfristig nicht zu erwarten ist.


    Zum Thema Alternative gibt es eigentlich nichts. Wenn die Sicherheit auf Sicht ca. 10 Jahre im Vordergrund steht, führt nichts an den Geldprodukten vorbei s. den o.g. Grundsatzartikel. Wie schon Pantoffelheld in seiner Frage 1 ausgeführt hat ist die Kernfrage wie sicher und begrenzt die Anlage sein soll. Wenn der Gesamt-Anlagehorizont über die 10-15 Jahre hinausgeht wäre mMn ein Aktienanteil je nach Risikoneigung vertretbar.