Branchenwette mit Technologie ETF?!

  • Hallo allerseits,


    ich bin neu in der ETF Szene, habe aber mittlerweile schon einen Sparplan auf den Xtrackers ESG MSCI World UCITS ETF(IE00BZ02LR44) mit 100€ monatlich laufen. Nun bin ich aber auf einen ETF gestoßen, der mich ins Grübeln gebracht hat...


    Der Xtrackers MSCI World Information Technology UCITS ETF (IE00BM67HT60). Das Thema Branchenwette/Risiko ist mir bewusst, aber so richtig freimachen von dem Gedanken, dass man da Rendite auslässt, kann ich mich leider nicht. Warum sollte diese Branche einbrechen...Andererseits hat man das auch bei Banken, Immobilien etc. behauptet.


    Was ist eure Meinung dazu? Im Anhang habe ich mal beide ETFs gegenüber gestellt. Ergibt es Sinn, beide zu besparen? Ach ja, ich bin 21 und somit noch relativ risikofreudig oder wie man das auch immer beschreiben mag:)


    Gruß Lennart

  • Bei einer Anlage in einen breit gestreuten Aktien-ETF ist es so, dass damit der Durchschnittswert aller Sektoren abgebildet wird. Das heißt im Umkehrschluss, dass die einzelnen Sektoren sich unterschiedlich entwickeln. Sie können sich z.B. eine Zeitlang besser entwickeln, dann aber auch wieder zum Durchschnitt zurückfallen oder sogar schlechter abschneiden.


    Da das keiner vorher weiß ist der grundsätzliche Ratschlag, in einen breit gestreuten ETF zu investieren. Man kann dann als sog. Core-Satellite-Ansatz einen kleinen Teil in Sektoren investiert, die man für aussichtsreich hält.

  • Ok, das heißt, lieber breit streuen und von solchen ETFs absehen und wenn investieren, dann nur mit kleinen Anteilen der Sparrate

    Ich tue mich mit so pauschalen Aussagen immer etwas schwer. Vom Grundsatz her ist die Ratschlag erst mal Ordnung in die Finanzen bringen, Rücklagen für Notfälle bilden und dann in ein Mischportfolio aus Tages-/Festgeld und breit gestreuten Aktien-ETF investieren. Das ist dann das "entspannte buy-and-hold"


    Wenn Du Dich darüber hinaus mit dem Thema beschäftigen möchtest, also interessante Sektoren oder meinetwegen auch Einzelaktien identifizieren, dann ist das vollkommen OK. Nur würde ich dann eben mit kleinen Beträgen anfangen um Erfahrung zu sammeln. Ich hatte am Anfang sehr stark diversifiziert in die Sektoren, die damals als erfolgversprechend galten. Häufig war dann aber schon die maximale Outperformance erreicht und die sorgsam ausgewählten Strategien waren dann eher schlechter als der breite Markt. Das soll Dich aber nicht davon abhalten, nur solltest Du das Risiko beschränken und das geht mMn am besten über die Positionsgröße im Vergleich zum Gesamtvermögen.

  • https://www.gerd-kommer-invest…eaktien-hoehere-renditen/


    Hier ein toller Artikel zu deiner Fragestellung wenn du es noch etwas ausführlicher möchtest;)

    Vielen Dank für den Link! Ich hänge mich mal hier dran, weil es thematisch ganz gut passt.


    Das Thema Sektorwetten brennt auch mir auf der Seele.


    Zur Motivation: Den Einstieg ins Thema "Rentenlücke schließen" habe ich erst vor wenigen Jahren, erleichtert durch Finanztip, geschafft. Bald mache ich die 40 Lebensjahre voll und habe damit gefühlt nur noch wenig Zeit, um die erste Vermögensmillion noch bis zum Renteneintritt zu schaffen... ;) Zumal es mir als Tarifbeschäftigtem im öffentlichen Dienst mit vergleichsweise leicht unterdurchschnittlichem Einkommen (das aber immerhin auf Dauer eher mehr als weniger sicher) und mit familiärem Anhang zurzeit noch nicht möglich ist, 1.000,- Euro oder mehr monatlich für den Vermögensaufbau abzustellen. Hier erfährt man, auf welchem Stand ich gedanklich und organisatorisch dabei vor knapp einem Jahr war.


    Trotz der damaligen freundlichen Empfehlungen aus der Community steckt das bisschen Geld inzwischen hauptsächlich im Tech-Sektor, weil ich es vor dem Hintergrund meiner genannten Motivationslage einfach zu verführerisch finde, am Boom teilzuhaben.


    Ich habe jedoch jetzt erst verstanden, dass die Anlage in Sektor-ETFs im Grunde schon nicht mehr in den Bereich des passiven Investierens gehört. Insofern hat kürzlich ein Video von Finanzfluss zum Thema Core-Satellite bei mir ein Aha-Erlebnis bewirkt. Das ist aber vom Gefühl her okay für mich, weil es mir grundsätzlich Spaß macht, mich und mein Portfolio in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln.


    Vor diesem Hintergrund meine Frage an Euch und Eure Glaskugeln: Auf welche Signale achtet Ihr hauptsächlich, um das irgendwann kommende Ende des gefühlt ewigen Tech-Booms zu erkennen?

  • Vorab: ich finde es gut, dass Du unabhängig von den Empfehlungen Dein Ding machst.


    Zum speziellen Fall Deines Portfolios kann ich keine spezifische Aussage machen, denn es macht für mich einen großen Unterschied, ob Du mit Tech-Sektor ein Investment in einen NASDAQ-ETF meinst oder ob es noch heißere Themen wie ein ARK-ETF oder der gern genommene Global Clean Energy oder ein 70:30-Mischportfolio aus Tesla und Bitcoin ;-) ist/sind.


    Ich höre heraus, dass Du an der Anlage nichts ändern möchtest, außer der Trend kippt. Insofern würde ich mir einen oder mehrere Trendindikatoren anschauen. Dazu könntest Du z.B. eine Tabelle anlegen, in der die RSL (Relative Stärke nach Levy) Deiner jeweiligen Produkte im Vergleich zu einem Tech-Index, einem breiten Index und einem konservativen Index dargestellt wird. Da würde ich vermuten, dass die Einzelprodukte besser als der Tech-Index sind, der besser als der breite Markt und der besser als der konservative Index ist. Wenn Du die Tabelle jetzt z.B. wöchentlich pflegst wirst Du erkennen, ob ein Produkt bzw. der gesamte Tech-Markt abfällt. Wenn das nachhaltig ist könnte ein Zeitpunkt gekommen sein, das Engagement zu reduzieren. Wenn es nur kurzfristig ist und wieder nach oben dreht könnte ein Nachkauf-Zeitpunkt sein.


    Nachteil ist, dass wie alle Trendfolger so ein System Dich nicht vor plötzlichen Verlusten schützt. Der Klassiker wäre ein Rebalancing zu machen, da würde ich aber vermuten, dass Du eher weiter auf Rendite aus bist. Ich bin auch nicht so sehr der Freund des klassischen Ansatzes mit fixen Anteilen sondern würde mir überlegen um welchen festen Betrag in diesem Jahr mein Core-Investment wachsen soll. Das sollte natürlich mehr als Ausschüttungen und bisherige Sparplanraten sein, damit würdest Du wenigstens einen Teil der Gewinne absichern.