Private Vorsorge / Rürup Rente

  • ... ich muss zugeben mich noch nicht näher mit so‘m Rürup-Zeuch befasst zu haben. Frage... kann man da auch 100k oder 1m anlegen... mit Steuervorteil?

    Nur im selben Rahmen wie die normalen Altersvorsorgeaufwendungen, also Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung (ggf. ×2) zu aktuell 90%.


    Die steuerliche Förderung bei Rürup ist von der gesetzlichen Rentenversicherung abgeschaut.

  • ... ich muss zugeben mich noch nicht näher mit so‘m Rürup-Zeuch befasst zu haben. Frage... kann man da auch 100k oder 1m anlegen... mit Steuervorteil?

    Maximum sind derzeit ca. 50k für Verheiratete pro Jahr, davon sind aber nur ca. 90% absetzbar.


    So viel macht meiner Meinung nach aber eher wenig Sinn. Mein Ziel hinter der Geschichte ist mit diesem Betrag eine gute Leibrente zu generieren, da ich von der gesetztlichen wegen Selbständigkeit nur ca. 200-300 Euro monatlich erwarten kann.


    Es wird immer behauptet Rürup lohnt sich nicht. Ich sage es kommt hauptsächlich darauf an, wie das Geld investiert wird. Bei Rürup gibt es eine ziemlich freie Wahl, bei Riester nicht.


    Bei Rürup kommt man nicht mehr an das Geld ran. Man kann auch ohne Steuervorteil im Privatdepot in den Nasdaq-100 oder iShares S&P 500 Information Technology Sector (Acc) investieren. Gerade gibt es sicherlich keine günstigen Einstiegskurse, bei einem sehr langen Anlagehorizont (20-40 Jahre) spielt das aber vermutlich keine größere Rolle.

  • ... ich muss zugeben mich noch nicht näher mit so‘m Rürup-Zeuch befasst zu haben. Frage... kann man da auch 100k oder 1m anlegen... mit Steuervorteil?

    Ne, du kannst nur bis etwa 22k Steuern sparen (als Single). Zu diesen 22k gehören auch RV Beiträge dazu. Dies ist pro Jahr, du könntest also jedes Jahr das Maximum einzahlen und somit die 100k über einige Jahre verteilen...

  • Mein Ziel hinter der Geschichte ist mit diesem Betrag eine gute Leibrente zu generieren

    Schon klar! Da wünsche ich dir viel Erfolg bei der Fondsauswahl.


    Dies ist pro Jahr, du könntest also jedes Jahr das Maximum einzahlen

    Nö, das will ich nicht! Ich habe eh nicht mehr soooo viele Jahre bis zur Rente vor mir.


    Euch beiden vielen Dank für die Erläuterungen!

  • Ob GRV oder kostengünstiger ETF-Rürup hängt wohl vor allem vom Alter (und ein Stück vom Sicherheitsbedürfnis und Vertrauen in den Staat) ab.


    Wenn man zB 10 Jahre oder weniger bis zum Rentenbeginn hat (also keine durchweg hohen Aktienquoten mehr fahren kann), sind Einzahlungen in die gesetzliche Rente oft unschlagbar. Mehr als (im besten Fall) Inflations-angepasste Erhöhung ist aber oft nicht drin.


    Wenn man aber zB 30 Jahre und mehr bis zum Rentenbeginn hat und von einer langfristigen Aktienrendite von >5% pa ausgeht, dann lohnt sich Rürup mehr. Dass man die Steuererstattungen selbst investieren kann, trifft für beides zu, daher für mich kein Argument im Vergleich.


    In meinem Fall: Ich zahle als Angestellter den maximalen Beitrag in die GRV (6900x12x18.6%=15401 Euro), und wenn ich das bis 67 durchhalte winkt eine gesetzliche (und noch zu versteuernde) Rente von 2500 Euro pro Monat. Für eine gleich-hohe Rürup-Rente (bei 80% Aktienanteil und den obigen Annahmen) müsste ich im Jahr ca 11000 Euro zahlen. (Ich habe einen fairrürp mit breiten Index-ETFs und zahle etwas weniger ein, weil ja nur ca 25000 pro Jahr absetzbar sind, aber die Rendite ist doch deutlich besser als bei der GRV.)

  • Ich glaube die GRV wird oft schlechter gemacht als sie wirklich ist. Und die Steuervorteile hat man dort auch. Meine Frau ist Freiberuflerin und zahlt auch freiwillig in die GRV ein. Die Steuererstattung landet in einem ETF

    Bei der GRV stehen schon heute absehbare Leistungskürzungen an (Rente mit 69, niedrigeres Rentenniveau, höherer Beitragssatz ab 2025).


    Die GRV bietet aber auch Versicherungsleistungen wie bei Erwerbsminderung (die aber auch nur schwierig zu bekommen sind). Oder auch für Reha.


    1:1 kann man GRV und Rürup daher nicht vergleichen. Wenn man aber alleine die Rentenleistung und Rendite betrachtet, kann man schon feststellen, dass die GRV kein gutes Investment ist.


    Für Freiberufler oder andere Selbständige kann es sich aber trotzdem lohnen den Mindestbeitrag in der GRV zu zahlen.

  • Guter Punkt mit den Veränderungen und der Erwerbsminderungsoption. Und ja, das mit dem 1:1-Vergleich geht nicht. Die Zahlen oben sind auch schief, denn der oben genannte Rürup würde schon ab 62 auszahlen, aber die gesetzliche Rente ab 67 (oder 69 oder was auch immer dann gilt).

  • Au weh, da stecken so viele verschobene Wahrnehmungen drin...


    Morgen oder übermorgen komme ich darauf zurück. :sleeping:

  • Moin, irgendwie beschleicht mich der Eindruck, dass die Diskussion hier (fast) nichts mehr mit der Ausgangsfrage von lukasju zu tun hat...

    Naja, die Ausgangsfrage war ja sehr breit ("Habt ihr Erfahrungen...?"), insofern sehe ich schon den Bezug. Aber gerne konkreter:


    - Soll etwas von Tecis abgeschlossen werden? Nein, nie. Keine Beratung, sondern Verkauf. Die Provisionen sind mit die höchsten am Markt und zerstören jegliche Chance auf Rendite. Auf den tollen Blog von Prof. Walz wurde ja verlinkt, dort gibt es mehrere Beispiele wo miserable Verträge von Strukturvertrieben wie Tecis durchgerechnet wurden. Und auch im konkreten Fall entlarvt sich der "Dienstleister" selbst, denn bei Fonds-basierten Verträgen gibt es meines Wissens nach keinen Rechnungsgarantiezins, den gibt es nur für Versicherungs-basierten Verträgen (und die sollte man im aktuellen Zinsumfeld ohnehin meiden).


    - Soll prinzipiell eine private Altersvorsorge (private Rentenversicherung) abgeschlossen werden? Dazu hat Finanztip gerechnet und gezeigt, dass es sich fast nie lohnt und man mit einem simplen ETF-Sparplan (breiter Index, niedrige Kosten, Füße still halten in allen Marktphasen) besser fährt.

    https://www.finanztip.de/alter…/flexible-altersvorsorge/


    - Soll prinzipiell eine ETF-basierte Rürup-Versicherung abgeschlossen werden? Ich gehe davon aus, dass Tecis eine Versicherung aus Schicht 1 nur deshalb mitangeboten hat, weil man bei 2 Vertägen 2x Provision locker macht, aber seis drum. Die Frage lässt sich ohne weitere Infos von Lukasju zu Gehalt, Alter, Rentenbedarf, Umstände (PKV?), ... nicht beantworten.


    - Erfahrung mit ETF-Rürup? Ja, siehe oben. Es gibt also Situationen, in denen ein günstiger ETF-basierter Rürup seinen berechtigten Platz hat (und auch mit Blick auf alle Einschränkungen und im Vergleich mit der GRV passt).

  • Au weh, da stecken so viele verschobene Wahrnehmungen drin...


    Morgen oder übermorgen komme ich darauf zurück. :sleeping:

    Fände ich klasse. War mir nämlich auch zu pauschal. Und gerade beim Punkt Rendite. Da muss ich ja eine klassische Rürup gegen die GRV rechnen. Und da sollte die Rendite der GRV deutlich höher sein. Denn im Gegensatz zu den Zinsen, steigen die Löhne ja weiterhin. Und somit auch die Rentenanpassungen

  • Fände ich klasse. War mir nämlich auch zu pauschal. Und gerade beim Punkt Rendite. Da muss ich ja eine klassische Rürup gegen die GRV rechnen. Und da sollte die Rendite der GRV deutlich höher sein. Denn im Gegensatz zu den Zinsen, steigen die Löhne ja weiterhin. Und somit auch die Rentenanpassungen

    Hier liegt aber die verschobene Wahrnehmung. Unternehmen erwirtschaften immer mehr Gewinn, als sie als Lohnerhöhungen weitergeben. Der Kapitalmarkt schlägt die Lohnerhöhungen daher immer, das zeigen auch die historischen Daten.


    Die zukünftigen Leistungschränkungen der GRV, die schon heute absehbar sind, sollte man auch nicht kleinreden.


    Ich habe schon sehr viel rumgerechnet mit diversen vollen Erwerbsbiographien von z.B auch Großvater und Vater. Das Resultat =>Die GRV ist der größte Wohlstandsvernichter in Deutschland.


    Versorgungswerke haben übrigens den selben Maximalbeitrag wie die GRV, bieten aber 2-3 fach so hohe Leistungen. Der Kapitalmarkt bietet noch mehr.