Ist Miete wirklich rausgeworfenes Geld (#19)?

  • Guten Abend zusammen,


    ich verstehe nicht, warum dieses Argument bei der ganzen Diskussion Miete vs. selbstgenutzte Immobilie gar nicht erwähnt wird:

    Ich habe eine Freundin gefragt, warum sie sich eine Wohnung gekauft hat? Ihre Antwort (also das Argument): Ich will nicht im Rentenalter die Miete irgendjemanden zahlen und damit jemanden bereichern.


    Ich finde, dass dieses Argument die ganze Diskussion unterbindet und zwar für selbstgenutzte Immobilie. D. h. man kann nicht mehr sagen, dass zur Miete wohnen in manchen Fälle vorteilhaft ist, sondern selbstgenutzte Immobile lohnt sich IMMER.


    All die Beispiele von Saidi (wie z. B. Zinsen bezahlen, Instandhaltungskosten und die Kaufkosten (Makler, Notar, Steuer)) würden nur dann stimmen, wenn man sobald die Immobilie komplett abbezahlt hat, auch der andere, der zur Miete wohnt, keine Miete mehr zahlen würde.


    Dem aber nicht so: der eine zahlt seine Immobilie ab (z. B. mit 50 Jahren) und hat am Ende bis zum Lebensende nur Instandhaltungskosten. Der, der zu Miete wohnt, muss aber sein ganzes Leben die Miete zahlen. Und das überwiegt all die Vorteile, die Saidi für Miete nennt.


    Diesem Argument konnte ich auch nichts entgegen setzten. Ja, die Freundin wird mit 48 Jahren ihre Wohnung abbezahlt haben. Und ich werde für immer eine Miete zahlen. Und egal wie man es dreht, sie ist im Vorteil.


    Also wie kann man noch behaupten, dass zur Miete leben irgendwelche Vorteile bringe ggü. selbstgenutzten, gekauften und abbezahlten Wohnung?


    Viele Grüße

    Vasya

  • Vasya Pupkin


    Es ist ein Rechenspiel.

    Wieviel Miete zahlst du? Kannst du mit dem identischen Betrag eine Kaufwohnung abbezahlen? Wahrscheinlich nicht. Wieviel Jahresmieten würde eine Kaufwohnung kosten? 20 Jahreskaltmieten wäre günstig. 30 teuer.


    Oft sind die Raten für den Kauf der Wohnung höher als die Miete. Kannst du dir die Mehrkosten leisten? Willst du an deinen Ort gebunden sein oder willst du flexibel bleiben?

  • ... ääääh... ich habe vor ca. 32 Jahren das Eigenkapital, mit dem ich ca. 20% des Kaufpreises einer damals passenden Immobilie hätte abdecken können, ordentlich in Aktien investiert und weiter Miete gezahlt. Die Differenz zwischen Miete und der monatlichen Belastung für eine Finanzierung einer Immo habe ich anfangs auch in Aktien gepackt, bis seitdem aus privaten und beruflichen Gründen 8 mal umgezogen... und könnte mir heute vom Depotwert mehrerererer Immobilien kaufen 😜 und hätte immer noch Geld übrig.

  • ... ääääh... ich habe vor ca. 32 Jahren das Eigenkapital, mit dem ich ca. 20% des Kaufpreises einer damals passenden Immobilie hätte abdecken können, ordentlich in Aktien investiert und weiter Miete gezahlt. Die Differenz zwischen Miete und der monatlichen Belastung für eine Finanzierung einer Immo habe ich anfangs auch in Aktien gepackt, bis seitdem aus privaten und beruflichen Gründen 8 mal umgezogen... und könnte mir heute vom Depotwert mehrerererer Immobilien kaufen 😜 und hätte immer noch Geld übrig.

    Geht deine Rechnung auch auf, wenn man bedenkt, dass du bis zu deinem Lebensende eine Miete zahlen wirst - ggü. einer Person, die jetzt in ihrer Wohnung lebt und keine Miete mehr in ihrem Leben zahlen wird?


    Viele Grüße

    Vasya

  • Die Sache ist noch ein Stück komplexer und das hat Finanztip in den Videos bzw. dem PDF-Ratgeber gut dargestellt.


    Der Mieter zahlt seine Miete und Nebenkosten und ist damit fertig. Er hat aber das Eigenkapital nicht eingesetzt, das angelegt werden kann z.B. in ETF. Er hat keinen Kredit aufgenommen. Je nach Verhältnis von Zins und Tilgung zur Miete hat der Mieter einen Überschuss.


    Das Ganze steht und fällt mit der Mietrendite. Früher hat man gesagt, dass man den Kaufpreis über die Miete in 20-25 Jahren drin haben sollte, das wären 5-4% Bruttorendite. Heute sind wir z.T. je nach Lage bei 2-3% oder noch schlechter. Netto sind es noch weniger weil die Instandhaltung noch weggeht, Bei niedriger Mietrendite ist es wahrscheinlich, dass der Mieter sich besser stellt.


    Die Instandhaltung bei Kauf sollte man nicht unterschätzen. Kalkulatorisch - die sogenannte Abschreibung für Abnutzung AfA - geht man davon aus, dass das Bauwerk (ohne Grundstücksanteil) nach 50 Jahren nichts mehr ist. Das stimmt sicher so nicht in der Absolutheit, aber wenn ich hier so durch die Gegend laufe sieht man bei den Häusern aus den Fünfzigern und Sechzigern und z.T. Siebzigern schon, wo Leute wohnen, die kein Geld für eine umfassenden Renovierung haben.

  • Also in den Jahren, in denen ich Miete gezahlt habe, musste ich nicht auf der Straße schlafen und konnte meine Sachen trocken unterstellen - verschenkt würde ich das Geld also nicht nennen.


    Nicht jeder hat die Böcke, sich mit einer Eigentümergemeinschaft auseinandersetzen, in der Regel ist mieten einfacher als kaufen.

    Was günstiger ist, das hängt vom Einzelfall ab.

  • Wo steht in deinem Text der Punkt, den ich im Eingangspost erwähnt habe:

    Die Miete, die für immer gezahlt wird ggü. der gleichen Summe, die angelegt wird oder zur Verfügung steht, weil man die Miete nicht zahlen muss, weil man die Wohnung schon abbezahlt hat?


    Z. B. zwei Personen sind 50 Jahre alt und leben bis 95. Eine hat die abbezahlte Wohnung und muss keine Miete, sondern nur Instandhaltungskosten die nächsten 45 Jahre zahlen und der andere muss die Miete bis zum Tode zahlen.

    Wo tauchen diese Überlegungen/Zahlen bei Saidis Folge auf? Oder in deinem Beitrag?


    Immerhin ist es Geld, dass angelegt werden kann bzw. zum Konsum/Leben zur Verfügung steht.


    Viele Grüße

    Vasya

  • Deine Aussage bezieht sich auf die Zeit 50 - 95. Für den Zeitraum stimmt der Vergleich, es fehlt die Zeit vorher.


    Ich hatte oben - sagen wir mal für die Jahre 30 -50 - argumentiert, dass der Mieter einen Überschuss durch das nicht eingesetzte Eigenkapital bzw. dessen Rendite hat und zusätzlich ggf. einen weiteren Überschuss hat sofern Miete < Zins + Tilgung + Instandhaltung ( + ggf. weitere nicht umlagefähige Nebenkosten) .


    Dieser Überschuss wird dann im Alter, also Zeit 50-95. verbraucht.


    Da hilft es nur eine Excel zu bauen, die diese Zyklen in der Gesamtheit modelliert. Je nach Verhältnis Miete zu Kauf wird das mal zur einen, mal zur anderen Seite ausschlagen, Das habe ich vor zwei Jahren mal gemacht um die Aussagen aus dem Artikel von Finanztip nachzuvollziehen. https://www.finanztip.de/baufinanzierung/mieten-oder-kaufen/ Die dort enthaltenen Kurven stellen die Vermögensentwicklung gegenüber, das sollte aber für die Zahlungen - auf die argumentierst Du - analog gelten. Der Käufer stellt sich meist besser außer wenn er günstig mieten kann. Das war meine Aussage mit der Mietrendite.

  • Geht deine Rechnung auch auf, wenn man bedenkt, dass du bis zu deinem Lebensende eine Miete zahlen wirst - ggü. einer Person, die jetzt in ihrer Wohnung lebt und keine Miete mehr in ihrem Leben zahlen wird?

    Ja! Und selbst wenn ich 120 Jahre alt werden würde, würde die Kohle reichen 😜


    Mein Vorteil ist, dass ich an keinen (Wohn-)Ort gebunden bin und irgendwann auch - ohne ein Haus an der Backe zu haben - umziehen und/oder auswandern kann.

  • Also bei den Mieten die hier vor 15 Jahren schon aufgerufen wurden stellte sich die Frage bei uns irgendwann nicht mehr.


    Wir konnten, ohne großes Eigenkapital und deutlich schlechteren Zinsen als heute, unser Einfamilienhaus bauen ohne einen einzigen Euro mehr zur Kaltmiete unserer damaligen Wohnung.

    Und das im Hamburger speckgürtel und nicht irgendwo auf dem Dorf.

    Inzwischen hat sich der Wert unserer Immobilie fast verdoppelt und Dank nun niedrigerer Zinsen, zahlen Wir inzwischen sogar 200 € weniger als zum Anfang und zu unserer alten Kaltmiete.

    Im Vergleich zu mietobjekten ist unsere Tilgung inzwischen sogar fast 500,- € niedriger.


    Deshalb man ich die Frage schon verstehen. Die Erklärung von Saidi und finanztip ist mir viel zu oberflächlich.


    Ich könnte also auch 500,- € monatliche Rücklagen bilden im Vergleich zu einem Mieter. Nur wird der Mieter immer Mieter bleiben während ich einen Gegenwert habe, mag der in Zukunft auch noch so groß oder klein sein.

  • Hallo zusammen,


    Im Grunde ist der Gedanke richtig. Meist ist der Kauf der eigenen Immobilie die größte Investition die viele unter uns machen. Also sollte dieser Weg gut überlegt sein. Miete und Kredit bei der Bank ist nicht zu vergleichen. Ich selber komme aus der Branche. Für eine gesunde Finanzierung sollte mann auf jeden Fall die Nebenkosten als Eigenkapital mitbringen. Die Finanzierung ohne EK ist mittlerweile alltagsgeschäft jedoch Risikobehaftet. Passt halt nicht bei jedem und sollte vermieden werden. Dazu habe ich einen Artikel geschrieben.

    https://www.alexandersamarneh.…kaufen-ohne-eigenkapital/


    Ich rate immer dazu nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Die Immobilie und eventuell einen Sparplan.

  • Ich habe schon auch solche Aussagen gehört:


    Das Haus kostet 500.000 Euro, Nebenkosten 50.000 Euro.

    Warum soll ich Eigenkapital von 50.000 Euro aufbringen? Ob ich Kredit für 500.000 Euro nehme oder für 550.000 Euro ist bei solchen Summen schon egal. Und wenn ich bereit bin und es auch kann, 500.000 Euro auszubezahlen, dann sind für mich 550.000 Euro auch kein Problem. Also keine zusätzlichen Risiken.


    Viele Grüße

    Vasya

  • Es geht hier weniger um die eigene Zahlungsfähigkeit. Für die Bank stellt kein oder - im Falle der 110%-Finanzierung - negatives Eigenkapital ein zusätzliches Risiko dar, das sie sich durch einen Zinsaufschlag vergüten lässt.

    Habe gerade noch mal nachgeschaut: bei zehnjähriger Zinsbindung 90% FInanzierung 0,6%, 100% 1,1%, 110% 1,43% Das ist schon ein merklicher Unterschied. Quelle https://hypotheken.fmh.de/rechner/fmh2/schnellcheck.aspx


    Das eigene Risiko besteht darin, dass die Bank zusätzliche Sicherheiten verlangen kann sofern währende der Laufzeit die Einschätzung des Wertes der Immobilie sinkt.

  • Mein Vorteil ist, dass ich an keinen (Wohn-)Ort gebunden bin und irgendwann auch - ohne ein Haus an der Backe zu haben - umziehen und/oder auswandern kann.

    Man kann auch - und so plane ich - in Europa einen guten Karawan behalten indem man in Sommer lebt und in Südostasien ein Haus erwerben (ist manchmal rechtlich etwas kompliziert), das nicht mehr als 20 000 Euro kosten muss aber zwar klein indes dennoch echt fein sein mag. Solche Kleinhäuser hat man schnell von den nicht zu zahlenden Mieten "abgewohnt" und mit einem Karawan ist man in Europa im Sommer irre flexibel und gut unterwegs. Das sind natürlich ungewohnte Wege aber sie werden in zeiten stark zunehmenden Mieten zunehmend interessant. Ich werde die Wohnung meiner Mutter wenn ich sie erbe eher vermieten denn bewohnen - wäre anders reine Geldverschwendung. Immobilienerwerb sehe ich ausgesprochen kritisch. Auch im Falle einer sich anbahnenden Scheidung kann (M) an (n) so ziemlich viel verlieren... hat man aber sein Geld flexibler und verteilter investiert, ist man in solchen Momentan schnell einfach weg und kann Dingen wie einer Zugewinngemeinschaft wenn sie gar nicht berechtigt ist ganz gut ausweichen... aus dem gleichen Grund sind auch private Rentenversicherungen am besten im Ausland eine feine Sache und auch Aktiensparpläne, die nicht so leicht zu verorten sein dürften, wenn man irre mobil herum reist.


    Vom Guten ausgehend reicht mir ein Minihaus am Meer und ein Karawan in der EU, wenn ich in den Ruhestand gehe.


    Mehrere hundertausend Euro in ein starres Objekt zu investieren, das der Staat urplötzlich aus einer Laune heraus wie irre besteuern könnte und das man ja nie mitnehmen kann (das Kapital ist im Wortsinne versenkt), halte ich für in modernen Zeiten kaum attraktiv.

  • Hallo,

    Mit einer Eigentumswohnung bindet man sich fest an einen Ort. Mobilität im Beruf wird heutzutage einfach vorausgesetzt. Wird dann ein Umzug aus beruflichen oder familiären Gründen notwendig, muss erst einmal ein Käufer gefunden werden. Je länger die Wohnung dann leer steht, desto mehr Abstriche von seinen Preisvorstellungen muss man dann machen. In der Zwischenzeit ist man finanziell einer doppelten Belastung ausgesetzt, die nur schwer zu verkraften ist. In der Zwischenzeit verliert die Wohnung an Wert.


    Durch hohe Kredite hat man sich finanziell festgelegt. Es bleibt kaum Spielraum, wenn man weitere Mittel zum Beispiel für ein neues Auto oder eine andere größere Anschaffung benötigt oder ein Familienmitglied arbeitslos wird. Auch hinsichtlich der Größe der Wohnung ist man gebunden. Bei aller Weitsicht kann man eines Tages doch mehr Platz benötigen, wenn die Familie größer geworden ist als ursprünglich geplant oder wenn man ein Mitglied der Familie bei sich aufnehmen möchte.


    Als Eigentümer muss man auch alle Risiken tragen, wenn zum Beispiel bauliche Mängel auftreten und dadurch größere Renovierungsarbeiten notwendig werden.. Sollte sich aus verschiedenen Gründen die Wohnlage verschlechtern, verliert die Wohnung erheblich an Wert und die Chance, einen Käufer zu finden, sinkt.


    Und wie schon Benjamin2021 erwähnen hat, bei Scheidung und Trennung ist viel stressiger als wenn die Ehe in einer Mietwohnung gewohnt haben: https://www.scheidung.org/haus…ight=eigent%C3%BCmwohnung


    Die Höhe der Rücklagen bestimmt die Eigentümergemeinschaft. Regelmäßig werden Eigentümerversammlungen durchgeführt und über die Dinge abgestimmt, die alle betreffen. Letztlich ist man auch hier von den Empfindlichkeiten anderer abhängig.


    Man gewinnt nicht nur Freiheiten, sondern verliert sie.