Altersvorsorge mit ETF-Sparplan

  • Hallo zusammen,


    ich bin neu hier im Forum. Falls die Frage hier schon lang und breit ausdiskutiert worden ist, wäre ich über einen Link zum Thread dankbar.


    Ich beschäftige mich mit meiner Rente/Altersvorsorge momentan. Zu meiner Person: 26 Jahre, unbefristet angestellt, mtl. Bruttoeinkommen ~3600€. Ich habe also noch gut 40 Jahre bis zur Rente. In eine private Rentenversicherung laufen momentan 50€ monatlich - ich überlege diese auf 100€ mtl. aufzustocken. Parallel laufen 100€ in einen ETF-Sparplan auf den MSCI World.


    Ich frage mich, ob ein ETF-Sparplan (MSCI World oder ähnliches) zur Altersvorsorge geeignet ist.


    Mein Gedanke ist folgender: 100€/150€ monatlich in einen ETF-Sparplan 30 Jahre lang investieren und dann Stück für Stück umschichten in Festgeld/Tagesgeld, sodass ich mir mit 60/65 die gesparten Beträge per Dauerauftrag monatlich auszahlen kann.


    Für mich ist der Gedanke aus folgenden Gründen attraktiv:

    -Flexible Einzahlungen, Flexible Beitragsdauer und Entnahme, Rendite (im Vergleich zu sonstigen Geldanlageformen aktuell), relativ geringe lfd. Kosten/Gebühren.


    - Mir ist klar, dass ein ETF risikoreicher ist, als eine private Rentenversicherung mit garantiertem Mindestbetrag


    Ich bin mir allerdings ziemlich unklar über die Kosten durch Steuern etc., wenn ich im Alter dann auf das Geld zugreifen möchte. Daher meine Frage:


    - Ist ein ETF-Sparplan als Altersvorsorge generell und in meinem Fall geeignet?

    - Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich die ETF-Gewinne nach 30 Jahren realisiere? Rechnet sich das dann noch? (25% Abgeltungssteuer?)

    - Gibt es Dinge, die ich nicht bedacht habe? Gibt es bessere Alternativen?


    Über ein wenig Hilfestellung wäre ich sehr dankbar!

    Viele Grüße

  • Willkommen fr.la,


    grundsätzlich wäre noch interessant zu wissen, ob du dir schon einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto von 3-5 Nettomonatsgehältern aufgebaut hast.

    2. solltest du für dich klären wie risikotragfähig du bist, sprich eine Aufteilung zu treffen wieviel Vermögen risikobehaftet (ETF,Aktien etc.) angelegt wird und wieivel im risikoarmen Teil angelegt wird (Tagesgeld,Festgeld etc.).


    Ansonsten ist der Ansatz gut in einen breitgestreuten ETF zu investieren.


    Zu dem steuerlichen Thema wäre zu sagen: im Alter zahlst du aktuell auf die Gewinne 25% Abgeltungssteuer, abzuziehen wäre davon noch die schon entrichtete Steuer über die Vorabpauschale, die jedes Jahr festgelegt wird.


    Überlegen würde ich mir, ob ich wirklich meine private RV um 50€ erhöhe oder lieber das Geld in die ETF Sparrate stecke. Die privaten RV haben oft hohe Kosten und bringen noch wenig Rendite, je nachdem was für eine Police das ist. Das müsste man sich natürlich je nach Produkt individuell anschauen.



    Glückwunsch, dass du im Alter von 26 Jahren schon an die Themen rangehst. Dadurch hast du viel Zeit, um Börsenturbulenzen auszusitzen und den Zinseszinseffekt zu nutzen.


    Falls du weitere Fragen hast, gerne stellen.


    Wichtig ist immer, dass du dich mit deiner Geldanlage wohlfühlst und das du diversifizerst, sprich in verschiedene Anlageklassen(und bei Aktien in vielen Ländern und über Branchen gestreut) investierst.

  • Vielen Dank für die schnellen Antworten. Referat Janders Danke für die Einschätzung. Gibt es zu ETFs was Flexibilität und Rendite betrifft Alternativen?


    AT1996 ich habe aktuell ein altes Sparbuch, auf dem Geld für meine Hochzeit liegt. Wenn ich geheiratet habe, will ich ein Tagesgeldkonto mit einer Reserve anlegen.


    Zum Thema Steuern: Gibt es irgendwo gute Infos oder ein Rechentool mit dem man Vorabpauschale und die Verrechnung durchrechnen kann? Wie wird die Vorabpauschale festgelegt?


    Meine private RV ist die Provinzial Garantrente Vario. Wurde abgeschlossen wegen dem Garantiegedanken.


    Noch eine letzte Frage zu deiner Antwort: Meinst du mit Diversifikation ETFs,Anleihen, Festgeld, etc? Oder allgemein breit streuende Aktienfonds/ETFs?


    Zu guter Letzt: Einen Immobilienwunsch gibt es auch. Zeithorizont 5-7 Jahre.


    Danke und viele Grüße

  • Zum Thema Steuern: Gibt es irgendwo gute Infos oder ein Rechentool mit dem man Vorabpauschale und die Verrechnung durchrechnen kann? Wie wird die Vorabpauschale festgelegt?

    Die Vorabpauschale wird als steuerlich zugeflossen am ersten Bankarbeitstag des Jahres auf Basis des Anteilswert am ersten Bankarbeitstag des Vorjahres mit Multiplikation mit 70% eines von der Bundesbank ermittelten Zinses berechnet. Für 2020 ist der Zins 0,07%. Zusätzlich gehen davon noch mal 30% Teilfreistellung bei üblichen Aktien-ETF weg.

  • Alternativen zum ETF wären aus meiner Sicht aktive Fonds oder Einzelaktien. In Sachen Kosten bzw. Risikostreuung haben die aber das Nachsehen.


    Wenn der Immobilienwunsch allerdings so nahe ist (in weniger als 10 Jahren), wären Fest- und Tagesgeld wahrscheinlich die "FinanzTip"-konformere Variante.

  • Bei der Diversifikation meinte ich verschiedene Anlageklassen (Aktien,Gold,Immobilien und Anleihen/TG-Festgeld je nach Geschmack)

    Vorrangig in deinem Fall relevant die breite Streuung bei deinen Aktien-ETFs.


    Gold (ob physisch oder ETC), Immobilien (in welcher Form auch immer) ist eher relevant, wenn dein Vermögen deutlich größer ist und du einfach noch andere Anteile mit reinbringen willst.

    Für den Anfang wahrscheinlich zuviel.

  • Und wie schon Referat Janders gesagt hat, ist bei deinem Immobilienwunsch in 5-7 Jahren eine ETF-Anlage eher nicht anzuraten.


    Das liegt daran, dass falls die Kurse einbrechen du womöglich nicht die Zeit hast die Krise auszusitzen. Dadurch vielleicht eher zu einem Verkauf mit Verlusten neigen wirst, um deine Immobilienfinanzierung zu starten.

  • Das liegt daran, dass falls die Kurse einbrechen du womöglich nicht die Zeit hast die Krise auszusitzen. Dadurch vielleicht eher zu einem Verkauf mit Verlusten neigen wirst, um deine Immobilienfinanzierung zu starten.

    Bei solchen Aussagen mache ich mich öfters und auch gerne „unbeliebt“!


    Es entspricht der Marschrichtung von FT und vielen Pantoffeldepot-Freunden, Kurseinbrüche auszusitzen, zu denen auch Krisen bedingte Kursrückgänge gehören. Irgendwann, so zumindest in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, erholen sich die Kurse. Man geht davon aus, dass dies auch künftig so geschehen wird.


    Meine persönliche Auffassung ist die, jegliche volatilen Investitionen vor oder bei beginnenden Krisen bedingten Kursverlusten zu verkaufen. Alle Krisen der Vergangenheit waren rechtzeitig indiziert! Nur der Reaktorunfall in Japan kam für die Investoren überraschend.

    Bei solchen Verkäufen schei... ich auf fällig werdende Steuern und fokussiere mich auf den passenden Zeitpunkt, den ich nie genau getroffen habe... aber wenigstens annähernd. Vor diesem Hintergrund kann ich auch einen „kürzeren“ Anlagehorizont im Auge haben. Auf vermeintlich sichere Anlagen muss ich daher nicht verfrüht oder alternativ ausgerichtet sein; wenn die Kurse tatsächlich abfallen, geht sowieso Cash aufs Konto.

  • Wenn man da so wie sie es beschreiben hinbekommt, dann kann ich ihnen nur gratulieren.

    Das wäre natürlich optimal den Markt auf diese Art und Weise zu timen.

    AT1996,

    es geht hier gar nicht um mich!

    Es geht um die Verbreitung der falschen Glaubenssätze im Zusammenhang mit Geldanlagen.

    Vom Markttiming können wir gerne reden, wenn wir das moderate Zocken bzw. das Ausnutzen der üblichen (moderaten) Kursunterschiede / Kursschwankungen betrachten. Diesbezüglich entwickeln dich Pantoffeldepots in der Tat kaum schlechter, als die aktiv gemanagten Depots, und meist sogar deutlich vorteilhafter als die übliche Robo-Kacke (wenn ich das mal so derb sagen darf).

    Nur... bei oder im Hinblick auf Krisen und Crashs ist das Pantoffeldepot nicht der Weisheit letzter Schluss. Das Timing ist dabei mal gar nicht so schwer zu bewältigen. Die Leute haben es ja auch im Corona-Frühjahr geschafft, sich zeitig mit Unmengen von Klopapier und Nudeln einzudecken, oder?

  • Vielen Dank für die Antworten.


    Kater.Ka danke für die Erklärung.


    AT1996 Ich bin zeitlich nochrrelativ flexibel. 5-7 Jahre sind so der grobe Zeithorizont. Das Argument kann ich natürlich nachvollziehen.


    Wenn ich das richtig rausgehört habe, ist ein monatlicher ETF-Sparplan (100-150€) als Altersvorsorge bei gleichzeitigem Immobilienwunsch also nicht geeignet?


    Klar ist eine Immobilie auch eine Altersvorsorge. Spräche denn etwas dagegen "zweigleisig" zu fahren und (mit einem wie ich finde moderaten Betrag) monatlich in ETFs zu investieren und parallel z.B. mit einem Bausparvertrag den späteren Immobilienwunsch anzugehen?


    JDS danke für die Einschätzung. Ich persönlich traue mir so eine Vorgehensweise eher nicht zu, weil das ja auch voraussetzen würde, dass man permanent die Märkte und alles drumherum in Blick haben muss, um den richtig "Absprung" zu schaffen.


    Bei der Gelegenheit noch eine Frage zum Thema Immobilie: ->Bausparvertrag, um sich die aktuellen Zinsen zu sichern -ja oder nein?


    Wenn nein, welche Alternativen sind zum Aufbau von Eigenkapital derzeit sinnvoll?


    Viele Grüße

  • Wenn ich das richtig rausgehört habe, ist ein monatlicher ETF-Sparplan (100-150€) als Altersvorsorge bei gleichzeitigem Immobilienwunsch also nicht geeignet?

    Es geht darum, dass bei einem konkret terminierten Kapitalbedarf eine Risikoanlage wie ein ETF aufgrund der Schwankung ungeeignet ist. Daher wird immer eine Zeitspanne oberhalb 7-10 Jahre hierfür genannt. Wenn man flexibel vom Zeitpunkt her ist kann man auch teilweise in ETF gehen.


    Bausparverträge werden kritisch gesehen. Da absehbar die Zinsen unten bleiben drängt sich das auch nicht auf. https://www.finanztip.de/bausparvertrag/


    Wenn das mit dem Immobilienwunsch nicht vorrangig ist spricht nichts gegen eine flexible Altersvorsorge mit ETF. Das mit der Rentenversicherung würde ich mir auch noch mal überlegen angesichts immer niedrigerer Zinsen. Dazu hier mehr https://www.finanztip.de/alter…/flexible-altersvorsorge/


    Noch mal zu Deinen Ausgangsfragen

    - Ist ein ETF-Sparplan als Altersvorsorge generell und in meinem Fall geeignet?

    - Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich die ETF-Gewinne nach 30 Jahren realisiere? Rechnet sich das dann noch? (25% Abgeltungssteuer?)

    Klar ist ein ETF-Sparplan zur Altersvorsorge geeignet. s.oben


    Nach heutigem Stand werden vom Wertzuwachs die 25% Steuer abgezogen, ggf. über die Günstigerprüfung der niedrigere persönliche Steuersatz. Das rechnet sich sehr wohl. Wenn Du die 150 € über 30 Jahre bei 6% in ETF steckst hast Du am Schluss rund 147 T€. Darin sind rund 93T€ Wertzuwachs, die Du versteuern musst. Wenn Du allerdings dann immer Jahr um Jahr etwas entnimmst ist der zu versteuernde Betrag geringer und damit wahrscheinlich auch der Steuersatz.


    Das Umschichten auf Tages- / Festgeld ist nicht unbedingt das Beste, da damit auch Steuern anfallen. Du könntest z.B. durch ändern Deiner Sparraten weg vom ETF einen zusätzlichen Liquiditätspuffer ohne Steuerwirkung aufbauen.

  • Klar ist eine Immobilie auch eine Altersvorsorge.

    Hmm,

    das Thema selbst genutzte Immobilie als Altersvorsorge wird sehr kontrovers diskutiert!

    Ich, wie auch viele Andere, sehe eine selbst genutzte Immobilie mehr als Lebenstilfrage an. Mit 26 habe ich auch mal von meinem eigenen Haus geträumt und einen Bausparvertrag abgeschlossen. Über 20 Jahre später bin ich froh, dass ich mir nie ein Haus angeschafft habe!

    Mehrere jobbedingte Umzüge, usw. -> Leben halt


    Ich weiß, dass es mit Kindern schon schön ist, ein Haus mit Garten zu haben. Aber irgendwann ziehen die Kinder aus, das Haus ist dann eigentlich zu groß. Die Reparaturen gehen los, usw.

    Ich sehe das jetzt bei meinen Eltern, die sich leider nicht von Ihrem Haus trennen wollen. Beide über 80. Da braucht es inzwischen einen Gärtner und eine Putzhilfe und diverse Handwerker um das Haus/Garten in Schuss zu halten.

    Und ob Dein Haus, dann später wirklich eine Investition in die Altersvorsorge war, weißt Du auch erst, wenn Du es mal verkaufst.


    Nicht falsch verstehen: Wer sich bewusst für eine selbst benutze Immobilie entscheidet soll das auch gerne tun.

    Wenn Du wirklich den Bau/Kauf einer Immobilie im Zeitraum 5-7 Jahre anpeilst, solltest Du auf jedem Fall nicht in Aktien/ETF investieren. Dann gehört das gesparte Geld auf ein Tages- oder Festgeldkonto. Alles Andere wäre kein Investieren, sondern spekulieren. Kann gut gehen, kann aber auch richtig in die Hose gehen!


    Gruß

    Dirk

  • Lifestyle-Accessoires nenne ich es. ;)