GRV ungleich Investment

  • Bei einer verspäteten Rentenbeantragung > 3 Monate erfolgt grundsätzlich keine Nachzahlung der 'versäumten' Rentenansprüche.

    Ab da gilt Rente ab Monat der Beantragung. Alle versäumten Rentenansprüche sind verfallen.

    Und 0,5% Zuschlag für jeden Monat nach der Regelaltersgrenze.

    Ich würde das nicht verfallen nennen, denn die Ansprüche sind nicht weg, sondern werden nur anders verteilt. Es soll Leute geben, absichtlich ein Jahr später die Rente beantragen und sich auf 6 % mehr Rente freuen.

  • Hmm,

    was mich etwas stutzig mach die die erwartete Rendite für Rentner mit einem Renteneintritt 2030-2040.

    Werding und Läpple gehen bei Ihrer Berechnung von einer durchschnittlichen Rendite von 6,5% p.a. aus. Ok, das liegt unterhalb des langfristigen Mittelwerts. Aber eben doch deutlich über der realen Rendite wie wir sie z.B. in den Jahren 2000-2009 erzielt wurde. Oder auch in den 70'er Jahren.

    M.E. hätte in diese Studie auch die Betrachtung eines 'Worst-Case-Szenario' gehört. Z.B. die Betrachtung eines Zeitraums von 1914-1945, was so ziemlich der schlechteste Zeitraum gewesen wäre. Einfach mal um auch Kritikern der Aktienrente den Wind aus den Segeln zu nehmen und die Risiken aufzuzeigen.


    Was ich auch nicht gefunden habe. Welche Risikoabsicherung der 'persönlichen' Aktienrentenkonten findet wann statt. Erfolgt irgendwann vor Rentenbeginn eine automatische Umschichtung in risikoarme Anlageklassen oder kann ich eine 100%ige Aktienquote meines 'Aktienrentenkontos' auch noch als Rentner fahren?

  • By the way ... Was mich immer wieder wundert (im Kontext von "hat nachdenken lassen"): Warum gigantische Behörden, Ministerien usw. (nicht selten mit Tausenden oder gar Zehntausenden von Mitarbeitern (u. a. auch Beamten) ausgestattet) es nicht mal mit dem "selber Denken und Nachdenken" versuchen ? Das aber nur am Rande ...


    Weitaus mehr bewegt mich die Frage, warum man darüber nicht vor 40 Jahren nachgedacht hat bzw. "hat nachdenken lassen" ?! Das war nämlich zu jener Zeit als mir - im Zusammenhang mit der Gestaltung meiner eigenen Altersvorsorge und Ruhestandsplanung - die ersten Artikel dazu (beispielsweise von Prof. Miegel, Prof. Biedenkopf etc.) aufgefallen sind. Damals schon wurden nämlich die systemischen da strukturellen Probleme der umlagefinanzierten GRV (Stichwort: Demographie - um nur ein Beispiel zu nennen) präzise adressiert ...

  • Zur Einordnung irgendwelcher Artikel:


    Es wird gemunkelt, dass einer dieser beiden Lobbyisten in den 2010er Jahren (erstmalig)

    vom Phänomen der Produktivitätssteigerung erfahren bzw. dieses zur Kenntnis genommen hat. :rolleyes:

    "Lobbyisten" gibt es ja auf allen nur möglichen und denkbaren Seiten. :rolleyes:


    Nur am Rande: Prof. Biedenkopf durfte ich einmal persönlich kennenlernen - ihn habe ich als sehr kompetent und wirklich an der Sache (nachhaltige Alterssicherung der Bevölkerung) interessiert wahrgenommen. Logisch: Am Thema "Alterssicherung" sind natürlich viele Politiker interessiert - allerdings meist nur an der eigenen ... entsprechend üppig ist diese auch zumeist ausgestaltet.


    Signifikante "Produktivitätssteigerungen" gehörten damals in Deutschland übrigens zu den Usancen - allein schon wegen der (für Papiergeld jedenfalls) relativ starken DM und um unter dieser Hartwährung dennoch international wettbewerbsfähig zu bleiben. Die "Esperanto- bzw. Schwundwährung" Euro - subtiler formuliert: Weichwährung, ein vornehmeres Wording was aber natürlich nix am Befund ändert - wirkt hier in Deutschland dagegen wie ein künstliches Doping, welches Produktivitätssteigerungen eher erlahmen läßt denn befördert bzw. erzwingt.


    Kann mich beispielsweise bestens an Kurse um die 1,60 im Verhältnis Schweizer Franken vs Euro erinnern. Aktuell ist der Euro bei unvorstellbaren 96 Rappen angekommen ...=O

    Oder wie mich ein Schweizer Ex-Kollege jüngst fragte: "Wie agierst und disponierst Du bezüglich Deiner Ruhestandsplanung unter einer derartigen Schwachwährung ?" ...


    So hängt eben (fast) Alles mit Allem zusammen. Wenn man sich denn für Hintergründe und Zusammenhänge interessiert ...

  • "Wie agierst und disponierst Du bezüglich Deiner Ruhestandsplanung unter einer derartigen Schwachwährung ?"

    Wenn man in einem MSCI-World-ETF anlegt, ist die Heimatwährung egal.

    Wenn man in Zinsprodukten anlegt, gleichen langfristig die Zinsdifferenzen die Währungsdifferenzen aus.


    Wo ist also sein Problem?

  • Wenn man in einem MSCI-World-ETF anlegt, ist die Heimatwährung egal.

    Wenn man in Zinsprodukten anlegt, gleichen langfristig die Zinsdifferenzen die Währungsdifferenzen aus.


    Wo ist also sein Problem?

    Neben den üblichen Bausteinen (Aktien, Immobilien, Gold - von Anleihen habe ich mich schon seit 2010 beginnend sukzessive immer weiter verabschiedet; aktueller Bestand nahe Null) halte ich auch einen (relevanten) Anteil Liquidität.


    Dies hat diverse Gründe: Angefangen vom dem Spielen bzw. Abdecken auch anderer etwas unwahrscheinlicherer Szenarien (wie Rezession, Deflation oder gar Depression) als das wahrscheinlichste sprich Finanzielle Repression ad infinitum über die Möglichkeit sich bietende Chancen nutzen zu können sprich immer "flüssig zu sein" bis hin zu der schlichten Notwendigkeit aufgrund der vermieteten Immobilien (wegen Reparaturen, Instandhaltungen, Maklerkosten usw.) als sozusagen unverzichtbare Rücklagen.


    Dieses Halten von Liquidität hat natürlich immer Opportunitätskosten - es ist aber aus meiner Sicht ein signifikanter Unterschied, ob man sich dann in einem Hart- oder Weichwährungsregime befindet. Das meinte mein Ex-Kollege mit seiner Frage - und die Problematik sehe ich exakt ebenso. Bei einem negativen Realzins von aktuell um die minus 7 oder minus 8% in Euro und einer Währung, die immer mehr zu einer Schwach- bzw. Weichwährung mutiert, ist diese Vorgehensweise relativ herausfordernd.


    Da ich auf den Liquiditätsbaustein nicht verzichten will (Gründe s. o.) und teilweise auch nicht verzichten kann (vermietete Immobilien), muß ich mich dieser Frage (und deren bestmöglicher Lösung) widmen.


    Es gibt natürlich noch schlechtere Währungen als den Euro (Dong, Simbabwe-Dollar, Bolivar, Argentinischer Peso, Türkische Lira). Nur: Eine Hartwährung ist der Euro schon länger nicht mehr. Zur Veranschaulichung nur ein pointiertes Beispiel: Angenommen man ist Vermieter in Istanbul - wie hält (und erhält) man dann seine notwendige Rücklage für die Immobilien bei einer ausgeprägten Schwundwährung wie der Türkischen Lira ?


    Das ist also das (mein) Problem - und genau darauf bezog sich auch die Frage des ehemaligen Kollegen.

  • 1. In einem politisch instabilen Land würde ich keine Immobilie kaufen. Da ist die Währung das geringste Problem.

    2. Meine Immobilien erwirtschaften regelmäßig Überschuss.

    3. Die Türkische Lira kennt etwas, das wir schon lange nicht mehr kennen: Hohe Zinsen.

    4. Trotzdem würde ich Reserven eher in Euro halten.

    5. Wer hindert Dich daran, Reserven für Euro-Immobilien in CHF zu halten, wenn Dir damit wohler ist?

  • 1. In einem politisch instabilen Land würde ich keine Immobilie kaufen. Da ist die Währung das geringste Problem.

    Kling gut, ist aber in praxi nicht ganz so simpel. Wie das Beispiel Türkei ja eindrucksvoll bestätigt, denn da haben sich die Dinge binnen eines überschaubaren Zeitraums signifikant verändert sprich verschlechtert (was übrigens auch für die Rechtsstaatlichkeit gilt). Beispiel Eurozone: Die Verträge zur EWU (AEUV) klangen noch ganz solide - seit Euroeinführung ist aber der Vertrags- und damit Rechtsbruch permanenter Begleiter dieser Währung. Beispiel Deutschland: Im Rahmen der sog. Eurorettung sind hier auch Dinge geschehen, die ich persönlich niemals für möglich gehalten hätte - ist aber passiert. Wie kann man also als Immobilienkäufer vorher wissen, ob Länder "politisch" stabil bleiben oder "instabil" werden ?

    2. Meine Immobilien erwirtschaften regelmäßig Überschuss.

    Meine auch und zwar alle ausnahmslos. Dennoch können immer unerwartete Ausgaben anfallen, die nicht vorhersehbar sind. Beispiel: Vor einigen Jahren hatte ich zeitgleich in einem Jahr mehrere völlig unvorhergesehene Mieterwechsel (trotz in einigen Fällen sogar vereinbarter Mindestmietdauer). Diese Mieterwechsel wurden dann für Wohnungssanierungen genutzt (Volumen dafür deutlich sechsstellig). So etwas kann dann nicht aus den Überschüssen sondern nur aus einer separaten Rücklage bezahlt werden (neue Darlehen vermeide ich aufgrund meines Alters 65 + und auch wegen der immer weiter gestiegenen Bürokratie und EU-Regulatorik; Stichwort: EU-WIKR).

    3. Die Türkische Lira kennt etwas, das wir schon lange nicht mehr kennen: Hohe Zinsen.

    Und was hilft das ? Wenn der Realzins deutlich negativ ist ! Beispiel Türkei: Ein Leitzins von aktuell 13% bringt wenig bis nix bei einer Inflation von 80%. Außer dem täglichen Verlust. Deutschland: Ein Leitzins von 0,5% bringt wenig bis nix bei einer Inflation von acht Prozent. Außer dem täglichen Verlust. Das ist im Prinzip und vom Prinzip her exakt das Gleiche - sprich nur (noch) ein gradueller Unterschied.

    4. Trotzdem würde ich Reserven eher in Euro halten.

    Mache ich (jedenfalls teilweise) auch heute noch. Zumal ich gezwungen bin diese Währung im Alltag zu benutzen und auch meine Rechnungen damit zu zahlen (s. Art. 128 Abs. 1 AEUV sowie Bundesbank Gesetz § 14 Abs. 1 Satz 2).

    5. Wer hindert Dich daran, Reserven für Euro-Immobilien in CHF zu halten, wenn Dir damit wohler ist?

    Zum Glück (noch) niemand. In der Türkei werden auch hier (Finanzmarkt) die staatlichen Eingriffe immer mehr. Habe bereits begonnen die Liquiditätsrücklage (teilweise) in (bereits bestehende) Fremdwährungskonten zu überführen und werde wohl auch US-Anleihen und CHF-Anleihen dazu nehmen. Und damit ist mir deutlich wohler. Auch wenn es aus meiner Sicht traurig ist, daß man inzwischen so agieren muß.