GRV ungleich Investment

  • Es sind freiwillige Beiträge, die man nachzahlen kann. Das kann einen Unterschied ausmachen.


    Das man sich ggf. "den Durchschnitt versaut" das stimmt, deswegen macht es häufig Sinn, mehr als nur den Mindestsatz zu zahlen. Daher sollte man die gesamte Geschichte auch mit etwas Vorlauf planen, insbesondere wenn man eher den Höchstbeitrag anstrebt.

  • Für 16-17 kann man aber nur bis man 45 Jahre alt is nachzahlen.

    Zahlt man das Minimum bekommt man quasi 1 Jahr Pflichtbeiträge zusätzlich. Wichtig falls man auf die 35 oder 45 Jahre Wartezeit zielt.

    Damit senkt man unter Umständen aber die Höhe einer eventuellen Erwerbsminderungsrente leicht ab.


    Das politische/demographische Risiko bleibt aber bei all diesen zusätzlichen Einzahlungen, ich sehe da eher kein Griechenland-Szenario mit hohen Rentenkürzungen, aber wenn die Rentenkasse nicht mehr sprudelt, dann kann es viele viele Nullrunden geben, wie ca. Mitte der 2000er. Da gab es 3 Nullrunden hintereinander. Und von 2004-2011 gab es insgesamt 4 Nullrunden und 2 mickrige und nur eine gute Erhöhung. Wäre besser auf eine andere Säule zu setzen.

    Griechenland nun doch nicht, hmm hatte schon Angst. Sicherlich kann man alles schlecht reden, Fakt ist, bisher ist die GRV eine zuverlässige Konstante, eventuell auch wieder mit Nullrunden usw. aber weiterhin für den normalen Arbeitnehmer im Alter die Haupteinnahmequelle. Privat noch Vorsorge zu treffen ist natürlich sehr wichtig, allerdings nicht ohne Risiko, dieses steigt je kürzer die Zeit der Anlage möglich ist. Hier kommt die Anlage von vor 20-25 Jahren ins Spiel, viele haben da die Lebensversicherung in verschiedenen Varianten genutzt und bekommen jetzt die Auszahlungen, wenn dann die Zeit bis zur Rente knapp wird, ist der ETF außen vor. Heißt Leute mit hoher Lebenserwartung können die freiwilligen Zahlungen wegen vorzeitigen Renteneintritt nutzen. Diese Beiträge waren die letzten Jahre lukrativer als alles andere an Rentengedöns mit fester Verzinsung. Da habe ich sogar mehr Vertrauen in den Staat als in die Versicherungskonzerne, klingt komisch ist aber so. Dort wurden statt Nullrunden massive Gewinnrückgänge verkündet, zum Glück hatte ich solche Verträge nicht. Als letztes noch, ein heute 20-30jähriger kann seine private Altersvorsorge auf Grund der Laufzeit ganz anders steuern als meine Generation. Ich habe die ersten ETF Anteile verkauft und in den Sicherheitsbaustein umgeschichtet und ja Teile davon auch in die GRV.

  • Ich gehe mal davon aus, dass es langfristig auf eine Erhöhung des Renteneintritssalters hinauslaufen wird. Das wird dann in der Realität auf eine weiter Kürzung der Altersrente hinauslaufen, da kaum Jemand in dem Alter noch wird arbeiten wollen (oder können). Die Leute werden dann entweder die Abschläge für die Flexi-Rente in Kauf nehmen oder diese gar ausgleichen. Man braucht sich ja nur die Anzahl der Ausgleichszahler anzusehen. Die Zahl steigt jedes Jahr stark an.

    Meine Zielflagge steht erstmal weiter auf dem 01.02.2035.8o


    Zitat: "Roßbach betonte weiter, dass die Gesamteinkommen im Alter deutlich höher lägen als die Leistungen allein aus der gesetzlichen Rente. Sie betonte etwa, "dass sehr niedrige Renten isoliert betrachtet kein verlässliches Indiz für Altersarmut sind". So hätten zum Beispiel alleinstehende Männer mit einer gesetzlichen Rente unter 250 Euro im Schnitt ein Gesamteinkommen von fast 2400 Euro im Monat."

    Die hier angesprochene Klientel dürfte eine Erhöhung des Renteneintrittsalters kaum betreffen. :/

  • Wenn wir einfach einmal davon ausgehen, dass die Rentenbeginne für die 4 Altersrenten (ohne Bergmannsrente) alle um 2 Jahre nach hinten verschoben werden (61->63; 63->65; 65->67 ;67->69), dann wird es ja schon etwas leichter, die notwendige Wartezeiten (5; 35; 45 Jahre) rechtzeitig zu erfüllen, wenn man sich rechtzeitig informiert und entsprechend agiert (sofern möglich).


    Ab 13 Jahren kann man arbeiten, ab 16 Jahren freiwillige Beiträge zahlen, alles in der Hoffnung dass 4 bis 5 Jahrzehnte später das Rentenrecht noch immer so funktioniert, wie es bei Beginn der Überlegung war. Bleibt also spannend.

  • Man könnte herzhaft lachen - wenn das Thema nicht so ernst wäre ...


    Was mich hierzulande über all die Jahre immer erstaunt (um nicht zu sagen verwundert) hat: Die ausgeprägte Staatsgläubigkeit der Deutschen (zumindest sehr vieler, um nicht zu pauschal zu werden). Das gilt auch und insbesondere in Sachen Ruhestandsplanung.


    Fand ich z. B. in den Staaten immer gut: Während hier oft/immer gleich nach dem Staat gerufen wird, sehen sich da tendenziell zuerst mal die Bürger selbst in der Pflicht, die eigene Familie in der Pflicht, das nahe Umfeld (Verwandtschaft, Bekanntschaft, Freunde) in der Pflicht usw. Der Staat kommt da eher als ultima ratio ins Spiel. Entspricht eher meinem Bürger-Verständnis von Selbstbestimmung und eigenverantwortlichem Handeln. Wobei der Staat nichtsdestotrotz natürlich ordnungspolitisch die richtigen Rahmenbedingungen (auch für die Wirtschaft) setzen sollte und auch muß. Ohne dabei aber immer mehr selbst zum Akteur zu werden (Stichwort: Staatsquote).


    Für meinen Teil würde ich (wenn es nur irgendwie möglich und gestaltbar ist) bei einem so wichtigen Thema wie Alterssicherung bzw. Ruhestandsplanung niemals - jedenfalls hauptsächlich - nur auf einen Baustein (wie die GRV) und noch dazu einen vollständig staatlich gelenkten setzen.


    Ein solches System (noch dazu als "von der Hand in den Mund" ausgestaltet; Stichwort: Umlageverfahren - ungünstig, wenn dabei die Alterspyramide auf dem Kopf steht ...) ist letztlich politische Verteilungsmasse mit dem dann meist üblichen staatlichen Interventionismus, Dirigismus usw. aber auch noch dazu durchaus parteipolitisch motivierten Eingriffen. Was nicht immer der Nachhaltigkeit des Systems dient - um es vorsichtig zu formulieren und um das Modewort "Nachhaltigkeit" auch mal bei einem Finanzthema zu verwenden.


    Für mich dabei generell "verdächtig": Wenn diejenigen, die über ein solches System entscheiden, nicht selten selbst in anderen System beheimatet sind (eigene Altersversorgung der Politiker, Beamtenstatus sprich Pensionen, berufsständige Versorgungswerke).


    Als (kleine oder minimale) Beimischung im Altersvorsorge-Mix lasse ich mir die GRV noch durchaus gefallen.


    Als wesentlicher oder gar hauptsächlicher (im schlimmsten Fall einziger) Bestandteil wäre es mir unheimlich.


    Zumal die Auszahlung (aus der GRV) in einer Währung (Europäische Einheitswährung) erfolgt, die - nach meinem Dafürhalten - schwere Konstruktionsfehler aufweist. Und Deutschland via Dauerrettung dieser Einheitswährung zudem in eine schier unbegrenzte und Billionen schwere Zwangsgläubigerschaft geführt hat (via EZB-Bilanz, via Euro-Rettungsschirme, via Target2-Salden usw.). Letzteres im Kontext GRV aber nur am Rande - obwohl bei dem inzwischen nötigen jährlichen Zuschuss des Bundes für die gesetzliche Rentenversicherung (m. W. inzwischen der mit Abstand größte Posten im ganzen Bundeshaushalt mit > 100 Milliarden per annum - man möge mich da gerne korrigieren, wenn ich das falsch in Erinnerung habe) auch die Bonität Deutschlands insgesamt perspektivisch für die GRV (und damit die Rentenbezieher) eine Rolle spielen könnte.


    Nur meine bescheidene persönliche Meinung.

  • Bei einem Gutteil der Arbeitnehmer wird die GRV den überwiegenden Teil der Altersvorsorge ausmachen.

    Biete doch einfach Kurse an, bei denen Du Menschen nach Ihrer 40-Stundenwoche in der Altenpflege oder als Handwerker aufzeigst, wie Sie sich mit Ihren paar Kröten nebenbei noch eine ausreichende private Altersvorsorge aufbauen können. Das wäre dann ein echter Mehrwert.

    Nur meine bescheidene persönliche Meinung.


    PS: Du bist doch historisch bewandert. Dann beschäftige Dich doch mal mit der Geschichte der Rentenversicherung in Deutschland.

    Ein System der 'kapitalgedeckten' Rente gab es ja schon mal. Das war aber nach dem 2. Weltkrieg kollabiert und die damaligen Rentner lebten oft in bitterer Armut. Erst die Einführung der umlagefinanzierten Rente 1957 änderte das.

    Das Kernproblem mag sein, dass man sich nicht vollständig an das ursprüngliche Konzept von Winfrid Schreiber gehalten hat. Er hatte nämlich sehr wohl bereits die Demografie, private Vorsorge als auch variable Renten (also auch Rentenkürzungen!) als einen Kernpunkte in seinem Konzept vorgesehen.

    Aber es mag halt niemand dem Wähler schlechte Nachrichten verkaufen und so wurden nur die Teile des Konzepts in die Rente übernommen, die Vorteilhaft erschienen um die Wahlen zu gewinnen.

  • Nur einmal am Rande: Ein wirkliche Alterspyramide (nebenbei ein Grabmal) hat man nur bei hoher Säuglingssterblichkeit. Man möge doch bedenken, was man für erstrebenswert hält.


    (Damit meine ich übrigens den typischen Lobbyisten mit Professorentitel und niemanden hier aus der Community.)

  • Bei einem Gutteil der Arbeitnehmer wird die GRV den überwiegenden Teil der Altersvorsorge ausmachen.

    Was ich (leider) ähnlich sehe aber gleichzeitig auch bedauerlich finde

    Biete doch einfach Kurse an, bei denen Du Menschen nach Ihrer 40-Stundenwoche in der Altenpflege oder als Handwerker aufzeigst, wie Sie sich mit Ihren paar Kröten nebenbei noch eine ausreichende private Altersvorsorge aufbauen können.

    Den etwas provozierenden Anteil in der (wohl nicht ernst gemeinten) Aufforderung übergehend: Es gibt aber nicht nur Geringverdiener und Wenigverdiener sondern auch Mittelverdiener sprich Durchschnittsverdiener (manchmal sogar Besserverdiener), die so oder ähnlich (einseitig sprich GRV-lastig) im Alter aufgestellt sein werden. Da hätte man für deutlich mehr Diversifikation sorgen können und müssen (die Förderung der privaten AV in Deutschland ist iVz anderen Ländern sehr bescheiden).


    In dem Kontext: Mir sind einige Durchschnittsverdiener bekannt, die konsequent und über lange Zeit eigenverantwortlich eine ordentliche private AV mit vernünftiger Diversifikation hinbekommen haben (von A wie Aktien bis W selbstgenutztes Wohneigentum). Möglich ist das also durchaus.

    PS: Du bist doch historisch bewandert.

    Eher (leider) nicht. Bin lediglich in der Finanz- und Währungshistorie ein bißchen bewandert.

    Das Kernproblem mag sein, dass man sich nicht vollständig an das ursprüngliche Konzept von Winfrid Schreiber gehalten hat. Er hatte nämlich sehr wohl bereits die Demografie, private Vorsorge als auch variable Renten (also auch Rentenkürzungen!) als einen Kernpunkte in seinem Konzept vorgesehen.

    Leider wohl zutreffend. Wenn man beispielsweise an den legendären aber naiven Ausspruch des "Alten" (Konrad Adenauer) denkt "Kinder kriegen die Leute immer" ... Es ist eine Binse, daß in Wohlstandsgesellschaften (erst recht, wenn Frauen immer besser ausgebildet sind und auch arbeiten) nicht selten die Geburtenrate signifikant sinkt und parallel die Lebenserwartung steigt (mit entsprechenden Folgen für die Alterspyramide - fatal für eine rein umlagefinanzierte Rente).

    Aber es mag halt niemand dem Wähler schlechte Nachrichten verkaufen und so wurden nur die Teile des Konzepts in die Rente übernommen, die Vorteilhaft erschienen um die Wahlen zu gewinnen.

    So erging es vor ewigen Zeiten ja auch schon z. B. Prof. Biedenkopf mit seiner Kritik an der GRV - er wurde aus der eigenen Partei (!) und von ganzen oben (damaliger Kanzler Kohl) zurückgepfiffen (nicht zuletzt wegen der sog. "Wahlchancen" iZm der Bundestagswahl).