Rebalancing ETFs

  • Hallo Community,


    ich bin vor geraumer Zeit über den Begriff „Rebalancing“ in Bezug auf ETFs gestolpert und bin etwas unsicher, ob jetzt ein guter Zeitpunkt dafür wäre, da einige (aber nicht alle!) meiner ETFs gut an Wert gewonnen haben.


    Als Freund der Buy-and-Hold-Strategie erscheint mir das Rebalancing in der Theorie eigentlich als klarer Widerspruch, denn Rebalancing verursacht Kosten (meist oder oft fallen Steuern an, Transaktionskosten gibt’s in jedem Fall und evtl. habe ich durch Rebalancing sogar Verluste).


    Andererseits gibt es - zumindest in der Theorie - auch klare Vorteile des Rebalancing: Die Regression zum Mittelwert soll langfristig die Rendite verbessern; wer rebalanct, handelt antizyklisch; Gewinne werden abgeschöpft und können im Fall einer Baisse genutzt werden, um ETFs wieder günstig nachzukaufen etc.)


    Wie haltet ihr es mit dem Rebalancing? Welche Erfahrungen hat ihr damit gemacht? Und wie habt ihr rebalanct bzw. nach welchen Kriterien habt ihr rebalanct?


    Vielen Dank jetzt schon mal für eure Gedanken und Erfahrungen und ich wünsche allen Rebalancern und Nicht-Rebalancern noch ein gutes und erfolgreiches Jahr 2021!

  • Du sprichst schon alle meine Gedanken an, ich kommentiere trotzdem.


    1) Rebalancing lohnt sich vor allem, wenn Du einen gut gelaufenen Wert verkaufst, kurz bevor er einbricht. Das ist der Versuch von Market Timing, und das klappt bekanntlich meistens nicht.


    2) Regression zum Mittelwert: Wenn sich mehrere Werte langfristig ähnlich entwickeln, aber zwischenzeitlich unterschiedlich, dann bringt regelmäßiges Umschichten Vorteile. Sofern die Transaktionskosten das nicht wieder zunichte machen.


    3) Den größten Vorteil sehe ich in der Auswirkung aufs Risiko: Wenn der Anlagehorizont nicht mehr ewig ist, kann R. dabei helfen, einen unnötig hohen Einbruch kurz vor Ende zu vermeiden. Wenn z.B. Tech-Werte lange besser liefen als der Rest, brachen sie bei Krisen normalerweise auch stärker ein. Corona hat 2020 aber auch gezeigt, dass es anders kommen kann, als man denkt.

  • Danke für deine ausführliche Antwort!


    Insbesondere Punkt 3) ist für mich sehr überlegenswert, da ich in 9 bzw. maximal 10 Jahren in Rente gehen will. Ich werde zwar auch nach dem Rentenbeginn den ein oder anderen ETF in überschaubaren Rahmen behalten, aber den Großteil meines Depots will ich dann sukzessive als Festgeld in Sicherheit bringen.

  • Ich kann Deinen finanziellen Hintergrund nicht und kann Dir daher nichts empfehlen. Aber ich kenne mindestens einen Schreiber hier, der seit vielen Jahren in Rente ist und fast alles in Aktien und ETF angelegt hat. Wer auch im Alter mit den Schwankungen von Aktien leben kann (weil er seinen Lebensunterhalt aus sicheren EInnahmen bestreiten kann), der muss sein Depot nicht in unverzinste Anlagen umschichten. Das Optimum liegt irgendwo zwischen 0 und 100% :-)

  • Hallo GoldGaleone!


    Sparst Du denn weiterhin ETFs an oder hältst Du das bestehende Portfolio "nur" noch?

    Ich steuere mein Rebalancing in der Regel über Nachkäufe bzw. Umschichten der Sparraten, um am Ende wieder auf die gewünschte prozentuale Verteilung zu kommen. Dann muss man nicht verkaufen mit all den unschönen steuerlichen und kostentechnischen Nachteilen, die Du benannt hast.

    Wenn also z.B. mein gewünschter Anteil Emerging Markets um 5% unter dem Zielanteil liegt, kann ich meinen Sparplan auf den MSCI World für ein paar Monate pausieren und stattdessen die Rate für den EM entsprechend erhöhen. Genauso geht es ja auch, wenn mein Anteil am nicht-risikobehafteten Kapital gegenüber den ETFs zu stark gesunken ist.

    Falls keine Not besteht, kann man so m.E. Verkäufe immer umgehen, solange man noch im Aufbau des Vermögens ist.


    Viele Grüße

  • Hallo GoldGaleone ,

    ich bespare einen Kombination aus MCSI World und EM per Sparplan. Ich halte das ähnlich wie von Steffo78 geschildert und rebalance per Anpassung der Sparplanraten.


    Zum Thema entsparen.

    Ich habe einen noch etwas längeren aktiven Anlagehorizont von 15-20 Jahren. Mit aktiv meine ich, dass ich mein Depot bis dahin aktiv besparen werde (bis zum Renteneintritt).

    Voraussichtlich werde ich das Depot aber auch nach Rentenbeginn für mehrere Jahre gar nicht benötigen, da meine Lebensversicherung in 11 Jahren zu Auszahlung kommt. Damit bin ich deutlich flexibler was das spätere Entsparen angeht.

    Ich empfehle Dir mal die Artikelserie von Oliver zu den verschiedenen Entsparstrategien durchzulesen.

    https://frugalisten.de/?s=entsparen

    Er geht ausführlich auch auf die Risiken der einzelnen Strategien ein.


    Gruß

    Dirk