Hilfe! Altersvorsorge bei Maklerin abgeschlossen

  • Hallo zusammen,


    Ich habe im September über eine Maklerin Finanzprodukte abgeschlossen - hauptsächlich für meine Altersvorsorge. Ich hatte keine Ahnung und vermute, dass ich die Verträge besser kündigen sollte.


    Ich habe jetzt eine private Rentenversicherung bei der Standard Life. Von meinen 81600€ die ich über 34 Jahre einzahle, bezahle ich 19233€ Gebühren - hauptsächlich in den ersten 5 Jahren. Dafür bieten sie einen aktiv gemanagten Fond mit nur 0,15% TER.


    Riester-Vertrag bei der Alten Leipziger mit nem aktiven Fond mit 1,6% TER und ich glaube, da zahle ich zusätzlich auch einiges an Abschlussgebühren.


    Depot bei der Augsburger Aktienbank mit einem Sparplan mit diversen aktiven Fonds, für die ich 3-5% Abschlag bezahle und die meisten davon haben laufende Kosten von etwa 1,6% p.a.


    Meine Beraterin meint, die Kosten lohnen sich, weil die Produkte so gut sind, dass ich das durch die Rendite wieder einspiele.


    Ich habe bisher 3 Monatsbeiträge gezahlt.

    Was meint ihr dazu?

  • mokl

    Hat den Titel des Themas von „Altersvorsorge bei Maklerin abgeschlossen“ zu „Hilfe! Altersvorsorge bei Maklerin abgeschlossen“ geändert.
  • Hallo mokl, willkommen im Forum!


    Ich habe selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Bei mir kam die Erkenntnis allerdings nicht so früh, wie bei dir. Von daher ist es gut, wenn du die ganze Sache zumindest direkt nach Abschluss hinterfragst.👍


    Meine Beraterin meint, die Kosten lohnen sich, weil die Produkte so gut sind, dass ich das durch die Rendite wieder einspiele.

    Welcher Zauberfonds ist das denn? Klingt ja nach maximaler Rendite ohne dafür ein Risiko einzugehen, wenn die sich da so sicher ist... Leider gibt es so etwas aber nicht auf diesem Planeten.

    Und wenn die Kosten wieder "eingespielt" sind, hast du ja noch lange keine Rendite erzielt. Klingt so, als wäre die "Beratung" nicht gerade seriös abgelaufen...


    Darf ich fragen, was für eine Maklerin das ist? Von der DVAG?


    Ich habe bisher 3 Monatsbeiträge gezahlt.

    Scheint so, als hättest du noch nicht allzu viele Gebühren bezahlt und kommst da mit wenig Verlust wieder raus, wenn du zeitnah kündigst.

  • Ich sehe es wie @chris2702, Du hast Deine Fragen eigentlich schon selbst beantwortet. Wir sind hier ja bei finanztip.de, und Deine Fragen wurden auch in den entsprechenden Artikeln schon beantwortet:


    Dieser hier https://www.finanztip.de/alter…/flexible-altersvorsorge/ beschreibt, dass ETF-Sparen fast immer besser ist als eine private Rentenversicherung (und immer besser ist als die teure, die Du hast).


    Dieser hier https://www.finanztip.de/investmentfonds/ beschreibt, warum aktive Fonds mit hohen laufenden Kosten (und noch dazu mit AA) nicht empfohlen werden und aus der Zeit gefallen sind.


    Und dieser hier https://www.finanztip.de/riester/ beschreibt, für wen sich Riester lohnt. Da würde ich allerdings noch weiter differenzieren. Für sehr gut verdienende kann es sich lohnen, aber man muss damit einverstanden sein, weitestgehend die Kontrolle über das Geld abzugeben. Und dann wiederum lohnt es sich bei Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern. Rechne Deine Förderquote aus, oder gib uns ein paar mehr Infos hierzu, und dann kann hier eingeschätzt werden, ob beitragsfreistellen/übertragen besser ist als kündigigen (sprich ob sich das Konstrukt "Riester" egal bei welchem Anbieter in Deiner Situation überhaupt lohnt). Es ist schade, dass es in Deutschland kein unversell zu empfehlendes Format zur Altersvorsorge gibt.


    Und zuletzt: Ich würde nicht von Beraterin, sondern von Verkäuferin sprechen. Nur gut getarnt, die Dame ;-)

  • Die o.g. Kosten erscheinen mir etwas hoch.

    Das wären ja fast 25 Prozent Abschlusskosten.

    Das grenzt ja schon an Wucher...


    Kannst du Mal die Kosteninformation hochladen?

    Würde es gerne Mal schwarz auf weiß sehen;)

  • Hallo Leute, vielen Dank für die Antworten.


    Die Maklerin ist von der WKHH (Wirtschaftskanzlei Hansestadt Hamburg GmbH & Co. KG)


    Zu meinen Voraussetzungen bzgl. Riester:

    Ich habe keine Kinder und da ich zur Zeit keine Partnerin habe, sind in nächster Zeit auch keine Kinder in Planung. Ich habe ein zu versteuerndes Einkommen von 39000 € jährlich.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, spricht also nichts dafür, dass ich einen Riester-Vertrag haben sollte.

    Ich plane mich am Wochenende näher einzulesen zu welchen Bedingungen einfrieren, kündigen etc. bei Riester möglich ist.


    Zu meiner privaten Rentenversicherung sind hier 2 Anhänge: Das Kostenblatt der RV und das Informationsblatt zum Fond.

    Es ist tatsächlich zum Großteil gar kein aktiver Fond - es steht sogar "passive" im Titel.

  • Wie kommst du da auf die ca. 19200 Euro Kosten?

  • Ich kann es lesen und mache ein Transskript:

    Abschlusskosten 5.712 €, verteilt auf 5 Jahre.

    Verwaltungskosten 60 € p.a.

    Fondsabhängige Verwaltungskosten 0,65% p.a.

    Fondskosten 0,13% p.a. entspricht dem Factsheet, wobei ich vermute, dass es aufgrund Dachfonds zusätzliche Kosten zu den Kosten der enthaltenen Fonds sind.

    Wenn ich die 200 € p.m. in zinsen-berechnen gebe und mit 5% statt 6% aufgrund der Kosten rechne komme ich auf einen Endbestand von rund 200 T€. Die 0.65% darauf bezogen sind rund 1.300 €. Wenn ich die Hälfte davon als Wert pro Jahr nehme (mathematisch falsch) sind das 650*34 = 22.100 € Damit komme ich locker in die Region der vom TE genannten 19.233 €. Der Löwenanteil sind dann die laufenden Kosten, nicht die Abschlusskosten.

    https://www.zinsen-berechnen.d…er.php?paramid=sxtx7on06o

  • Unabhängig von wie hoch die Summe über die gesamte Laufzeit ist, schau Dir die ersten 5 Jahre an: Da zahlst Du pro Jahr 12x200=2400 Euro ein, und bekommst 1142+60=1202 Euro pro Jahr an Abschluss+Verwaltungskosten berechnet (zusätzlich kommen noch die fondsabhängigen Verwaltungskosten und die TER dazu). In den ersten fünf Jahren bleibt also weniger als die Hälfte Deines Geld im Vertrag. Und diese Hälfte muss sich dann verdoppeln, um überhaupt auf plus minus 0 rauszukommen. Da ist noch kein Inflationsausgleich passiert und erst dann kämst Du in einen Bereich, in dem Gewinne entstünden (und ein Versicherungsmantel bei sehr langen Anlagedauern minimale Vorteile hat, siehe Artikel oben).


    Das ist Abzocke. Gut, dass Du es sehr früh gemerkt hast. Normalerweise schlagen Leute erst nach 5-10 Jahren auf und fragen sich, warum ihre Versicherung so im minus ist. Oder kommen nach 30 Jahren ohne Gewinn raus, haben dann zwar lange Gebühren bezahlt, aber keinen Vorteil genossen.


    Mein Rat wäre: Kündige, schreib den Verlust als Lehrgeld ab, und plane danach einen eigenen ETF-Sparplan (nach Risikovorsorge/Notgroschen), den Du für Dich als Altersvorsorge bestimmst.


    Zum Riester: Ja, lies Dich ein, und melde Dich, wenn Du weitere Fragen hast.

  • Hallo Mokl, den wichtigsten ersten Schritt bist du schon gegangen, als du dich gefragt hast, was du da eigentlich abgeschlossen hast. Der Rest besteht eigentlich nur noch aus informieren und Entscheidungen treffen. Zum Einstieg:

  • Wurdest Du denn zu den Kosten und Risiken der Anlage korrekt beraten? Wie lange hat das Gespräch gedauert? Sind Deine Ziele korrekt wiedergegeben? Passen die Finanzprodukte dazu?


    Evtl. kannst Du den Abschluss wegen Falschberatung rückabwickeln und bekommst Dein Geld wieder.