Lebensversicherung: ETF mit Teileinkünfteverfahren vs. Standard-ETF lukrativer?

  • Hallo,


    ich besitze bei der Debeka noch eine "alte" (klassische) Kapitallebensversicherung, die Ende 2004 abgeschlossen wurde, also die Auszahlung ist steuerfrei.


    Jetzt kam kürzlich der "Berater" um die Ecke und hat mir eine Modellrechnung vorgelegt, wie ich die - immerhin - noch mit 2,75% verzinste LV in ein renditestärkeres Produkt umwandeln könnte (oder sollte ;-) Die Zahlen war eindrucksvoll.


    Das empfohlene Produkt ist die Debeka Rentenversicherung "Chance Invest": https://www.debeka.de/produkte…ich/cai/chance/index.html


    Auf meine Nachfragen hin gab er zu, dass es sich im wesentlichen um ETFs handelt. Zu den laufenden "Verwaltungsgebühren" liegen mir jedoch keine Angaben leider vor.


    Der Clou bzw. warum ich hier die Meinung von FINANZTIP oder anderen suche, ist, dass - da es offiziell eine RV oder LV ist - die Auszahlungen nur dem Teileinkünfteverfahren unterliegen! D.h. nur die Hälfte des (hoffentlich) erzielten Ertrags muss ich versteuern mit KapErtragssteuer und Soli (ggf.).


    Generell bin ich skeptisch bei Aktienfonds oder RVs von Versicherungen (wie der Debeka), im Vergleich zu selbsterworbenen Aktien oder Fonds - vor allem wegen der "Verwaltungskosten" oder ähnlichem.


    Aber ist das dann nicht vielleicht sogar ein richtig gutes Angebot im Vergleich zu "normalen" ETFs?

    Immerhin kommen da ja erkleckliche Summen am Ende heraus, da macht es einen großen Unterschied, ob nur die Hälfte besteuert wird.


    Gibt es dazu schon Musterrechnungen oder Erfahrungen? Kann FINANZTIP da mal recherchieren vielleicht?


    Vielen Dank für alle Infos und Tipps schon mal!

    Gruß der Sparfuchs

  • sparfuchs89

    Hat den Titel des Themas von „Lebensversicherung: ETF mit Teileinkünfteverfahren“ zu „Lebensversicherung: ETF mit Teileinkünfteverfahren vs. Standard-ETF lukrativer?“ geändert.
  • Hallo Sparfuchs,


    dass der Debeka-Verkäufer jetzt auf Dich zukommt, liegt daran, dass die Debeka noch recht viele dieser vergleichsweise gut verzinsten (und für sie teuren) Verträge hat, für die sie aber die Rendite nicht mehr erwirtschaften kann - Du findest im Netz einiges zur Schieflage, in der sich die Debeka befindet. Das "umwandeln" in Deinem Text bedeutet für die Debeka, die Pflicht 2.75% zu erwirtschaften loszuwerden, und zugleich sämtliches Risiko auf Dich übergehen zu lassen. Denn im neu angebotenen Produkt (für das wieder Abschlusskosten entstünden) würdest Du die Chancen und Risiken des Investments tragen. Dass ein Aktieninvestment höhere Rendite verspricht als eine klassische Rentenversicherung, ist keine Überraschung, aber es gibt auch ein ganz anderes Risiko. Daher musst Du für Dich entscheiden, was Du willst.


    Ohne jetzt Zahlen zu kennen, würde ich tippen, dass es sinnvoll ist, den alten Vertrag zu behalten, zumindest als Teil Deines von Finanztip empfholenen Sicherheitsbausteins (der zudem noch steuerfrei in der Auszahlung ist!). Ob Du weiter einzahlst, oder einen eigenen ETF-Sparplan aufsetzt, musst Du davon abhängig machen, welches Rendite/Risiko-Verhältnis zu möchtest.


    Das was Du "Teileinkünfteverfahren" nennst, heißt Halbeinkünfteverfahren, und bewirkt (bei mehr als 12 Jahren Lauftzeit und einem Alter von mind. 62 Jahren), dass der Gewinn nur zur Hälfte mit Deinem persönlichen Einkommmensteuersatz (!, nicht mit der Kapitalertragssteuer!) besteuert wird. Es geht also um die Hälfte von z.B. 30-42% (je nach Verdienst im Jahr der Auszahlung), sprich 15-21% anstelle von 25% KapESt. Der Unterschied ist nicht riesig, aber die Kosten so einer privaten Versicherung machen in der Regel den Vorteile zunichte.


    Finanztip hat das auch ausgerechnet:

    https://www.finanztip.de/alter…/flexible-altersvorsorge/


    und in einem Video verarbeitet:

    https://youtu.be/rkWq17_oIG8


    Und wir hatten hier kürzlich einen Fall, in dem so eine Versicherung schon abgeschlossen war, mit haarsträubenden Kosten:

    RE: Hilfe! Altersvorsorge bei Maklerin abgeschlossen


    Mein Rat wäre daher: Den alten Vertrag erhalten, den werden Dir einige neiden (erst recht, wenn Du, Jahrgang 89 wärst und Du damit ja noch viele Jahre die sicheren 2.75% einstreichen kannst). Und für weitere Einzahlung je nach Gesamtsituation entweder weiterzahlen und/oder privat per kostengünstigem, und breiten ETF-Sparplan ohne Versicherungsmantel vorsorgen.

  • Hallo Galileo, vielen Dank für die schnelle und umfangreiche Beanwortung.


    Das mit Risiko etc. war mir klar, aber es ging mir ja explizit um den Vergleich "Standard-ETF" (also eigene Anschaffung über Depot) vs. Versicherungs-ETF wie bei dem Debeka-Produkt.


    Das Video von FINANZTIP hat meine Frage recht gut beantwortet dann mit einer Musterrechnung. Danke für den Link.


    Dass das Halbeinkünfteverfahren dann mit dem PERSÖNLICHEN Steuersatz arbeitet, wusste ich nicht, macht es aber natürlich unattraktiver.


    Insofern bleibe ich gerne bei meinem "angestaubten" LV-Produkt der Debeka ;-)