Geldanlage mit 57

  • Hallo!


    meine Mama ist 57 und hat etwas Geld beiseite, welches sie gerne anlegen würde um ggf. ein oder 2 Jahre früher (mit 65 oder 66) in Rente gehen zukönnen und mit der Anlage hoffentlich, die Rentenabzüge kompensieren zu können. Sie hat also noch 8-9 Jahre Zeit. Die Anlage soll aber eher sicherheitsorientiert sein, schließlich sollte da nichts mehr schief gehen. Sie wäre in der Lage z.B. bei ETF's 10.000 € als Investitionssumme einzuzahlen und regelmäßig bis zu 500 € an monatlichen Sparraten zu leisten. Allerdings ist der Zeithorizont für ETF's und generell Aktien dabei doch recht knapp bemessen.


    Meine Frage lautet daher: Welche Geldanlage würdet ihr empfehlen, was ist in diesem Alter und unter diesen Voraussetzungen, die sinnvollste Alternative? Was kann man tun?


    Vielen Dank im Voraus!

  • Hallo Adrian und herzlich willkommen im Forum! :-)


    Lass mich für den Anfang einige Optionen auflisten:


    - Die üblichen, langfristigen ETFs würde ich in Anbetracht des kürzeren Anlagehorizonts und auch wegen des Wunsches nach viel Sicherheit für ungeeignet halten.

    - Festgeld ist 100% sicher, bringt aber eine Rendite unterhalb der Inflationsrate. Wenn Sicherheit sehr wichtig ist, dann könnte das ja vielleicht trotzdem was sein.

    - Rentenpapiere brachten in der Vergangenheit oft eine höhere Rendite als Festgeld. Aber sie unterliegen Schwankungen.

    - Aktien würde ich wegen des Risikos und wegen der Anlagedauer entweder gar nicht nehmen oder nur zu einem kleinen Anteil und dann auch nur breit gestreut.


    - Wie sieht es mit einer freiwilligen Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung aus?

  • Hallo.


    Wenn es tatsächlich um die Rente geht, sollte die Frau Mutter das Rentenversicherungskonto auf den neuesten Stand bringen lassen und sich anschließend eine Rentenauskunft anfordern. Damit hätte man die Optionen auf dem Tisch und ggf. ergibt sich dadurch auch schon ein früherer Rentenbeginn mit halbwegs akzeptabler Rentenhöhe.


    Zusätzlich könnte man die gesonderte Rentenauskunft zum Ausgleich von Abschlägen bei einer vorgezogenen Altersrente anfordern. ("DRV" in die Suchmaschine des Vertrauens eingeben und dann "V0210" in die Suchmaske auf der Homepage eingeben. Der Rest ist selbsterklärend.)


    Diese Zahlungen sind ab 50 möglich. Die rententechnischen Rahmenbedingungen (Kosten für einen Entgeltpunkt) verschlechtern sich langsam von Jahr zu Jahr. Die steuerlichen Faktoren der Ausgleichzahlungen verbessern sich von Jahr zu Jahr etwas und erreichen 2025 ihr Optimum.


    Den Zeitplan sollte man sich daher erneut ansehen.

  • Ja klasse vielen Dank für eure schnellen Antworten! Das hört sich alles sehr sinnvoll an und besser als das was ich bisher gehört habe.


    Jetzt hab ich noch ein Anschlussfrage, weil naja hier befinde ich mich vor dem Hintergrund etwas im "Clinch" will ich mal sagen. Ich selbst bin ein seit Jahren aktiver Finanztip-Leser und schaue gerne auch alle youtube-Videos von Saidi, zu Themen die für mich selber revant sind. Und ich richte meine Entscheidungen dann entsprechend, nachdem was was finanztip sagt. Damit bin ich bisher gut gefahren. Hier gehts jetzt halt um meine Mutter, die sich mit solchen Sachen gar nicht auskennt. Und ich selbst habe vielleicht bessere Kenntnisse als der Durchschnitt, aber ich bin ja bei weitem kein Experte oder Profi.


    Mein Bruder, als selbsständiger Finanzberater (bei swisslife) tätig, kam jetzt auf meine Mutter defacto mit einem aktiven Mischfonds zu. Irgendwas in Kooperation mit der HSBC, wo der MSCI-World drin ist, Gold und noch andere Sachen. Dieser Mischfond wird jedoch nicht öffentlich am Markt angeboten. Die Abschluss, Verwaltungs- Transaktions- und Handelskosten sind natürlich horrend hoch. Ich selber habe einen passiven ETF (MSCI-World AWCI) für die Altersvorsorge laufen, daher ist mir Kostenunterschied klar. Ist halt klassisch passiv vs aktiv gemamangte Fonds.


    Kurzrum mein Standpunkt ist "Mach es nicht,

    a) sind die Kosten zu hoch,

    b) ist auch der Zeitrahmen unter 10 Jahren und

    c) ist für meine eine Vergleichbarkeit schwierig

    d) hat keiner von uns eine Glaskugel, auch nicht der Fondmanager, der oft auch nur auf den Index schaut und dann handelt."


    Am Ende fressen noch die Kosten die Rendite. Wenn es schon Aktien sein sollen, dann bitte passive Fonds also ETF MSCI-World. Aber auch da gibt es keine Sicherheiten. Ich habe noch 30 Jahre Zeit, meine Mama nicht mehr. So sehe ich das, wie gesagt ich bin kein Experte und sicherlich, könnt ihr euch auch die familäre Diskussion vorstellen. Ich bin da ja grundsätzlich negativ gegenüber eingestellt. Jetzt ist aber oben geschrieben worden, dass Aktien in geringen Anteil als Mischung aber Sinn machen könnten.


    Frage: Was würdet Ihr aus meiner Sicht eurer Mutter in der Situation raten und welche kostengünstigere Alternativen und Möglichkeiten gebe es denn da, wenn man schon auf Aktien mit Mischanteil geht?


    VIELEN DANK IM VORAUS FÜR EURE RÜCKMELDUNGEN :):):)

  • Ich bespare selber als Ergänzung regelmässig den ARERO-Fond, hat 60% Aktien (A), 25% Anleihen (RE) und 15% Rohstoffe (RO). Entwickelt ca. 2008 von Finanzwissenschaftlern der Uni Mannheim, wird automatisch rebalanced, dadurch hat deine Mutter inndieser Hinsicht keine Arbeit, und hat überschaubare Kosten (TER 0,5%). Der Initiator Prof. Weber ist absolut überzeugt vom passiven Investieren und hat sein ganzes Berufsleben dazu geforscht. Auf YouTube gibt es ein interessantes Zweibespräch mit Gerd Kommer und Prof Weber. Das Fondvolumen liegt inzwischen bei einer Milliarde.

    https://www.tagesschau.de/wirt…rse/lu0360863863-5417201/

    https://www.arero.de/

    Familiär gesehen bin ich froh, nicht in deiner Haut zu stecken 😅

  • Ich würde mit meinem heutigen Wissen keine Mischfonds mehr kaufen. Stattdessen würde ich mir meine Wunschmischung selbst zusammenstellen, indem ich passive Einzelprodukte kaufe. Die Mischfonds schlagen einen entsprechenden Vergleichsindex eh nur in manchen Jahren und je länger man den Zeitraum wählt, desto seltener gelingt das. Die Finanztest hat dazu mal einen Artikel gebracht. Der Titel war so in etwa "Mischfonds - es geht besser".


    Um nochmal auf das Thema Aktien zurückzukommen: Aktien bieten halt mehr Renditechancen als Festgeld und auch als Rentenpapiere. Aber bei dem was deine Mutter will, wäre ein hoher Aktienanteil meiner Meinung nach wie gesagt ein Fehler. Deine Mutter verzichtet also auf Rendite zugunsten von Sicherheit - siehe das magische Dreieck. Wenn ich es wäre, würde ich höchstens überlegen, ob ich einen (kleinen) Teil des Anlagebetrags in ein Produkt mit einem etwas höheren Risiko investiere, z.B. in einen MSCI World. So hätte ich auf die Gesamtsumme gesehen nur für einen Teil ein höheres Risiko, aber eben auch die Chance auf eine etwas höhere Rendite, wenn sich dieser Teil besser entwickeln sollte. Vom Prinzip her schlägt dein Bruder so wie ich das verstanden habe, ja auch vor, einen Teil mit etwas höherem Risiko anzulegen. Mir wäre - wenn ich mich als deine Mutter auf einen Aktienanteil einlassen würde - wichtig, dass das Risiko möglichst breit gestreut ist. Ich würde also keine Einzeltitel kaufen.


    Dabei gilt immer: Am Ende ist das hier keine Anlageberatung, sondern nur meine Meinung. Und am Ende ist auch deine Meinung nicht entscheidend. Am Ende muss deine Mutter die Entscheidung treffen. Und wenn sie partout kein Risiko will, dann verzichtet sie halt auf die damit verbundenen Chancen, hat dafür aber eine höhere Sicherheit. Das kann sie ja ruhig so machen.

  • Hallo AdrianB. ,

    ich werde dieses Jahr mein 20. Rentenjahr hoffentlich vollenden.

    So wie ich das mache, wird sicher von der Mehrheit abgeraten, dennoch bin ich überzeugt, genau das richtige zu machen. Ich habe keine höheren Einkünfte, habe deshalb bereits seit 16Jahren eine Nichtveranlagungsbescheinigung.

    Ich habe mein Geld überwiegend in Aktienfonds (keine Einzelaktien), ETFs und auch aktive Aktienfonds angelegt. Das dadurch entstehende Risiko gehe ich gern ein, weil ich Nachkommen habe. Die können im Notfall einen Börsenabsturz aussitzen.

    Der Rest des Geldes ist Notgroschen auf dem Girokonto, und Festgeldtreppe.

    Mischfonds würde ich auch nicht machen, rentieren mir im Verhältnis zum Risiko zu schlecht.

    Damit möchte ich natürlich nicht geraten haben es ebenso zu machen.

    Gruß


    Altsachse

  • Frage: Was würdet Ihr aus meiner Sicht eurer Mutter in der Situation raten und welche kostengünstigere Alternativen und Möglichkeiten gebe es denn da, wenn man schon auf Aktien mit Mischanteil geht?

    Wenn es um ein Mischkonstrukt geht wären neben dem Arero noch der Portfolio-ETF von Andreas Beck im Angebot, hat derzeit 2/3 Aktien und passt dieses Verhältnis nach Marktlage an. TER 0,7 https://etf.dws.com/de-de/etf-…emenwelten/portfolio-etf/


    Dann hat Finanztip unter den Robos das Angebot von Weltinvest empfohlen. Kosten 0,49%

    https://www.finanztip.de/robo-advisor/

    https://www.weltsparen.de/etf-portfolio/


    Der Vorteil der drei Ansätze wäre, dass es nur ein Produkt ist, bei dem man sehr einfach ein- und auszahlen kann, wobei sich das bei Weltsparen am einfachsten anhört.


    Nachteil gegenüber der Eigenanlage ist, dass man für den Sicherheitsanteil sowohl ETF-Kosten wie auch Kosten des Mantels zahlt und dieser über den Negativzins bei Anleihen vorr. eine negative Rendite erzielt, während man selbst Tages- und Festgeld noch kostenlos bekommt.


    Wenn Du für Deine Mama das managen möchtest möchte ich das Heft 10/20 von Finanztest empfehlen; dort wird eine Sofortrente mit einem ETF-Auszahlplan organisiert. Die Auszahlung wird sehr pfiffig alternativ aus Tagesgeld und ETF, organisiert. Anbei der Link für eine Simulation, die nicht ganz mit dem Heft übereinstimmt (s. Kommentare auf der Seite).

    https://www.test.de/ETF-Einmal…ortfolio-5179990-5505798/

    Ich denke wenn man jetzt 50:50 in ETF und Festgeld anlegt hat man den Grundstock in 9 Jahren den Ruhestand über den Auszahlplan zu ermöglichen.

  • Ich tu mal einfach so, als ob deine Mutter in 7 Jahren in Rente gehen möchte.


    Wenn man auch davon ausgeht, dass Kursstürze (ETF auf MSCI Word) spätestens nach 15 Jahren ausgesessen sind, kann man das in die Strategie mit einbauen. Ein Ansatz ist der von „Altsachse“, der deckt gut ab, wenn er die Erholung nicht mehr erlebt.


    Trotzdem muss man sich aber vorher klar machen, wann man wie viel Geld benötigt. Einfach mal den geschätzten zusätzlichen Bedarf in einer Tabelle aufschreiben. Monat für Monat. Nicht vergessen, es könnte sein, das der Bedarf nicht konstant ist, sonder steigt. Ich hab bei mir pro Jahr eine Steigerung von 5% eingerechnet.


    Wenn man sich jetzt verinnerlicht, dass man zum Rentenbeginn nicht gleich komplett deinvestiert sein muss, kommt man auch gut durch, solange die anderen „Geldreserven“ ausreichen.


    Um genug „Reserven“ zu sammeln, kann deine Mutter die 500 Euro/Monat ganz normal ansparen. Macht im Jahr 6.000 Euro. Solange man es sicher haben will, legt man die in Festgeld an. Für 4 Jahre gibt es bei Klarna glaub ich 1,25% und bei RenaultBank für 5 Jahre 1,05%. Da geht sicherlich noch mehr aber ist ja auch ne Frage, wen man vertraut…


    Früher war Bausparen durch die staatliche Förderung eine klasse Sache. Da konnte man 5-6% Rendite im Jahr rausholen. Heute ist das nicht mehr so lukrativ. Aber prüfen sollte man das trotzdem. Selbst wenn es nur für einen Teil vom Geldbestand ist. Für den Fall, dass man Zulagen vom Staat bekommt, ist 7 Jahre auch ein guter Anlagehorizont. Aber aufpassen: durch die niedrigen Zinsen, die ein Bausparer abwirft, rentiert das ggf. wirklich erst, wenn man Zulagen erhält.


    Für 7 Jahre kommen aus den Sparraten 42.000 Euro zusammen. Plus etwas Zinsen.


    Jetzt schaust du, wie viel zusätzlicher Geldbedarf in den dann folgenden 8 Jahren zusammen kommt. Alles was mehr als 42.000 Euro (plus Zinsen) ist, sollte man vom heutigen Vermögen abziehen und sicher zurücklegen. Den Rest des heutigen Vermögens könnte man theoretisch in ETF anlegen.


    Hintergrund dieser Überlegung ist: bei Anlage in ETF auf dem MSCI World waren Kursstürze nach spätestens 15 Jahren ausgeglichen - meist viel früher - der Coronabsturz ist nach einem knappen Jahr wett gemacht worden. Du weißt aber nicht, wann der Absturz kommt. Aber: Pi mal Daum dürfte es egal sein, wann du in den 15 Jahreszyklus einsteigst. Du kannst ja, solange der Aufschwung dauert, schon mal Gewinne scheffeln. Sollte irgendwann der Absturz kommen, werden erst mal die Gewinne den Sturz abfedern und man braucht später nicht mehr so viel/lange, um wieder auf Plus Minus Null zu kommen. Und wenn nach irgendwas um die 6-10 Jahre noch kein tiefer Fall gekommen ist, zieht man sich aus dem ETF-Geschäft zurück.

  • Super, vielen vielen Dank für eure zahlreichen und ausführlichen Antworten. Da sind ja schon einige gute Ideen und Ansätze dabei. Müsste man dann sich jetzt im Einzelfall genauer anschauen, was davon die sinnvollste Lösung sein kann.


    Danke!