Bausparvertrag mit kleinen Summen kündigen?

  • Hallo zusammen,


    es ist nicht die erste Frage zu dem Thema und ich habe mich auch schon ein wenig durch die anderen Beiträge gelesen, aber die Zahlen sind immer wieder andere. So frage ich dann doch noch einmal speziell für mich nach und hoffe, dass das hier in dem Forum kein Problem darstellt. Gibt Foren, da ist das nicht so gerne gesehen.


    Ich habe bei der Schwäbisch Hall zwei Bausparverträge aus Anfang 2013. Damals gerade etwas über 20 Jahre jung, frisch aus der Ausbildung raus und noch recht naiv und ahnungslos an die Sache Geld rangegangen und andere "für mich" machen lassen. Jetzt, mit etwas mehr als 30 Jahren möchte ich meine Finanzen selbst in den Griff bekommen. Dank an Saidi und auch an Anja und Anika.


    Es handelt sich bei den beiden Verträgen um den Fuchs-Spezial (20k€ Bausparsumme) und den Fuchs WohnRente (10k€ Bausparsumme).

    Zusammen ist das ein mittlerer vierstelliger Betrag.

    Die Darlehenszinsen liegen bei nominal 1,95% (Fuchs-Spezial) und 2,95% (Fuchs WohnRente).

    In der Fuchs WohnRente ist deutlich mehr drin, als im Spezial.


    Die Zinsen sind doch nun keine all zu dollen "Schnäppchen" mehr und die Bausparsummen reichen auch eher für den Um- oder Ausbau einer Wohnung, nicht aber für den Bau einer Wohnung.


    Ich schwanke zwischen zwei Möglichkeiten.

    Meine aktuelle Idee ist es, das Geld auszahlen zu lassen, ein bisschen was ins Tagesgeld zu stecken um ein kleines Polster aufzubauen und den großen Teil in einen ETF. Die Auszahlung dauert 6 Monate.

    Die zweite Möglichkeit wäre, auf die Darlehensoption zu verzichten und zu hoffen, dass dafür die Verzinsung auf 2% steigt. Das soll wohl angeblich gehen. Dann würde ich das vielleicht als eine Art Festgeld einfach liegen lassen.


    Aber eigentlich tendiere ich zu Option 1. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich demnächst mehr Geld brauche. Und sollte dem so sein, muss ich eben dafür arbeiten gehen :-) Und sollte ich das Geld in einen ETF gesteckt haben und dann doch mehr Geld brauchen, dann kann ich es dort ja auch wieder rausholen. Ggf. mit Verlust, durchaus aber ja auch mit Gewinn.


    Übersehe ich was? Mache ich mir das zu leicht?

    Könnt ihr vielleicht noch ein oder zwei Meinungen mit einwerfen?

    Bin ich vielleicht zu aktiv und will gleich zu viel machen, nur weil ich jetzt die Dinge angehen möchte?


    viele Grüße und Danke!

  • Zu 1) 2 Prozent für eine sichere Geldanlage ist nicht sooo schlecht.


    Zu2) hier ist bei der Kündigung zu beachten, dass du die staatlichen Zulagen und ggf. Steuervorteile zurückzahlen musst (Riester)


    Wenn man der Typ ist der teils heftige Wertschwankungen komplett wegsteckt, kann man natürlich auch alles platt machen und voll auf einen Aktien ETF gehen. Hier hat man dann auf die Zukunft gesehen, voraussichtlich die höchste Rendite.


    Zudem hast du der Bausparkasse noch eine gute Tat getan, die ist nämlich froh solch teure Verträge los zu werden ;)

  • Hallo Kuddel ,

    die Option Verkauf mit Verlußt, ist zwar möglich. Ich für mich würde das aber lieber Ausschließen. Wenn die Börsenkurse mal eingebrochen sind, sollte man sie nicht angreifen. Man sollte andere Möglichkeiten zum Überleben nutzen.

    Gruß


    Altsachse

  • Danke MichaG & Altsachse für eure Einschätzungen.


    Ich weiß nicht ganz, was du mit angreifen von eingebrochenen Börsenkursen meinst, Altsache.


    Werde erst mal am Montag dort anrufen und schauen was passiert, wenn ich die Darlehensoption entfernen lasse. Risikobereit bin ich, da ich einfach kein großes Risiko sehe, auf einen langen Zeitraum hin.


    Und Ich glaube, dass ich keine großartigen Zulagen bekommen habe, da meine Sparraten zu gering waren, oder so. Habe leider nur sehr lückenhaft die Kontoauszüge.


    Mir geht's jetzt, wo ich mich damit auseinandersetze, nur auf den Keks, dass ich so viele verschiedene Sachen habe.

    - PrivateRente (gestern gekündigt)


    - noch eine Rentenversicherung in die ich zwei Jahre eingezahlt habe, dann scheinbar nicht mehr. Die eingezahlten Beträge führen zu keiner Rentenzahlung, weil es scheinbar nicht mal für die Abschlussgebühren gereicht hat (Alte Leipziger, abgeschlossen über MLP). Da rufe ich Montag auch mal an und kläre, ob ich das so richtig verstanden habe ;-) Scheint nicht kündbar zu sein, werden aber auch keine Beiträge mehr gezahlt. Würde aber wohl jederzeit wieder aufgenommen werden können.


    - noch eine Rentenversicherung !!! :/=O Ebenfalls von MLP bekommen. Scheint auch ein nicht kündbarer Vertrag zu sein. Da erkenne ich keine Renditeangaben oder ähnliches. Ich sehe nur, dass ich bei 92€ mtl. Beitrag (10€ fallen dabei für den Baustein der Beitragsbefreiung im Falle einer Berufsunfähigkeit an) später mal angeblich 219€ mtl. an Rente erhalte.


    - eine BU, die 09/2023 ausläuft und automatisch, ohne erneute Gesundheitsprüfung zu einem neuen Vertrag führt. Aktuell bei 25€ mtl. Beitrag eine BU-Rente von 1.146€ bei 50%iger Behinderung.


    - Haftpflicht gestern gekündigt und muss mir jetzt eine neue für ab dem 01.08. suchen. Habe im Vergleich hier bei Finanztip gesehen, wie wenig Leistung meine Versicherung bei höheren Beiträgen bietet.


    - und dann eben noch das Thema mit den Bausparverträgen.


    Frage mich, was damals los war mit mir?! Verstanden habe ich damals nicht ein einziges Produkt. Wenn ich einmal Kinder habe, werde ich mich mit denen anders an das Thema ranmachen und sie nicht so ins Leere laufen lassen. :)


    So. Das habe ich mir bei der Gelegenheit mal von der Seele geschrieben.


    Einen schönen Abend euch :-)

  • Kann viele deiner Punkte verstehen und es ist ein guter Ansatz Klarheit in die Finanzen zu bringen.

    Aber mir gefällt hier im Forum nicht, dass gefühlt für alles ETF die Lösung sein soll.

    Da ich selbst Bausparverträge der Schwäbisch Hall vermittel, würde ich dir raten, zumindest den Fuchs Spezial zu behalten. Du musst lediglich formlos schreiben, dass du auf ein Darlehen verzichtest und somit erhälst du rückwirkend noch ein Prozent obendrauf.

    2 Prozent für ne sichere Geldanlage ist einfach top.

    Aber am Ende musst du die richtigen Entscheidungen treffen;)

  • Aber mir gefällt hier im Forum nicht, dass gefühlt für alles ETF die Lösung sein soll.

    Neeee... die Empfehlungen gehen in Richtung Fetzgeld und ETF... und richten sich an "Faule" ... sorry ... Pantoffeldepotliebhaber, die sich um (fast) nix kümmern wollen :)

  • Wenn das bei dem Fuchs Spezial so klappt, dann würde ich das machen. Ist im Prinzip ja irgendwie vergleichbar mit Festgeld für 6 Monate. So ganz einfach gesagt? Ich komme an alles Geld was da drin ist innerhalb von 6 Monaten ran. Also wäre es ja so, als hätte ich irgendwie Geld für 6 Monate angelegt, oder? Und meinst du mit rückwirkend komplett? Über die gesamte Laufzeit?


    Leider sind ausgerechnet in dem Spezial "nur" 600€


    Vielleicht macht es Sinn, den WohnRente aufzulösen und das Geld in den Spezial zu zahlen?


    Viele Fragen :-)
    Ich danke euch so für eure Geduld.

  • Neeee... die Empfehlungen gehen in Richtung Fetzgeld und ETF... und richten sich an "Faule" ... sorry ... Pantoffeldepotliebhaber, die sich um (fast) nix kümmern wollen :)

    Hoffentlich stimmst du mir aber zu, dass man ne zwei prozentige Geldanlage nicht vorschnell auflösen sollte;)

    Oder gibt es aktuell im Festgeld irgendwo mehr? Dann bin ich froh über jeden Tipp;)

  • Hoffentlich stimmst du mir aber zu, dass man ne zwei prozentige Geldanlage nicht vorschnell auflösen sollte;)

    Oder gibt es aktuell im Festgeld irgendwo mehr? Dann bin ich froh über jeden Tipp;)

    Ne das wäre ein Traum.Selbst wenn in Man in Italien anlegt, kommt man kaum über 1.4% hinaus. Ich stimme dir auch vollkommen zu das nicht aufzulösen.

  • Also sollte ich da einen Dauerauftrag reinlaufen lassen? Habe ja zu dem Konto eine IBAN. Da müsste ich doch hin überweisen können, oder?

    Das würde sich anbieten. Es gibt allerdings eine Spargeldbegrenzung nach oben.

    1400 Euro pro Jahr kannst du auf jeden Fall einzahlen.

    Wichtig: du musst am Ende noch 1.000 Euro der Bausparsumme offen haben, sonst verfällt der Bonus.

  • Halllo Kuddel,


    top, dass Du Dich informierst, und nun alles auf solide Füße stellst.


    - Von MPL-verkaufte Rentenversicherungen fallen meist in die Abzocke-Kategorie. Sind sie nicht kündbar, handelt es sich meist um Basisrenten/Rürup-Verträge, da muss das Guthaben (sofern vorhanden) bis zum Rentenbeginn im Vetrag bleiben, und dann muss verrentet werden (keine Einmalauszahlung). Kündigung ist dort gleichbedeutend mit betragsfrei-stellen. Das ist meist auch die beste (und einzige) Option, da der Transfer zu einem günstigen Anbieter meist ausgeschlossen ist.


    - Bei den Bausparverträgen haben die anderen ja schon herausgearbeitet, dass die Verzinsung (insbesondere die höhere nach Darlehensverzicht) im FuchsSpezial sehr gut ist, und sich der Vertrags als Sicherheitsbaustein eignet. Ja, Du kannst da mit einem Dauerauftrag einzahlen. Stelle nur sicher, dass Du nicht nahe oder über die Bausparsumme (20k) kommst (auch nicht nach Zinsen!), da dann der Vertrag vom Anbieter gekündigt werden kann (und bei der hohen Zinsung = hohen Kosten für Anbieter) auch sicher gekündigt werden wird. Der Anbieter hat an Kunden wir Dir in der heutigen Zeit keine besondere Freude mehr.


    - Die Fuchs WohnRente ist ja Riester-gefördert, was heißt, dass Du bei Kündigung alle Zulagen/Steuervorteile zurückzahlen musste. Wundere Dich also nicht, dass das ggfs nicht besonders viel herauskommt. Kann aber dennoch die beste Lösung sein, insbesondere wenn Du, wie Du schreibst, weniger Sachen haben willst. Die Verwendung dieser Vertrags für eine Immobilien liefe übrigens nach den Wohn-Riester-Regeln ab (https://www.finanztip.de/riester/wohn-riester/), sprich Du würdest dadurch eine extra Steuer in Deiner Rentenzeit auslösen. Mir ist das zu kompliziert (und ich bin ohnehin nicht vom Konstrukt Riester überzeugt, es sei denn, man hat 2 oder besser noch mehr Kinder), aber für manche bringt es Vorteile.

  • Du hattest von einer Bausparsumme von 20 TE beim Spezial geschrieben.

    Würde dann quasi bei 18TE langsam aufpassen.

    Bei 19000,01 ist der Bonus weg.

    Du hast natürlich richtig gelesen und ich bin durcheinander gekommen. Der FuchsSpezial hat eine Bausparsumme von 20k€. Wenn ich da jetzt nach und nach einzahle und bei 18.000€ angekommen bin, dann würde ich nach drei Jahren und 2% Zinsen die 19.000€ überschreiten. Das ist zwar erst in der Zukunft so, weil es ja auch dauert, bis ich die 18.000€ erreicht habe, aber was dann? Nur für mein Verständnis :-)


    DANKE wirklich. Kann ich nicht oft genug sagen!

    - Die Fuchs WohnRente ist ja Riester-gefördert, was heißt, dass Du bei Kündigung alle Zulagen/Steuervorteile zurückzahlen musste. Wundere Dich also nicht, dass das ggfs nicht besonders viel herauskommt. Kann aber dennoch die beste Lösung sein, insbesondere wenn Du, wie Du schreibst, weniger Sachen haben willst.

    Danke für die Einschätzung. Da dort wahrscheinlich keine 2% Sparzins zu holen sind, der Topf fast zur Hälfte gefüllt ist (42%) und ich in der Tat auch was loswerden möchte, scheint mir das sinnvoll.

    2017 habe ich eine Zulage bekommen, die mir später im Jahr wieder abgezogen wurde. Wahrscheinlich, weil ich nicht mehr genug eingezahlt hatte? Für 2018 habe ich keinen Kontoauszug und ab 2019 kann ich online einsehen, dass nur noch Zinsen gutgeschrieben wurden.

    Wenn da am Ende weitere Zulagen wegfallen, dann ist das so. Lehrgeld, dafür aber sauberer Schnitt. Danke für den Hinweis darauf!


    Jetzt warte ich morgen mal das Gespräch ab. Ich rufe da morgen mal an.

  • Wenn du die Treueoption beantragst muss der Vertrag noch ein Jahr ruhen. Also einfach rechtzeitig aufhören, Vertrag beobachten und durch Zins wachsen lassen.

    Am Ende nicht alles ausreizen und rechtzeitig den Vertrag auszahlen lassen.

  • dann kann ich es dort ja auch wieder rausholen. Ggf. mit Verlust,

    Hallo Kuddel , ETFs schwanken nun mal mit den Börsenkursen. Wenn die ETFs mal stark im Minus sind, sollte man sie nicht verkaufen, sonst macht man Verlußt. Wartet man aber, bis sich die Kurse wieder erholt haben, ist es dann wieder Gewinn. In ETFs sollte man deshalb nur das Geld investieren, auf das man gegebenenfalls auch längere Zeit nicht angewiesen ist.

    Gruß


    Altsachse

  • So. Vor vorgestern mit einem von der Schwäbisch Hall telefoniert. Netter Mann!


    Seine Empfehlung nun:

    - WohnRente noch um knapp 800€ auffüllen. Das muss nicht jetzt sein. Wenn noch knapp 800€ mehr drin sind, ist er Zuteilungsreif und kann für den Erwerb einer Immobilie als Eigenkapital genutzt werden (sind dann 5.000€) Aktuell sind da noch 280€ an Zulagen drin. Würde der Vertrag aufgelöst, wären die 280€ abzuziehen plus ggf. geltend gemachte Steuervorteile (das kann aber auch nicht viel gewesen sein).

    -> Seine Empfehlung: erst einmal liegen zu lassen, bis sicher ist, dass kein Eigentum angeschafft werden soll. Andernfalls sind das halt 5.000€ Eigenkapital.

    -> Ich selbst bin unentschlossen. Zum einen ist Eigentum zwar gerade kein Ziel, wenn es dazu kommen sollte wären wir aber auch nicht abgeneigt. Anders angelegt, außer in einem ETF, erreiche ich damit wahrscheinlich auch keine bessere Rendite und bin nicht so flexibel. Dennoch tendiere ich dazu, das Geld da einfach rauszuholen, 1.400€ in den FuchsSpezial zu stecken und den Rest in einen ETF.


    - Der Spezial kann mit 1.400€ pro Jahr weiter bespart werden. Ab 2021 können meine Frau und ich Wohnungsbauprämie beantragen, weil die Grenze für das zu versteuernde Einkommen auf 70.000€ gestiegen ist. Das wären dann 140€ vom Staat dazu.

    -> Wenn die Treue-Option genutzt wird, so habe ich es verstanden, dann bekomme ich rückwirkend 1,5% Sparzins oben drauf. In Summe also 2,5% rückwirkend. Das bedeutet, wenn ich das richtig verstanden habe, dass das Geld nach Zuteilungsreife noch ein Jahr liegen bleibt und nicht ausgezahlt werden kann.


    Er wollte sich demnächst gerne mit mir Treffen um zu schauen, was wir sonst noch optimieren können und ob nicht vielleicht ein anderer Vertrag auch sinnvoll wäre.


    DANKE NEIN ;-)


    Also meine Überlegung nun wie bereits gesagt, die WohnRente zu kündigen, die Verluste hinzunehmen und der Einfachheit halber das Geld in den Spezial und den ETF pumpen.


    Ich höre eine Folge nach der anderen von Saidi und habe das jetzt auch so verstanden, dass wenn ich die WohnRente in Anspruch nehmen würde und mir damit was kaufe oder sonst was, später dann Steuern zahlen muss (eben wegen der staatlichen Zulage). Darauf habe ich dann später auch nicht mehr Lust, glaube ich :-)


    Also weg damit, denke ich.


    Das als kleines Update. Schöne restliche Woche!

  • Eine Frage kam mir gerade aber noch, falls hier noch jemand mitliest ;-)


    Wenn ich jetzt die 1.400€ in den FuchsSpezial stecke und die Wohnungsbauprämie beantrage und irgendwann später mir das Geld auszahlen lasse oder für sonst was verwende, muss ich dann auch im alter Steuern darauf zahlen, wie beim Riestern bzw. WohnRiestern?


    Ist ja auch eine Zulage vom Staat. Muss ich die später versteuern?


    Danke euch!