Bausparvertag mit 0,2% Zinsen

  • Hallo Zusammen

    Eine Bekannte von mir hat im Juni 2020 einen Bausparvertrag abgeschlossen über 20.000 € - Mindesteinzahlung 8.000 €, also 40%. Monatliche Einzahlung sind 100 €.
    Sie erhält nur 0,2% Zinsen p.a., also bei 1.200 € Einzahlung im Jahr gerade mal 2,40 €.

    Der gebundene Sollzins läge dann bei 3,15%. Sie liegt über der Einkommensgrenze und erhält wenn ich das richtig sehe, keine Prämien. Unter Umständen gäbe es noch ein "ZinsPlus" von 600%. Die Versechsfachung der Zinsen kann man sich in dem Fall ja aber schenken.

    Einrichtungsgebühren 320 € (also die "vollen") 1,6%, Kündigungsfrist 6 Monate. Die bekommt man mit den Zinsen ja nicht mal rein.


    Vergesse ich hier etwas oder ist das einfach ein extrem schlechtes Geschäft?

    Schon mal vielen Dank für eure Einschätzungen.

  • Klingt für mich schlecht. In meinem Bekanntenkreis werden Hausdarlehen für 1-2% aufgenommen. Da wüsste ich nicht, wozu man einen Bausparer braucht, der 3,15% Zinsen bieten wird.


    Nicht vergleichen sollte man den Bausparer mit einem ETF Sparplan, das wäre Äpfel vs. Birnen. Sie muss es mit Tagesgeld vergleichen, denn sie wird wohl nicht in 15 Jahren bauen wollen, also muss das Geld sicher und flexibel angelegt sein. Zinsen wird sie nicht groß bekommen.


    Aber die 3,15%, die schrecken mich ab.

  • Vielen Dank monstermania und chris2702 für eure Antworten. Mal schauen, ob jemand noch etwas positives daran sieht oder es einfach ein unschönes Geschäft ist.

    Die Überlegung wäre dann ob man das Ganze auflöst oder jetzt nach den gezahlten Beiträgen (und nach weiteren 6 Monaten Kündigungsfrist) dabei bleibt. Ich tendiere eigentlich klar zur Auflösung.

    Was meint ihr?

  • Kannst Du das mit dem ZinsPlus nochmal genauer erklären? Unter welchen Bedingungen bekommt man auf welche Summe wie viel Plus?


    (Wenn es auf eine Verzinsung von 1,2% in der Sparphase hinausliefe, könnte es ein attraktives Angebot für eine sichere und kurz- bis mittelfristig verfügbare Anlage sein. Zumindest, wenn man die Abschlussgebühren außer Betracht lässt. Abner das könnte man bei dieser Betrachtung so tun, denn die sind ohnehin in jedem Fall weg.)


    Ansonsten könnte sie so gemütlich vor sich hin sparen und hoffen, dass irgendwann die Inflation kommt, 3,15 % Darlehenszins dann ein günstiges Angebot sind, sie auch gerade bauen oder kaufen möchte und mit den 20.000 € dann ... z.B. eine wirklich schicke Küche finanzieren kann.

  • Das mit der Küche hast du optimistisch sehr schön formuliert ;) :)


    So wie ich es verstehe, bekommt man die angesparten Zinsen am Ende versechsfacht. Das ist dann aber ein Betrag von 20-30€, die man in absoluten Zahlen nach 7-10 Jahren an Zinsen bekommen hat. Das mal 6 bringt im Vergleich zu den Abschlusskosten ja herzlich wenig.

  • Zwei Anmerkungen von mir zu diesem Thema.

    Die Grenze für die Wohnungsbauprämie wurde in 2021 deutlich angehoben.

    Die Prämie beträgt 10 Prozent auf 700 Euro jährlich (ledige Person)


    Der Darlenszins kann schon interessant sein, da bei kleineren Darlehen oft Zinsaufschläge fällig sind. Zudem ist bei Bausparen i.d.R. unbegrenzte Möglichkeit der Sondertilgung.


    Spannend wäre tatsächlich zu wissen, warum der Vertrag abgeschlossen wurde..

  • Also es fällt für die Prämienzinsen kein Zinseszins an. Das ist ganz häufig so bei den Bauspar-Bonüssen. Es sieht so aus wie 1,2%, ist aber in Wirklichkeit weniger. Und ich würde nochmal ganz genau in den Vertrag schauen, wie die Bedingung formuliert ist und das denn auch in 10-15 Jahren ganz genau so machen. Sonst ruinierst sie sich auf den letzten Metern den Bonus - hier auf Finanztip gibt es diverse Geschichten darüber. Aber mit den 20-30 € tust dem Bausparer doch unrecht. Es sind viel viel mehr Zinsen!


    Wenn Deine Bekannte weiterhin 100 € pro Monat einzahlt und das Darlehen nicht in Anspruch nimmt, hätte sie nach meinen Berechnungen (Excel-Bierdeckel, anbei) am 31.12.2036 ein Guthaben von 19.799,91 €. Dem gegenüber stehen Einzahlungen von 19.800,00 €. Mit den Zinsen von insgesamt 319,91 € konnte sie also nach 16,5 Jahren knapp die Abschlussgebühren erwirtschaften. Aber jetzt kommt noch der Superduperbonus in Höhe von 1.599,56 €, so dass die Gesamtrendite der Investition auf 0,93 % hochschnellt.


    Bei einer Betrachtung der zukünftigen Entwicklung dürfen die Abschlusskosten außen vor bleiben (die sind in jedem Fall weg, egal ob sie aussteigt oder weitermacht) und die Verzinsung liegt dann bei gut 1,1%. Die Frage ist also, ob sie überhaupt eine sichere Geldanlage in der Größenordnung braucht und ob sie für eine sichere Anlage mit halbjähriger Kündigungsfrist* woanders mehr als 1,1% bekommt. (*Wobei - um es nochmal zu betonen - eine positive Rendite nur zu erwarten ist, wenn der Bonus wirklich ohne weitere Bedingungen, also auch bei einer vorzeitigen Kündigung, gezahlt wird.)


    Mit diesem Wissen hätte sie den Vertrag wohl nicht abgeschlossen. Jetzt muss sie halt das Beste daraus machen.


    Meint wie immer leicht optimistisch

    der Pantoffelheld

  • Wow! Vielen Dank für deine Zeit. Hätte ich selbst mal anlegen können aber hab tatsächlich vollkommen ausgeschlossen, dass sich das lohnen kann bei 0,2%.

    Wenn man es sich so anschaut und quasi die 0,93% "Wertsteigerung" nach 15 Jahren dank ZinsPlus nicht mehr ganz so zweifelhaft.

    Nur 2 Jahre früher sieht es natürlich aber schon wieder deutlich schlechter aus.

    Der Bausparvertrag wurde übrigens unter der Prämisse abgeschlossen, dass in den nächsten 2-3 Jahren (und auf jeden Fall lieber heute als morgen) eine Immobilie erworben werden soll. monstermania
    In dem Fall hätte doch klar sein müssen, dass das Geld in der monatlichen Rate, im Eigenkapital oder in einer Sondertilgung deutlich besser aufgehoben ist, oder?

  • P.S. und auch sehr wichtig.

    Jetzt hat sie eine Immobilie erworben im sechsstelligen Bereich. Finanzierung zu 0,X%.

    Dann auf jeden Fall lieber die 100€ im Monat in Rate bzw. am Jahresende in die Sondertilgung schieben. Das dürfte ja offensichtlich sein, oder?

  • Das nun gerade nicht. Wenn sie beim Bausparer von heute aus betrachtet 1,1 % erwarten kann, dann bringt das eine bessere Rendite als die Ersparnis von 0,x % Darlehnszinsen.


    Nach Steuern betrachtet gibt es allerdings beim Bausparer noch einen Pferdefuß: Obwohl sie im Schnitt mit nur gut 100 € Zinsen jährlich weit unter der Grenze für den Sparer-Pauschbetrag bleibt, kommt sie im letzten Jahr durch die Sonderzahlung deutlich darüber und müsste auf die übersteigenden 840 € noch 25 % Steuern zahlen, was insgesamt ein Zehntelprozent Rendite kostet. Handlungsmöglichkeit: Bis zur Bonuszahlung einen Partner mit möglichst wenig Kapitaleinkünften heiraten und zusammen veranlagen lassen.