Wie spare ich optimal für eine höhere Rente

  • Die Rentenversicherung hat mir mitgeteilt, dass ich mit 1100 Euro Rente rechnen kann, wenn ich (mein Arbeitgeber, bin angestellt) bis zum Rentenbeginn weiter einzahle wie bisher. Mein mit mir verheirateter Partner (nicht erwerbstätig, keine staatliche Leistung) würde 200 Euro monatlich bekommen.


    Ich kann jeden Monat 250 Euro fürs Alter sparen (für Notfälle bespare ich einen anderen Topf) und zusätzlich einmal im Jahr 3000 Euro (so eine Art 13. Gehalt). Wie lege ich die am besten an? Derzeit werfe ich alles in einen ETF, jeweils in den, den meine Bank mir kostenlos anbietet. Ich habe keinen Freistellungsauftrag. Damit möchte ich verhindern, dass ich mich auch mit der komplizierten Versteuerung von Wertpapieren herumschlagen muss, denn durch den Direktabzug hat das Finanzamt seinen Teil ja schon bekommen und lässt mich hoffentlich diesbezüglich in Ruhe.

  • ETF ist gut, wenn du 10 besser 15 Jahre Zeit hast, bis du das Geld brauchst. Du solltest den Freistellungsauftrag einrichten. Ist ein Formular, das man in 60 Sekunden ausfüllt und dann bis auf weiteres 801 Euro steuerfreie Kapitalerträge hat.


    Kompliziert ist der Freistellungsauftrag nur, wenn man ihn auf mehrere Banken verteilt, den Überblick verliert und mehr als 801 Euro freistellst. Dann beschwert sich das Finanzamt. Ins Gefängnis kommt man dafür aber nicht.

  • Hallo de30 ,


    erstmal top, dass ihr eure Infos habt, einen Notgroschen habt, Geld monatlich sparen wollt und Aktien-ETFs im Visier habt. Soweit alles richtig gut.


    Sieh mal hier: https://www.finanztip.de/geldanlage/.


    Aufgrund der Schwankungen solltet ihr mind. 10 oder mehr Jahre Abstand bis zur Rente haben, ist das gegeben? Falls ja, macht es wie beschrieben (sprich einen monatlichen Sparplan, und Einzelinvestments nach Möglichkeit). Finanztip empfiehlt einen ETF auf den MSCI World. Eine Alternative ist der ETF mit der WKN A1JX52, da wären auch noch Schwellenländer mit drin (All-World), mehr als einen ETF braucht ihr erstmal nicht. Den Punkt verkomplizieren "Anfänger" häufig unnötig. Mein Tipp wäre einen ausschüttenden ETF zu wählen, damit ihr ein paar Ausschüttungen pro Jahr habt und euren Freistellungsauftrag ausnutzt. An diesem Punkt solltest du nochmal etwas nachlesen: Die Versteuerung der Wertpapier verläuft bei einer deutschen Bank vollkommen automatisch, und ist (sehr häufig, von Spezialfällen abgesehen) unabhängig von einer Einkommensteuererklärung. (Ach ja, und lasst euch von kostenlos zu besparenden ETFs der Banken nicht ködern. Die ETFs wechseln häufig jedes Jahr und sollen dazu animieren, häufig zu wechseln und dann mehr für das Verkaufen und Kaufen auszugeben. Fangt erstmal mit einem gewünschten ETF an und ignoriert die Kaufkosten - mach ich immer noch so, da sie bei langer Laufzeit so gut wie nicht ins Gewicht fallen).


    An eurer Stelle würde ich unbeding Freistellungsaufträge bei den Banken einreichen, bei denen Kapitalerträge entstehen (über maximal 1602 Euro für ein zusammen veranlagtes Ehepaar). Das bedeutet, dass die Bank(en) für die ersten 1602 Euro keine Kapitalertragssteuer+Soli+Kirchensteuer abführen. Bedeutet das Einreichen eines Freistellungsauftrags bringt euch 1602*(25%+5.5% davon) = mind. 422 Euro pro Jahr an gespaarter Steuer (vorausgesetzt, ihr habt pro Jahr mind. 1602 Euro realisierte Kapitalerträge, z.B. Zinsen oder ETF-Ausschüttungen).


    Das hilft euch hoffentlich erstmal weiter.


    (Falls ihr Kinder habt, wäre noch über einen günstigen Riester nachzudenken, aber mit einem ETF-Sparplan wie von Finanztip besprochen macht ihr erstmal nichts falsch).

  • Nur ein weiterer Baustein. Ein Rürup-Vertrag aus der Zeit als Selbstständiger. Da fließen 50 Euro im Monat hin. Der Partner sucht einen Job, findet aber nix (kaum Berufserfahrung und Alter >50). Noch knapp 10 Jahre bis zur Rente. bAV lohnt nicht, da ich zu viel verdiene.

  • Zitat

    Ich habe keinen Freistellungsauftrag. Damit möchte ich verhindern, dass ich mich auch mit der komplizierten Versteuerung von Wertpapieren herumschlagen muss, denn durch den Direktabzug hat das Finanzamt seinen Teil ja schon bekommen


    Komische Argumentation. Du schenkst dem Finanzamt ja das Geld. Für den ETF ist auf jeden Fall mal ein Freistellungsauftrag angebracht, genauso wie für das Girokonto. Das ist nicht kompliziert. Wie Freistellungsaufträge funktionieren wird auf der Hauptseite und andernorts erklärt.


    Deine prognostizierte Rente ist nicht der Hit, seine ist ein Desaster. Du bist ihm gegenüber unterhaltspflichtig, so dass er sich nur anteilig in die Grundsicherung retten werden kann, wenn überhaupt.

    Zitat


    bAV lohnt nicht, da ich zu viel verdiene.

    Das verstehe ich auch nicht. Du vielleicht?


    Du könntest auf eine Leibrente/Sofortrente pokern:

    https://www.finanztip.de/alter…ge/sofortrente-leibrente/


    Lese Dich auch mal in das Thema Nettopolice ein.

  • Altersversorgung kann nur über eine Rentenversicherung garantiert werden, den diese sichert das Risiko der Langlebigkeit ab, ein lebenslanges Einkommen ist damit garantiert. ETFs haben mit Altersversorgung daher nichts zu tun, sondern sind maximal Vermögensbildung.

    Riester wäre da mein erster Favorit. Für zwei erwachsene Personen sind 350 €!! Förderung drin.

  • Wobei halt Versicherungen pleite gehen können, die Leistungen bei der Abwicklung herabgesetzt werden können sowie die Leistungen voll dem Inflationsrisiko unterliegen. Die Garantien sind deswegen nichts wert, weswegen andere Länder inzwischen eine Pflicht zum Aktiensparen haben. Bei einem ETF-Sparplan stehen echte Werte im Depot.

  • Die „echten“ Werte in einem ETF können nicht pleite gehen???? Bestes Beispiel Wirecard im DAX!!! Achtja, gibt es im Depot keine Inflation zu berücksichtigen?? Zum Aktiensparen gibt es Fondspolicen. Am besten ist eine gesunde Mischung der Geldanlagen, z.B. Bausparen Rentenversicherungen , Riester, Rürup, Depots bis hin zu Gold usw.

  • Nur ein weiterer Baustein. Ein Rürup-Vertrag aus der Zeit als Selbstständiger. Da fließen 50 Euro im Monat hin. Der Partner sucht einen Job, findet aber nix (kaum Berufserfahrung und Alter >50). Noch knapp 10 Jahre bis zur Rente. bAV lohnt nicht, da ich zu viel verdiene.

    Für die unmittelbare Förderberechtigung muss Rentenversicherungspflicht bestehen (das ist der einfachste Weg), theoretisch reicht sogar nur ein Tag. Aber dazu muss natürlich auch erst ein Job her, ansonsten bleibt es eine Theorie.


    Die Versicherungskonten sind komplett geklärt? (Schule/Studium, Lehre, Ausland, Kinder, usw. alles erfasst?)

  • Die „echten“ Werte in einem ETF können nicht pleite gehen???? Bestes Beispiel Wirecard im DAX!!!

    Der ETF geht nicht pleite, da das Risiko gestreut ist. Versicherungen sind Einzelrisiken. Wenn ich die Solvenzprobleme sehe ist es nur eine Frage der Zeit bis wir hier weitere Abwicklungen sehen.

    Achtja, gibt es im Depot keine Inflation zu berücksichtigen??

    Nein, da die Unternehmen Preissetzungsmacht haben und insofern einen Inflationsausgleich bieten. Aufgrund der Anlagestruktur des Sicherungsvermögens kann da eine Versicherung nicht mithalten.

    Zum Aktiensparen gibt es Fondspolicen.

    Wobei hier dann erhöhte Kosten auftreten.

    Am besten ist eine gesunde Mischung der Geldanlagen, z.B. Bausparen Rentenversicherungen , Riester, Rürup, Depots bis hin zu Gold usw.

    Mischung ja, wobei alles im Versicherungsmantel auch schon früher nicht so toll war.


    Um in die versöhnliche Kurve einzuschwenken:

    Unabhängig von meinen lästerhaften Worten werden zur Risikoabdeckung Versicherungen benötigt.

    Eine alleinige Aufstellung auf ETF wird weder von Finanztip noch von Finanztest propagiert, sondern es werden jeweils Mischportfolios empfohlen. Dieser Aspekt kommt in den Diskussionen hier regelmäßig zu kurz.

    Auch Finanztip empfiehlt unter bestimmten Umständen Riester-Produkte, nur eben nicht pauschal.


    Kleine Beitrag zur persönlichen Betroffenheit:

    Ich bekomme dieses Jahr eine"alte" Lebensversicherung ausgezahlt, d.h. eine aus Zeiten als es noch Zinsen gab. Rendite ja nach Rechnung < 3%.

    Gestern kam auch die Androhung der Auszahlung der Riester-Fondsrente. Rendite bezogen auf die eigenen Einzahlungen inkl. Steuervorteil 3,46%.

    Selbstverständlich darf man das nicht mit einem heutigen Portfolio vergleichen. Ein einfaches DAX-Investment brachte über 27 Jahre 6,5% Rendite, gemanagte deutsche Aktienfonds etwas besser, gemanagte deutsche ausgewogene Mischfonds trotzdem besser als die Vertragskonstrukte.

  • Hallo de30 ,

    Du legst versteuertes Geld in ETFs an, das ist gut und richtig. Aber aus der Geldanlage erwartest Du ja auch wieder Erträge. Diese Erträge sind, sofern sie hoch genug sind, auch wieder steuerpflichtig. Diese Steuerpflicht wird sich von Jahr zu Jahr aufaddieren und wenn Du später mal verkaufen möchtest, wirst Du eine hohe Steuer zahlen müssen. Das Finanzamt wird Dich diesbezüglich also nicht in Ruhe lassen.

    Mit dem Freistellungsauftrag kannst Du aber jedes Jahr einen Teil der zu erwartenden hohen Steuern vermindern ! Wenn Dein ETF ausschüttend ist, wird Dir Deine Bank die Ausschüttungen mit Freistellungsauftrag steuerfrei auszahlen. Wenn Dein ETF aber thesaurierend ist, kannst Du jedes Jahr so viel ETF-Anteile verkaufen, dass Dein Freibetrag möglichst voll ausgenutzt wird. Das Geld aus dem Verkauf solltest Du aber umgehend wieder investieren.

    Ich hoffe Du hast erkannt, warum ein Freistellungsantrag sinnvoll ist.

    Gruß


    Altsachse