Erbe für Sondertilgung auf dem Sparkonto vorhalten?

  • Hallo liebe Community,


    ich habe vor kurzem ca. 70.000€ geerbt.

    Das Geld liegt aktuell auf meinem Sparkonto - natürlich quasi zinslos.

    Meine Partnerin und ich sind stolze Besitzer eines kleinen Eigenheims und haben die Möglichkeit im Jahr ca. 12.000€ als Sondertilgung zu leisten. Wenn wir das jedes Jahr machen würden wäre der Kredit in ca. 6 Jahren getilgt.


    Was mache ich jetzt mit dem Erbe?

    Lasse ich das zur Sicherheit auf dem Sparkonto und zahle jährlich meine Sondertilgungen oder packe ich das Geld auf mein Depot (70% MSCI World, 30% MSCI EM)?


    Viele Grüße und vielen Dank für eure Hinweise und Meinungen

    derNeue

  • Hallo Neuer,

    wie hoch ist denn der Zins für das Immobiliendarlehen? Je höher dieser ist, desto sinnvoller ist mMn eine schnelle Tilgung. Je niedriger er ist, umso langsamer kann man das Darlehen tilgen und das Geld eher für sich arbeiten lassen.

    Ich hatte mal einen Kredit mit 1% Zinsen, und hatte Vermögen, mit dem ich den Kredit hätte tilgen können. Da war das Geld aber auf einem Festgeldkonto mit damals 1,5% besser aufgehoben.

    Grüße

  • Bei uns sind es ca. 1.5% Zinsen.

    Ich vermute wenn man rechnet dann wird sich normalerweise das tilgen nicht lohnen.

    Aber hier spielt die emotionale Komponente eine große Rolle. Ich freue mich einfach schon darauf Schuldenfrei zu sein. Also Sondertilgen würde ich vermutlich in jedem Fall.

  • Ja, ich kenne das, der Reiz schuldenfrei zu sein. Aber nüchtern durchgerechnet ist es eben oft sinnvoller, das Darlehen bei einem niedrigen Zins ganz langsam mit seinen laufenden Einnahmen zu tilgen, und den Betrag auf dem Sparkonto lieber in etwas sicheres höher Verzinstes zu stecken (wenn sich das finden lässt).


    Oder aber, wenn Ihr das Geld die nächsten 10-15 Jahre nicht braucht z. B. in ETFs auf den MSCI World zu stecken. Das ist zwar natürlich nicht 100%ig sicher, in Anbetracht der Vergangenheit sollte da aber in 10-15 Jahren mehr als 1,5% jährlich rumkommen.

    Im Endeffekt stehst Du mMn am Ende so besser da.


    Aber, wie gesagt, ich kann auch das „Bauchgefühl“ nachvollziehen, endlich nicht mehr monatlich den Kredit bedienen zu müssen.... 😉

  • Ich vermute höher verzinstes Festgeld ist im Moment auch nicht zu finden.

    Deshalb habe ich dann wohl folgende Optionen:

    - Better safe than sorry: Geld bleibt auf dem Tagesgeldkonto

    - The long run: Geld in MSCI World/EM und Kredit nur genau bis zum Auslaufen der Zinsbindung abbezahlen

    - No risk, no fun: Geld in MSCI World/EM und jährlich die Sondertilgung entnehmen

  • Hallo derNeue,


    ich möchte nochmal auf dein Bauchgefühl eingehen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Nach meiner Insolvenz, habe ich zum teil Rechnungen bezahlt, bevor sie überhaupt gestellt waren. Das war wirklich ein sehr gutes Gefühl. Nüchtern betrachtet und mit etwas Abstand bewerte ich das allerdings heute anders. Sagen wir mal so, besonders schlau war das nicht.


    Gruß TradeAttack

  • Die Immobilie ist ja bereits die Investition.


    Wäre folgendes Vorgehen nicht auch möglich, zumindest mal durchzudenken? Da derNeue gerne schuldenfrei wäre und neben den paar Prozenten Unterschied zwischen Kredit und Anlage nicht viel bei raus kommt, könnte das Geld auch in Festgeld gesteckt werden.

    Im ersten Jahr 58.000€ (die Tilgung für dieses Jahr ist schon weg).

    Im zweiten Jahr dann 46.000€ erneut anlegen und mit dem Rest wieder tilgen.


    So bleibt ihr einigermaßen flexibel, bekommt wenigsten 1% Zinsen für das Geld und geht kein Risiko mit den ETFs ein.


    Und wenn ihr dann schuldenfrei seid, steckt ihr eure Raten in ETFs. Muss dann geschaut werden wenn es soweit ist. Den letzten Euro rauszukitzeln bringt es vielleicht nicht, wenn deswegen schlechter geschlafen wird. Mit dem kleinen Verlust gegenüber dem rauskitzeln des letzten Euros erkauft ihr euch eben Seelenruhe.


    Korrigiert mich, wenn Ich etwas komplett übersehe. Ich denke, das könnte eine Vorgehensweise sein für jemanden, der etwas vorsichtiger unterwegs ist.

  • Bevor du die Entscheidung fällst solltest du dir auch von der Bank die Vorfälligkeitsentschädigung durchrechnen lassen.


    Die Empfehlung hier ist ja, dass man immer erst die Schulden tilgen sollte.


    Mit dem ETF wäre ich ganz vorsichtig keiner kann dir sagen wo der Kurs in 6 Jahren ist und wenn du dann Anschlussfinanzieren musst oder die zukünftigen Entwicklungen nicht der allgemeinen Erwartungen entsprechen hast du dich verzockt und zahlst mehr.


    Die Rückzahlung des Kredites sind sichere 1,5% und um die würde man sich heute reißen :)

  • Hallo.


    Ist die Möglichkeit zur Sondertilgung denn bisher schon genutzt worden?


    Wenn ja, dann hatte die Sondertilgung bisher eine höhere Priorität als der ETF-Sparplan. Wenn nein, dann genau anders herum.


    Dieses Prinzip sollte sich durch zusätzliches Geld, gleich aus welcher Quelle eigentlich nicht ändern.


    Wenn die Sondertilgungen bisher auch schon stattgefunden haben, sind sie bisher wohl aus laufendem Einkommen finanziert worden. Diese Vorgehensweise könnte man einfach fortführen. (Zusätzliches Geld geht in die ETFs.)


    Wenn die Sondertilgungen bisher nicht stattgefunden haben, dann war der Sparplan wohl wichtiger und sollte es wohl bleiben. (Zusätzliches Geld geht in die ETFs.)


    Soweit die reine Lehre. ;)

  • Vielen Dank euch allen für die angeregte Diskussion.

    Ich vermute eine perfekte Antwort gibt es nicht.


    falli Das Thema Anschlussfinanzierung ist für uns schon durch. Wir können den Kredit schon jetzt innerhalb der Zinsbindung tilgen. Für die sofortige Ablösung reicht das Geld aber noch nicht und die 10 Jahre sind auch noch nicht rum.


    Referat Janders bisher haben wir immer fleißig sondergetilgt soweit möglich. Teilweise ist das also auch aus verfügbarem Einkommen möglich.

  • Hm, dann legt doch die Sondertilgung (bzw. das Geld dafür) für 2021 und 2022 beiseite und feuert den Rest in die ETFs. Dann hättet ihr bis 2023 Zeit, euch die nächste Sondertilgung vom Munde abzusparen.


    Wenn zum Ende des Kredits der Wunsch nach schnellerer Entschuldung stärker wird, dann könnte man noch immer die ETF-Sparraten zugunsten der Sondertilgung reduzieren. (Ihr habt ja schon vorgelegt.)