Erwartete Inflation > Geldpolitik > Börse

  • Hallo liebe Gemeinde!


    Aktuell wird ja das Thema Inflation in Zusammenhang mit Corona heiß diskutiert. Und ebenfalls aufgrund der erwarteten Inflation eine mögliche Trendwende bei der Geldpolitik der Notenbanken, was wiederum großen negativen Einfluss auf die Börse hätte.


    Wie ist hier eure Meinung/ Strategie dazu?

    Macht es als Langfristanleger Sinn einen TEIL der aktuell gut bewerteten Depotbestände zu gutem Kurs zu verkaufen (Aktienquote zu reduzieren, bevor Kurse fallen)?


    Viele Grüße,


    Das Anlegerlein :)

  • Hallo Anlegerlein , willkommen im Finanztip-Forum.


    In einer reinen Buy-and-hold-Strategie hat Timing keinen Platz. Ausnahme ist eine ggf. lebenszeitbezogene Umschichtung in sicherere Anlage.


    Unabhängig von der reinen Lehre kann man natürlich teilweise aussteigen wenn man eine bestimmte Entwicklung erwartet. Die Inflation haben wir ja schon und zwar für die Vermögenspreise - deswegen sind die Kurse so hoch. Da noch mehr Geld kommt - Stichwort Konjunkturprogramme - könnte es mit den Kursen auch noch eine Zeitlang weiter gehen. Ich würde nicht unbedingt annehmen, dass die Notenbanken den Zinsanstieg zulassen sondern sich dazu etwas neues einfallen lassen z.B. über yield curve control am langen Ende die Zinsen drücken, womit dann die Aktien wieder attraktiver würden.

  • Die Frage ist ob wir Entwicklungen erfolgreich vorhersagen können und ob die Treffer, die wir dabei landen, nicht schon lange in den Preisen drin sind.


    Ich habe z.B. vor Jahren in Erwartung der nun zwangsläufig kommen müssenden Zinswende einen Rentenfonds mit mittleren und langen Laufzeiten verkauft. Es gingen "alle" davon aus, dass die historisch niedrigen Zinsen jetzt wieder steigen "müssen" und entsprechend die Kurse der vorhandenen Anleihen sinken werden. Tatsächlich sind die Zinsen noch weiter gesunken bis unter 0 und der Kurs der alten Anleihen ging durch die Decke.


    Es wird schon spätestens seit der letzten Finanzkrise 2008 davon geredet, dass viel zu viel Geld ("Papiergeld") ins System gekommen sei, dass ja irgendwo hinmüsse und deshalb zwangsläufig eine Inflation biblischen Ausmaßes kommen müsse. Davon war aber nichts zu merken, im Gegenteil. Inflation entsteht nämlich nicht automatisch durch (viel) Geld, sondern erst wenn viel Geld, viel Nachfrage und vergleichsweise geringes Angebot zusammenkommen. So erleben wir gerade eine Inflation bei Immobilienpreisen, aber nicht generell bei Verbraucherpreisen. Außer bei Klopapier, wenn die Leute mal wieder durchdrehen...


    Und außerdem: Wenn die Inflation wirklich kommt, hilft es in Sachwerte investiert zu sein, denn deren nomineller Wert steigt mit der Inflation einfach mit. Aktien sind Anteile an Unternehmen und das sind pure Sachwerte. Damit bieten Aktien den besten Inflationsschutz!


    Also nicht bange machen lassen und investiert bleiben! (Natürlich immer gemäß der eigenen Risikotragfähigkeit und -neigung.)


    Viele Grüße, Guido

  • Wenn die Inflation wirklich kommt, hilft es in Sachwerte investiert zu sein, denn deren nomineller Wert steigt mit der Inflation einfach mit. Aktien sind Anteile an Unternehmen und das sind pure Sachwerte. Damit bieten Aktien den besten Inflationsschutz!

    Kannst Du diese gewagte Annahme bitte mal mit fundierten wirtschaftswissenschaftlichen oder auch wirtschaftshistorischen Argumenten und Fakten unterfüttern oder ist das eher mal so aus der Hüfte heraus aufgeschrieben worden?


    Mich würde mal Deine Sachkenntnis zur selbst aufgstellten Behauptung "Aktien = pure Sachwerte" im Zusamenhang mit Inflation interessieren. Vll wirst Du bei den dann folgenden Ausführungen selbst bemeken, wie sehr Deine Aussage hinkt.


    Vielen Dank!

  • Ich traue Dir zu, selbst eine Suchmaschine mit den Stichworten Aktien - Sachwerte - Inflationsschutz zu füttern. Da findet sich bestimmt auch eine Seite, die Dir ausreichend fundierte wirtschaftswissenschaftliche oder auch wirtschaftshistorische Argumente und Fakten liefert. (Vielleicht noch zur Motivation: Es sind auch welche dabei, die den Zusammenhang verneinen.)


    Alternativ darfst Du auch gerne Deine abweichende Meinung hier äußern und wenn Du es möchtest auch mit ausreichend fundierten wirtschaftswissenschaftlichen oder auch wirtschaftshistorischen Argumenten und Fakten anreichern.

  • Weil Du m. M. nicht imstande bist, Deinen eigenen wilden Behauptung fundiert zu belegen, bleibt Dir ja nur noch so eine sperrige nichtssagende Antwort. Tja, ich würde sagen: fachlich lief das heute im Thread nicht so gut hier für Dich .... .

  • Gerade dass ist ja das spannende an diesem thread, dass es offensichtlich nicht so einfach ist, sich zu diesem Thema eine Meinung zu machen 😁👍!

    Vielleicht folgen ja noch ein paar andere Meinungen/ Sichtweisen, mit oder ohne wirtschaftswissenschaftlichen Begründungen! Schon alleine das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten hilft ja auch schon seine eigene Strategie etwas auszutaxieren 👍!

  • Die Frage ist ob wir Entwicklungen erfolgreich vorhersagen können und ob die Treffer, die wir dabei landen, nicht schon lange in den Preisen drin sind.

    Gerade den Punkt finde ich aber auch interessant! Die Frage ist ja, wieviel % der Anleger haben die (erwartete) Entwicklung schon eingepreist?

    Die jüngste Entwicklung ist ja dass massenhaft Geld in die Stützung gegen die Coronakrise gepumpt wird (Stützungsgelder, Förderkredite, Impfkampagne usw....). Jetzt könnte man behaupten, das haben noch nicht alle Anleger umrissen bzw. bereits ihre Strategie angepasst und im Depot umgesetzt.

    Also die Frage ist:

    1. Gibt es eine aktuelle Entwicklung (Corona) die die Inflationsentwicklung maßgeblich verändern könnte?

    2. Hat diese Veränderung (zusätzlich) Auswirkungen auf die künftige Geldpolitik?

    3. Haben beide Veränderungen Auswirkungen auf die geplante Anlagestrategie der Bevölkerung?

    4. Ist diese veränderte Anlagestrategie bereits eingepreist bzw. zu wieviel Prozent?

  • Ich mache mal einen Versuch:


    Bei einer Inflation haben zumindest die Unternehmen mit Preissetzungsmacht die Möglichkeit weiterhin ihre Margen zu erzielen. Daher würde ich dort einen Inflationsschutz sehen.


    Sofern mit der Inflation eine Zinserhöhung verbunden ist kommen stark verschuldete Unternehmen mit Refinanzierungsbedarf in Probleme. Gleiches gilt für Investoren, speziell wenn sie auf Kredit spekulieren. Bei Zinserhöhung ist zumindest der breite Aktienmarkt überbewertet und wird zurückgehen. Deswegen hat man ja früher Aktienanlagen und Anleihen 50 zu 50 gehalten.


    Es könnte dieses mal aber anders kommen (ja ich kenne das Sprichwort). Sofern die Notenbanken es schaffen die Zinsen am langen Ende niedrig zu halten (Stichwort Kontrolle der Zinsstrukturkurve) muss das nicht so kommen. Aufgrund des Refinanzierungsbedarf der Staaten vermute ich, dass die Notenbanken in dieser Richtung aktiv sein werden.


    Für das Szenario Hyperinflation sehe ich in Aktien einen gewissen Schutz, da die gehaltenen Unternehmen mit ihrem materiellen und immateriellen Vermögen immer noch einen Wert darstellen gegen einen Totalverlust von Geldvermögen.


    Hier ist die Entwicklung des Aktienindex in der deutschen Hyperinflation dargestellt. Ich meine zu erkennen, dass in 1922 die anziehende Inflation erst zu deutlichen Kursverlusten geführt hat und in 1923 der Inflationsschutz wirkte. https://de.wikipedia.org/wiki/…1914_bis_1928_in_Goldmark


    Ich bin ja schon etwas älter. Meine Mutter hat die Inflation 1923 als Kind miterlebt und mir lebhaft davon erzählt. Im Nachlass meines Vaters habe ich die Abrechnung der Umstellung seines Vorkriegs-Sparguthabens im Zuge der Währungsreform auf nahezu Null vorgefunden. Beides motiviert mich eher bei meinen Investments zu bleiben.

  • Anlegerlein

    Ich verstehe die Frage nicht. Die Inflation ist da. Sie war die letzten Jahre schon da in den Vermögenswerte, deswegen sind Aktien und Immobilien so teuer. Jetzt gehen auch die Verbraucherpreise hoch, nicht nur in D wegen der blödsinnigen CO2-Steuer sondern generell z.B. aufgrund gestiegener Rohstoffpreise aufgrund besserer Konjukturerwartung. Die US-Zinsen sind stark gestiegen und kommen in die Nähe der Dividendenrendite. Deswegen geht es an den Börsen im Moment auch nicht weiter, zumindest nicht von den Instis. Die Privatanleger kaufen noch, steht heute auch wieder in der BamS, was ja immer ein gutes Kontrasignal ist.

  • Erste Hälfte ja, habe ich so ausgeführt. War schon da und wird aktuell verstärkt. In USA sind die Schecks z.T. an den Aktienmarkt geflossen, durch die Anlage mit Optionen noch gehebelt. In D ist die Sparquote deutlich gestiegen, diese wird dann wieder abgebaut werden z.B. Urlaub.


    Zweite Hälfte es kommt darauf an.

    Sichteinlagen macht wenig Sinn wegen Nullzins und steigendem negativen Realzins. Festgeld dito. Immobilien ist schon etwas spät mit Kipprisiko (Demographie, Regulierung, Energievorschriften, Einkommensentwicklung, Strukturwandel). Bleiben im Grunde nur die Aktien. Abseits der Finanztip-Empfehlung könnte man wenn man im Moment bei Growth übergewichtet ist an den Ausbau von Value bzw. Qualitiy denken.

  • Gerade den Punkt finde ich aber auch interessant! Die Frage ist ja, wieviel % der Anleger haben die (erwartete) Entwicklung schon eingepreist?

    Eigentlich doch immer jeder. Jeder macht sich Gedanken über seine Anlageentscheidungen.


    Auch nicht zu investieren ist eine Entscheidung. Oder einen Vertrag oder Sparplan einfach weiterlaufen zu lassen. Und wenn er die Entscheidung einem anderen (Berater) überlässt, ist das auch eine Entscheidung. Jeder will eine für sich passende Kombination aus hoher Rendite und geringem Risiko, schaut sich die Daten aus der Vergangenheit an und macht sich Gedanken über die Zukunft.


    In einem effizienten Markt sind die Meinungen von allen Marktteilnehmern jederzeit im Preis enthalten. Und der Finanzmarkt ist sehr effizient. https://de.wikipedia.org/wiki/Markteffizienzhypothese


    Es ist also langfristig wenig aussichtsreich, mit eigenen Überlegungen über den Verlauf der Zukunft den Markt schlagen zu wollen. Glück damit haben kann man natürlich trotzdem! Oder man hat tatsächlich verwertbares Insider-Wissen, das der Rest des Marktes nicht hat (was man dann aber in der Regel nicht nutzen darf).


    Es hat sich gezeigt, dass Anlagen in Aktien über alle Hoch- und Tiefphasen von Konjunktur und Weltgeschehen langfristig eine günstigere Rendite-Risikokombination hatten als andere Anlageklassen. Sie sind eigentlich ein unverzichtbarer Baustein für einen langfristigen Vermögensaufbau. (Eigentlich, weil Anleger in Deutschland über Jahrzehnte gezeigt haben, dass es irgendwie auch weitgehend ohne Aktien geht. Wenn auch insgesamt mit bescheidenen Resultaten.)


    Wenn ich weiß, dass ich Aktien brauche, aber nicht weiß (und nicht wissen kann), welche die besten sind und auch nicht weiß (und nicht wissen kann), welches der richtige Ein- und Ausstiegszeitpunkt ist, dann könnte die Lösung zu sein, den gesamten Markt zu kaufen und damit so früh wie möglich zu beginnen und erst dann wieder zu verkaufen, wenn ich das Geld wirklich brauche.


    Und damit sind wir bei ETF auf weltweite Aktien-Indexe mit Buy-and-Hold-Strategie, so wie es bei Finanztip im redaktionellen Teil empfohlen wird und hier in der Community weitgehend vertreten wird.

  • Generell kann man bei Google alles finden was man möchte.

    Inflation, Deflation, Wachstum, Rezession.


    Ich ignoriere diese Punkte komplett.

    Meistens will nur irgendjemand irgendetwas schreiben/sagen.



    Was ich aber schon beobachte ist die Zinsentwicklung.

    Steigende Zinsen führen häufig zu fallenden Kursen.


    Meine Erfahrung ist aber, dass es erst 6-12 Monate später zu echten Bewegungen kommt.




    Und am Ende muss wieder jeder für sich entscheiden:

    Ist man wirklich erfolgreicher als mit Buy and Hold?