Beiträge von ver

    Den Artikel finde ich sehr gut, allerdings sind meine Erfahrungen anders. Die Lösungen, welche vorgestellt werden, handeln von Firmen, die wirklich über Führungs- und Leitungspersonal verfügen. Der Geschäftsführer per se erteilt meiner Erfahrung nach nicht die Arbeitsaufträge und man geht in der Regel nicht zu ihm hin und fragt, ob man Überstunden machen soll, weil diverse Aufträge noch offen sind. Rein organisatorisch würde das in einem Drama enden. Das geschieht häufig im eigenen Ermessen des Arbeitnehmers, einfach, weil zu viel auf dem Tisch liegt und sich die Arbeit häuft. Oder eben durch fachliche Abteilungsleiter, deren Ziel es in der Regel ist die Dinge fertig zu bekommen - koste es, was es wolle. Ich habe es sehr oft miterlebt, dass Mitarbeitern, die pünktlich gehen wollten oder nicht zu viele Überstunden machen wollten, mit einem Achselzucken begegnet wurde. Ich habe auch schon persönlich von 07:00 bis 22:00 Uhr in einem Unternehmen verbracht, davon die letzten beiden Stunden auf den Chef gewartet, weil er gerade in einem Meeting war und um 20:00 Uhr meinte, er sagt mir, wann ich nach Hause gehen darf. Diese Überstunden und viele andere habe ich weder absetzen noch in irgendeiner anderen Form geltend machen können. Einem Arbeitgeber stehen zu viele Möglichkeiten offen seine "Rechte" durchzusetzen, nichtzuletzt durch Mobbing. Es wird ja auch nicht überprüft. Natürlich könnte man als Arbeitnehmer versuchen rechtlich dagegen vorzugehen, jedoch muss man aus Sicht des Arbeitnehmers auch die Relation von Nutzen und Aufwand sehen. Nichtzuletzt besteht seitens des Arbeitnehmers eine größere Abhängigkeit - die Existenz steht auf dem Spiel, wenn es um den Job geht. Man sollte, denke ich, gerade diesbezüglich nicht immer aus Sicht von top Jobs bewerten, wie Ingenieure o. ä. Bei Assistenten, Reinigungskräfte und ähnlichen Jobs zieht der Arbeitnehmer häufiger den Kürzeren, einfach weil er schnell ersetzbar ist. Überstunden werden hier häufig als ein Zeichen von Motivation gewertet.