Beiträge von Scalable Capital

    Ich sehe das Value at risk Modell von Scalable eher kritisch. Wenn das Risikobudget in einem Jahr aufgebraucht ist, kann es passieren, dass man bei steigenden Märkten an der Seitenlinie steht. Wie seht ihr das?

    Guten Tag,


    bei Scalable Capital nutzen wir keinen auf Risikobudgets basierenden Ansatz. Die Methode, auf die Sie vermutlich anspielen, nennt sich ‘Constant Proportion Portfolio Insurance’ (CPPI).


    Vereinfacht dargestellt wird beim CPPI-Ansatz ein Risikobudget (z.B. 20% des Startkapitals) definiert, welches laufend überwacht wird. Wenn dieses durch Kursverluste “aufgebraucht” ist, wird von risikoreichen Anlagen (z.B. Aktien) in risikoärmere (z.B. Anleihen) umgeschichtet.
    Aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds ist zu erwarten, dass das Risikobudget wegen der hohen Anleihepreise vergleichsweise gering ausfällt und die Partizipation an steigenden Aktienmärkten dadurch zusätzlich eingeschränkt ist. Wie Sie richtig beschrieben haben, befände man sich mit einem solchen Ansatz in diesem Falle für den Rest der Zeit “an der Seitenlinie”, sollten die Kurse in der Folge wieder steigen. Man ist quasi in eine Sackgasse gelaufen.


    Im Unterschied dazu führt unser System laufend Prognosen durch, basierend auf statistischen Simulationen, und steuert das Risiko somit vorausschauend und nicht wie CPPI zurückschauend. Vereinfacht könnte man sagen, dass CPPI das Risiko erst begrenzt, wenn es bereits eingetreten ist (ähnlich einer Stop-Loss-Strategie), wohingegen unsere Methode das Risiko a priori analysiert und in Schach hält, also bevor es sich im Portfolio materialisiert.
    Das soll nicht heißen, dass wir Verluste gänzlich vermeiden können - ohne kostspielige Kapitalgarantien geht das nicht - aber wir warten nicht darauf, dass das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist.


    Es ist wichtig sich vor Augen zu halten, wie unser Modell im Kern funktioniert. Es maßt sich nicht an, konkrete Ereignisse zu prognostizieren, sondern achtet einzig auf die sich im Markt auf- oder abbauenden Risikodynamiken. Das Modell konnte also beispielsweise nicht den Wahlausgang des Brexit-Referendums oder der US-Präsidentschaftswahl vorhersehen. Es weiß im Grunde von diesen Ereignissen gar nichts (und das ist gut so, denn ansonsten müsste man sich eine persönliche Interpretation des Wahlausgangs erlauben - und in beiden Fällen lag die mehrheitliche Erwartung falsch).


    Eine Umschichtung, weil eine Verletzung Ihrer Risikovorgabe droht, kann zwar ebenfalls dazu führen, dass Ihr Portfolio in Zeiten extrem unruhiger Finanzmärkte zu einem hohen Anteil in Staats- und Unternehmensanleihen investiert ist. Sobald sich das Risiko-Rendite-Profil anderer Anlageklassen, wie z.B. Aktien, aber wieder verbessert, wird auch wieder in diese Anlageklassen umgeschichtet - ohne, dass Sie in Anleihen “festsitzen”.


    Diese Art des dynamischen Risikomanagement basierend auf dem Value-at-Risk (VaR) wird bereits seit vielen Jahren von Versicherungen und Banken erfolgreich eingesetzt, war aber bisher nur großen institutionellen Investoren oder sehr vermögenden Privatkunden zugänglich. Unser Ziel ist es klassischen Privatinvestoren durch unseren Service eine professionelle, intelligente und zugleich kosteneffiziente Vermögensverwaltung zu bieten.



    Erlauben Sie uns abschließend noch eine Stellungnahme zur Insolvenz von Cashboard. Zwar werden beide Unternehmen unter dem Dachbegriff “Robo-Advisor” zusammengefasst, die Geschäftsmodelle von Cashboard und Scalable Capital sind jedoch von Grund auf verschieden: Wir sind weder Anlageberater noch Vertriebsplattform 2.0, sondern ein von der BaFin regulierter Vermögensverwalter. Daher müssen wir der BaFin auch ständig ein regulatorisches Mindestkapital vorweisen. Die Wertpapiere unserer Kunden liegen als Sondervermögen bei der Baader Bank AG.



    Wir hoffen, dass Ihnen diese Erläuterungen weiterhelfen und stehen Ihnen bei Rückfragen gerne zur Verfügung.


    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Scalable Capital-Team