Beiträge von tobiasweiss

    Na da fühl ich mich ja bestätigt, dass ich das für mich auch als lukrativ einschätzte. Dauert allerdings noch eine Weile. Bis dahin hatte ich gehofft, dass dann die Rente nach 45 Beitragsjahren mit vorzeitigem Bezug kombinierbar wäre. Aber wenn sie jetzt nachrechnen, geht das wohl contra meine individuelle Selbstoptimierung und pro Solidargemeinschaft. Hoffentlich.

    Oh Mist, die Entreicherung! Ja, die wäre wohl sogar einen eigenen Thread wert. Einfach alles verjubeln und das steigende Bürgergeld plus Miete usw. zu kassieren, klingt manchmal reizvoll, wenn der Schreibtisch überquillt und das Telefon nicht ruht. Endlich in Ruhe im Sonnenaufgang meditieren und Körper und Geist zur Harmonie führen...


    Kurzzeitig gebe ich mich also geschlagen und stimme Deiner Verrentung über die GRV zu. Immerhin hat dann die Solidargemeinschaft ggf. auch noch was davon. Und wer partout das Depot mit 67 verjubeln will, kann das ja mit seinem frei angespartem Geld tun. Das wäre auch konform zum Gründungsauftrag der Riester-Verträge, dass sie "nur" die Rentenlücke decken sollten, die 2002 erzeugt wurde.

    Prinzipiell bin ich dabei. Darf ich mir aus Deinem Produkt auch selbst eine flexible Depotrente auszahlen? Gerne mit nachgelagerter Besteuerung, wenn ich die Einzahlungen absetzen konnte. Aber die Verrentung über die GRV sollte nur optional sein. Nicht jeder spekuliert auf langes Leben oder hinterlässt Witwen. Und eine Entschuldung sollte bei Renteneintritt auch eher die Ausnahme sein.

    Genau genommen ist das oben verlinkte Factsheet nicht verbindlich. Es schreibt sogar: "This is a marketing information".


    Verbindlich sind die gesetzliche vorgeschriebenen Basisinformationsblätter (bis Ende 2022 noch "Wesentliche Anlagerinformationen"9. Im Gegensatz zum Factsheet ist das kein Werbeblatt.


    Für Fonds und ETF ist z.B. fondsweb.com eine gute Quelle:

    https://documents.fww.info/fwwdok_Jtn7Xw7qFP.pdf


    Aber inhaltlich stimme ich flip voll zu. :thumbup:

    Nicht ganz uneigennützig möchte ich anmerken, dass das schon ein schöner Fall für eine Honorarberatung ist. :-)


    Grundsätzlich stimme ich meinen Vorrednern zu. Das Gute an einer Beratung ist ja nicht, dass man damit die Zukunft präzise kennt. Aber einen Überblick über mögliche Szenarien und verschiedene Strategien bekommt man damit. Und eine zweite unabhängige Meinung.


    Bei der Entnahme kommt es wie beim Aufbau auf Vieles an. Das Risikoprofil spielt weiter eine Rolle: Soll es eine recht sichere aber eher niedrige Rendite sein? Oder lieber eine wahrscheinlich höhere? Oder vielleicht eine sehr hohe?


    Wie sieht die restliche Vermögensstruktur aus? Wie hoch sind die sehr sicheren Einkommenströme? Wie hoch die regulären Ausgaben? Welche höheren Einmalbelastungen könnten kommen? Sind steuerfreie Altfonds im Spiel? Wie viele Jahre soll es sicher reichen? Von welcher Inflation geht man aus? Was soll wann vererbt oder verschenkt werden?


    Ich will's aber auch nicht zu kompliziert scheinen lassen: Am Ende besteht der Entnahmeplan wohl aus dem Wertpapier-Depot, einem sicheren Baustein wie Tages- und Festgeld und einer möglichst einfachen Regel, wann was verkauft wird. Das kann man z.B. so steuern, dass der Anteil der Wertpapiere am Gesamtdepot immer ähnlich hoch bleibt. Das führt dazu, dass man bei sinkenden Kursen eher keine Wertpapiere verkauft. Und wenn Wertpapiere verkauft werden, dann möglichst die, die demnächst fallen (ha ha). Ohne Glaskugel könnte eine Alternative sein, immer die Gewinner der jüngeren Vergangenheit zu verkaufen.

    Seit dem 01.01.2023 greift eine neue EU-Verordnung. Nun müssen auch Fonds und ETF "Basisinformationsblätter" (PRIIP-KIDs) zur Verfügung stellen, wie bisher z.B. schon Versicherungsprodukte. Damit werden die bisherigen "Wesentlichen Anlegerinformationen" praktisch abgeschafft.


    Leider haben einige Gesellschaften den Termin nicht gehalten, weshalb es auch bei ganz "harmlosen" Wertpapieren zu Handelsproblemen nach dem Jahreswechsel kam. Ich habe z.B. mal bei Amundi angerufen und direkt nachgefragt. Die freundliche Dame am anderen Ende gab freimütig zu, dass der Termin nicht optimal vorbereitet war. Gemeinsam fanden wir dann heraus, dass beim konkreten Papier zwar ein neues Basisinformationsblatt verfügbar war, allerdings nur in englischer Sprache. Das scheint nicht genügt zu haben, und die Fachabteilung wurde darauf hingewiesen.


    Beim $URA (A143H1) schreiben z.B. manche Broker "Dieser Fonds hat keine Vertriebszulassung in Deutschland und kann daher nicht gekauft werden.". Bei Tradegate und in München wurden die letzten Tage trotzdem Stücke gehandelt. Die Stückzahlen klingen aber nicht nach professionellen Anlegern. Manche Broker scheinen sich also nicht an fehlenden Unterlagen zu stören.

    Dann fasse ich das mal subjektiv so zusammen:

    - 401(k) wäre weiterhin ein gutes Vorbild für Deutschland

    - die GRV sollte durch eine Aktienrente in deutlich höherem Umfang ergänzt werden

    - Riester-Alterverträge sind kaum zu retten, der Staat könnte die Beitragsgarantie "maßnahmenfrei" übernehmen (d.h. das Risiko tragen die künftigen Steuerzahler)

    - Riester-Verträge sollten aber generell nicht mehr von Versicherungskonzernen angeboten werden, weil diese nur hohe Kosten verursachen und Versicherung und Geldanlage nichts miteinander zu tun haben

    - neutrale Beratung gibt's nur auf Honorarbasis ohne Provisionsinteressen (bei niedrigem Vermögen könnte der Staat Beratungsgutscheine vergeben, was deutlich weniger kosten würde, als später die Altersarmut ganzer Generationen zu zahlen)

    Bitte bitte bitte schafft die Beitragsgarantie beim Riester ab. Nicht nur auf 90% absenken, was immerhin ein Schritt wäre, den man später ausbauen kann. Aber um das Kind aus dem Brunnen zu holen, braucht es jetzt klare Entscheidungen.


    Was meint Ihr, wie könnte man das realistisch umsetzen? Verzicht auf Garantie nur nach Beratung? Dann dürfte diese nicht von Produktverkäufern durchgeführt werden, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Dabei entstünden wohl wieder nur mehrseitige Risikoblätter, die die Kunden am Ende blind unterschreiben.

    ich habe dazu keine der Stellen kontaktiert. Der Verkauf der Fonds 2020 widersprach zwar der vorherigen Werbung. Aber im Vertrag, den ich unterschrieben hatte, stand, dass sie die Anlagestrategie nach eigenem Ermessen ändern durften. Das Problem sind die staatlichen Vorgaben zur Beitragsgarantie und Mindesthöhe "sicherer" Rücklagen.

    Das denke ich mir auch immer: Das Geld aus dem vorzeitigen Rentenbezug kann man ja sogar gewinnbringend anlegen :-)


    Bei mir wäre die aktuelle Regelung wirklich absurd, wenn ich das richtig verstanden habe: Ich könnte mit 65 vorzeitig ohne Abzug 3.000 EUR Rente beziehen, da ich 45 Beitragsjahre voll hätte. Und zeitgleich voll weiterverdienen. Das entspricht nur nicht meinen persönlichen Plänen: Eigentlich will ich unabhängig von der GRV in den Ruhestand gehen und die gesetzliche Rente nur als unsicheres Zubrot nehmen...

    Wir driften zwar etwas ab, aber dieser langfristige Riesterfrust muss ja irgendwo raus...


    Ich möchte noch einen Aspekt in die Debatte werfen: Bei der sagenhaften Rendite des Hausmannes mit 60 EUR jährlicher Minimaleinzahlung wird vergessen, dass er nur "mittelbar förderberechtigt" ist. Damit sein Vertrag Gutschriften bekommt, muss seine alleinverdienende und "unmittelbar förderberechtigte" Gattin ebenfalls einen Vertrag abschließen über 4% des Vorjahresbrutto. Und wenn ihr Gehalt recht hoch ist, zahlen die beiden 2.100 EUR inkl. Zulagen ein, die dann insgesamt wieder eine schlechte Rendite abwerfen. Die lokale Optimierung des Nicht-Verdieners bringt den beiden nix.

    Hallo Papakurt, ohne Deine restliche finanzielle Situation zu kennen, können wir keine konkrete Empfehlung abgeben. Grundsätzlich sind diese langlaufenden Anleihen halt hochspekulativ. Das liegt am Zinsänderungsrisiko, wie Du 2022 schmerzlich gemerkt hast. Schau Dir mal den historischen Verlauf Deines Papiers an:

    https://www.fondsweb.com/de/ve…LU0290357846,LU0414505502

    Ich habe zum Vergleich einen weiteren Langläufer angefügt, der mir 2022 die Zornestränen ins gesicht trieb, weil ihn eine große Versicherungsgesellschaft (hust) für ihre Riester-Verträge verwendete und damit binnen Jahresfrist 50% Verlust einfuhr. Ein Skandal in meinen Augen, aber das wollte niemand hören. Als weiterer vergleichsfonds ist ein typischer aktiver Rentenfonds dabei, der sich als Sicherheitsbaustein eignen würde, aber 2022 auch nicht vor Verlusten schützte.


    Wegen des Zinsänderungsrisikos empfehle ich seit vielen Jahren keine Rentenfonds mehr, da sie wenig Chancen bei hohem Risiko lieferten. Aus heutiger Sicht könnte man zocken und auf einen Wiederanstieg der Langläufer wetten. Das ist aber kein Automatismus. Dazu dürfen die Zinsen nicht einfach wie erwartet fallen. Sie müssten stärker fallen als erwartet. Wie gesagt, darauf kann man spekulieren. Mir selbst sind in diesem Szenario aber langfristig Aktien lieber. Und kurzfristig bevorzuge ich auch Festgeld, wenn man einen Sicherheitsbaustein möchte.

    Das Problem bei den Renten-ETF ist, dass man als Anleger nicht bis zur Fälligkeit der einzelnen Anleihen warten kann. Die werden innerhalb des ETF laufend ersetzt. Die objektive Steuerung eines ETF passt m.E. nicht gut bei Anleihen. Hier schneiden aktive Fonds regelmäßig besser ab, weil sie offensichtliche Bewegungen der Zukunft berücksichtigen können.

    Wie ist eigentlich Eure Meinung zu diesem Artikel, nach dem 2022 nur 40 Menschen eine Rente von über 3.000 EUR bekamen?


    https://www.finanztip.de/blog/…nd-mehr-als-3-000e-rente/


    Wurde dort mit dem aktuellen Rentenpunkt-Wert von 36,02 (West) gerechnet? Wenn ich das mit 45 Jahren und 2 Punkten pro Jahr multipliziere, komme ich auf 3.242 EUR. In den letzten Jahren bekam man an der Beitragsbemessungsgrenze etwas mehr als 2 Punkte pro Jahr. War das früher mal deutlich unter 2 Punkten? Oder wieso kommt der Artikel "nur" auf 2.962 EUR?

    Okay, zur Hälfte lasse ich das Argument gelten. Aber nur zur Hälfte, weil meine RV-Beiträge zwar für heutige Renten verwendet werden, was eine konkrete Leistung ist, aber halt nicht für mich. Und für irgendeine heutige konkrete Leistung wird die Tabaksteuer auch verwendet. Und sei es nur für eine Studie, die das Energiesparpotenzial ermittelt, wenn die Abwärme der Zigaretten nicht mehr das Klima unnütz aufheizt, sondern gezielt aufgefangen wird, um damit Akkus von Händis aufzuladen, mit denen der medizinische Notruf beim Verschlucken der Stummel angerufen wird.

    Wäre ja auch zu konsequent, die kalte Progression nicht nur durch Anpassung der Steuerparameter zu bekämpfen, sondern auch die Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherungen einzufrieren. Aber irgendjemand muss den Sozialstaat ja bezahlen, also beschwere ich mich gar nicht.