Beiträge von Achim Weiss

    Ich bin etwas verwundert darüber, wie rauh der Umgangston in diesem Forum geworden ist.


    Man sollte nicht streiten über Dinge, die man nachschlagen kann.


    Im Rahmen der ärztlichen Gebührenordnung kann der Arzt für "persönliche ärztliche Leistungen" zwischen dem 1fachen und dem 3,5fachen Satz (Höchstsatz) berechnen. Der sog. "Schwellenwert" beträgt 2,3. Mehr als der 3,5fache Satz geht auch (Ölscheich ...), erfordert dann aber eine individuelle Honorarvereinbarung. Das kommt eher selten vor, zumal die übliche PKV nicht über dem 3.5fachen Satz erstattet.


    Den Bereich zwischen dem 1fachen und dem 2,3fachen Satz bezeichnet man als "Regelspanne". Will ein Arzt mehr als den 2,3fachen Satz abrechnen, muß er die Rechnungsstellung erläutern. Das kostet Mühe und Diskussion mit Patienten und Krankenkassen, also wird das nur in Ausnahmefällen (oder gezielt) gemacht.


    Für medizinisch-technische Leistungen liegt der Gebührenrahmen tiefer, nämlich zwischen dem 1fachen und dem 2,5fachen Satz, Schwellenwert 1,8fach.


    In der Praxis wird dieser Rahmen nicht etwa analog gehandhabt (alle Zwischenwerte kommen vor), sondern einigermaßen digital: Der Regel-PKV-Patient bekommt eine Rechnung über den 2,3fachen Satz (technische Leistungen 1,8facher Satz), das muß der Arzt nicht extra begründen und es maximiert den Ertrag. Eine Rechnung mit einem Zwischenwert (etwa 2,1fach) habe ich noch nicht gesehen. Bestabrechner suchen sich in der Regel die dickste Position heraus, rechnen die mit 3,5fach ab und begründen sie. Auch das ist ein Kompromiß zwischen bürokratischem Zusatzaufwand und Ertrag. Der Betriebswirt sagt "Yield" dazu.


    Die genannte Bildgebung dürfte vermutlich mit dem 1,8fachen Satz abgerechnet worden sein (Schwellenwert für technische Leistungen).


    Kritiker arbeiten sich regelmäßig am Multiplikator ab und meinen, alles über dem 1fachen Satz sei Beutelschneiderei. Diese Leute sollten mal in ihrem lokalen Rathaus nach der Gewerbesteuer fragen. Man wird ihnen sagen, daß diese Steuer in ihrer Gemeinde z.B. mit dem 4,95fachen Satz berechnet wird (Genauer: Der Gemeindemensch wird sagen, daß die Gemeinde bei der Gewerbesteuer einen "Hebesatz" von 495% anwende).


    Die Abrechnung ärzlicher Leistungen von GKV-Patienten läßt sich mit der Abbrechnung ärztlicher Leistungen für PKV-Patienten überhaupt nicht vergleichen, die funktioniert völlig anders. Noch einigermaßen analog werden PKV- und GKV-Patienten bei den Zahnärzten abgerechnet. Cum grano salis kann man sagen, daß der GKV-Satz für zahnärztliche Leistungen etwa dem 1,7fachen GOZ-Satz entspricht. Die Anpassung an die Inflation bei GKV-Abrechnungen funktioniert auch in der GKV über einen Multiplikator, der in diesem Fall aber "Punktwert" heißt und alle Jahre bis in die 5. Dezimale verhandelt wird.


    Die PKV bietet verschiedene Sozialtarife an. In deren Rahmen wird zwar auch nach der Gebührenordnung für Ärzte/Zahnärzte GOÄ/GOZ abgerechnet, aber die Erstattung ist auf den 1,7fachen (für ärztliche Leistungen) bzw. 1,3fachen Satz (für technische Leistungen) beschränkt, also etwa auf das Maß der GKV. Die Versicherungen weisen die so Versicherten extra darauf hin, daß sie den Arzt über die begrenzte Erstattung informieren müssen. Sagen sie nur "Ich bin Privatpatient!", dürften sie eine Rechnung über den 2,3fachen Satz bekommen und zahlen die Differenz vom 1,7fachen Satz dann selbst.


    Ein Zahnarzt verdient an einem durchschnittlichen PKV-Patienten für die grundsätzlich gleiche Leistung also mehr als an einem GKV-Patienten. Aber nicht etwa das 2,3fache, sondern nur das 2,3 durch 1,7, also 1,35fache. Auch nicht schlecht, aber längst unter dem populistisch genannten Wert. An einem PKV-Patienten im Basistarif verdient er etwa das gleiche wie an einem GKV-Patienten.


    Eine Abrechnung auf Basis des Einfachsatzes der GOZ (die von Populisten immer wieder ins Spiel gebracht wird) wäre abwegig. Das wäre etwa 60% des GKV-Honorars. Das macht der Zahnarzt allenfalls bei wenigen Spezialfällen, bei denen eine völlig aus der Zeit gefallene bürokratische Regelung das erzwingt (wenn er nicht einen solchen Patienten gleich weiterüberweist).


    Bei den Ärzten war das Prinzip der Abrechnung früher ähnlich, heute gilt weitgehend das Flatrate-Prinzip: Jeder GKV-Fall bringt dem Arzt einmal pro Quartal eine einheitliche Gebühr, die soll alle Leistungen abdecken, die der Arzt für diesen Patienten in diesem Quartal erbringt, egal wie oft der Patient kommt.


    Bei den Ärzten ist der Vergütungsunterschied zwischen PKV-Patienten und GKV-Patienten deutlich größer als bei Zahnärzten. Ein niedergelassener Arzt verdient an einem durchschnittlichen PKV-Patienten (Einzelleistungsvergütung) erheblich mehr als an einem GKV-Patienten (Fallpauschale einmal im Quartal), wenngleich man hier für einen Einzelfall keinen Faktor nennen kann.


    Genaueres zu GKV-Honoraren steht beispielsweise hier:


    https://www.praktischarzt.de/arzt/hausarzt-gehalt/



    Disclaimer:

    Wir sind hier in Deutschland, und in Deutschland gibt es nichts bürokratisch Einfaches. Das obige skizziert daher nur das Prinzip der Abrechnung ärztlicher Leistungen in der Bundesrepublik. Details würden hier jeden Rahmen sprengen.

    @JD

    >> Das hier kann keine ganzheitliche Finanzberatung werden,

    >> und die bräuchte Dein Vater nach meinem Dafürhalten.


    > Wieso?


    Jeder Vermögenswert und jede Anlage müssen in den Rahmen passen. Wird man gefragt: "Ich habe hier 20.000 Euro herumliegen, was soll ich damit machen?", legt man sinnvollerweise ein Schmunzeln auf und sagt gar nichts. Jede Antwort wäre hier ein Herumstochern im Nebel.


    > Die ganzheitliche Finanzberatung hatte der Gute doch vor zig Jahren genossen.


    Hat er das? Ich habe nicht den Eindruck.


    > .. und seine Ziele hat er doch wohl auch erreicht.


    Hat er das?


    > * Bezahltes Eigenheim (rechtzeitig vor Rentenbeginn abgezahlt).

    > * Vermietete Immobilie.


    Und das war sein Ziel?


    > * Privat abgeschlossene Lebens-/Rentenversicherungen.


    Und die waren sein Ziel?


    > * Ordentliche Barreserve.


    Eine sehr ordentliche oder zu ordentliche, die im besten Fall von der Inflation angenagt wird, im schlechtesten Fall sogar noch Geld kostet.


    > Genau diese Ideale werden doch auch heute noch vermittelt,

    > wenn man sich in der - auch jüngeren - Bevölkerung umhört.


    Echt?


    > Wer [soll] denn, bitteschön, dem Guten eine 'moderne' ganzheitliche Finanzberatung andienen?


    Ich hatte durchaus den Eindruck, daß der Sohn (also unser OP) eine solche im Hinterkopf hatte.


    > Die nötige Betrachtung der sog. Gesamtsituation ist ja bereits angeraten

    > und der TE sollte auch erkannt haben, dass es hier um weit mehr geht,

    > als um die Auswahl eines 'isoliert betrachteten' Anlagevehikels.


    Wenn das so wäre, wäre das in Ordnung.


    >> Ich hätte von dem Tagesgeld (-0,5% "Verwahrentgelt" ...)

    >> längst einen Batzen ETF gekauft


    > Diese Überlegungen bringen ihm aber rein nix, außer vielleicht eine gehörige

    > Portion Frust.


    Das sehe ich nicht so. Der alte Herr hat nach der Statistik noch etwa 20 Jahre vor sich, das ist eine erhebliche Zeit. Auf derart lange Sicht könnte man sich schon Gedanken über Geldanlage machen.


    >> Der [ETF auf den MSCI WORLD] hätte in den unglaublich guten

    >> Börsenjahren 2019 und 2021 jeweils um die 25 bis 30% gewonnen.


    > Das wusste niemand im Voraus. Wer in den MSCI World investiert

    > hatte, der 'spekulierte' auf Durchschnittsrenditen von 7 bis 8%

    > p.a. und dachte daran, das investierte Geld auf lange Sicht

    > nicht anzurühren.


    Jeder, der nächstes Jahr oder in 20 Jahren noch leben möchte, spekuliert darauf, daß es ihm dann auch noch gut geht.


    Jeder, der heiratet, spekuliert auf ein möglichst erfreuliches und langes gemeinsames Leben.


    Jeder, der sich in irgendwelcher Weise Gedanken über die Zukunft macht, spekuliert.



    Einem 45jährigen sagt man gemeinhin: Wenn Du fürs Alter sparen willst (also auf Dein Alter 65 hin), hast Du einen hinreichend langen Anlagehorizont, so daß Du einen zwischenzeitlichen Börsenrückgang verkraften kannst. Der gleicht sich über die Jahre wieder aus.


    Einem 65jährigen sagt man: Jetzt mußt Du ganz auf Sicherheit spielen. Selbst das Geld, das Du in 20 Jahren, also mit 85 verbrauchen willst, darfst Du jetzt keinesfalls mehr riskieren. Leg es am besten auf ein Tagesgeldkonto.


    Finde den Unterschied ...



    Zurück zum OP und seinem Vater: Bei Ertragsquellen unterscheidet man gemeinhin zwischen berechenbaren und nicht berechenbaren. Die gesetzliche Rente beispielsweise ist eine berechenbare Ertragsquelle, die einen festen Sockel zum Lebensunterhalt beiträgt, dito private Rentenversicherungen. Bereits die Mieteinnahme der vermieteten Wohnung und eine kalkulatorische Eigenmiete sind weniger sicher, denn die Fremdmiete könnte auch auf längere Zeit ausfallen und die Immobilien ggf. plötzlich nennenswert Geld erfordern. Andere Einkommensquellen (etwa ETFs) sind noch weniger berechenbar, dafür aber möglicherweise auch unerwartet hoch. Man muß das ganze Bild kennen, um es beurteilen zu können.


    Privatleute sind in aller Regel nicht bereit, ein Gesamtbild zu zeigen, die wollen normalerweise punktuelle Antworten. Finanziell nicht die Hosen herunterzulassen steht jedem zu. Finanzen sind Privatsache. Aber dann kann es halt auch keinen substantiierten Rat geben.

    @LT

    > Wäre es eigentlich möglich, die Beiträge technisch so zu zitieren,

    > wie es hier im Forum vorgesehen ist. Es ist anstrengend Ihre zitierten Texte zu lesen.


    a) Wenn ich denn wüßte, wie das geht, gern. Das funktioniert ja in jedem Forum technisch anders.


    b) Wenn Du meine Texte nicht lesen möchtest, laß es doch einfach bleiben.

    Thebat

    > ... 12 Monate [Spekulationsfrist] waren es damals.


    Der OP hat uns nicht verraten, wann er die Papiere genau verkauft hat, er hat nur von "DM" gesprochen.


    Die Spekulationsfrist für bestimmte Wertpapiergeschäfte wurde am 31.3.1999 rückwirkend für das ganze Jahr 1999 von 6 auf 12 Monaten erhöht.

    @Dr Schlemann

    >> Den springenden Punkt hast Du ja bereits genannt: Du wußtest nicht,
    >> ob die gewählte PKV Dich aufnimmt, somit konntest Du die GKV
    >> sinnvollerweise nicht kündigen.


    > Damals, als Sie in die PKV wechselten, war das vermutlich noch so.


    Stimmt.


    > Inzwischen gilt Versicherungspflicht. Deshalb kann man seine GKV

    > jederzeit bedenkenlos kündigen, weil die Krankenkasse das kündigende

    > Mitglied erst ziehen lassen darf, wenn es bis zum Kündigungstermin

    > eine neue private Krankenversicherung nachweist.


    Das klingt einleuchtend. Das muß man dann allerdings dem Makler ans Hemd hängen. Daran hätte er denken können (müssen?). Egal. Der Fall ist ja im Sinne des OP geklärt.

    Meiner Kenntnis mußt Du eine solche Bescheinigung anfordern, wenn das Konto/Depot aufgelöst wird. Hinterher gibt es meines Wissens keine Möglichkeit mehr.


    Mal anders herum gefragt: Was wolltest Du mit dem Papier? Wenn Du die betreffenden Aktien länger als 6 Monate gehalten hast, wäre ein Verlust nach damaligem Recht steuerlich irrelevant gewesen.

    @ Philharmoniker


    > Ich wurde Mitte Dezember 2021 im Bund verbeamtet.

    > Zuvor hatte ich bereits anonyme Risikovoranfragen über

    > einen Makler bei mehreren PKVs gestellt und mich für

    > ein Unternehmen entschieden.

    > [Das Unternehmen hat mir] die Versicherungsunterlagen

    > mit Versicherungsbeginn zum 1.1.2022 gesendet.


    > Ich habe damit meinen bisherigen gesetzlichen Versicherer

    > kontaktiert, bei dem ich freiwillig versichert bin.


    [Kündigungsfrist]


    > Das hat mich natürlich kalt erwischt, zumal mich weder

    > die PKV noch der Makler über diese gesetzliche

    > Kündigungsfrist informiert hat.


    Shit happens!


    (Mir ist das damals auch so gegangen, als ich von der GKV zur PKV gewechselt bin.)


    > Abgesehen davon, dass ich das für einen Beratungsfehler

    > halte (wenngleich es am Ergebnis nichts geändert hätte,

    > denn ich wusste ja bis vor 10 Tagen noch nicht, ob der

    > Vertrag mit der PKV zustande kommt und hätte infolge dessen

    > auch nicht früher kündigen können) bin ich verägert

    > darüber, dass ich nun für die Monate Januar bis März die

    > volle Prämie zur gesetzlichen KV zahlen muss.


    Du tust ein gutes Werk damit! Du stärkst die gesetzliche Solidargemeinschaft.


    Den springenden Punkt hast Du ja bereits genannt: Du wußtest nicht, ob die gewählte PKV Dich aufnimmt, somit konntest Du die GKV sinnvollerweise nicht kündigen. Klar hätte Dir der Makler das auch sagen können, aber einen Unterschied hätte das nicht gemacht.


    > Die PKV wäre ja um mehr als die Hälfte günstiger gewesen.


    Ein Schnäppchenjäger! Na sowas aber auch!


    > Die PKV hat per Schreiben jedenfalls prompt den

    > Versicherungsbeginn auf 1.4.2022 angepasst.


    > Gibt es einen Weg, früher in die PKV zu wechseln? ...


    | Die Sache hat heute eine unerwartete Wendung genommen.

    | Die GKV hat aufgrund meiner Verbeamtung schriftlich

    | bestätigt, dass meine Mitgliedschaft bereits am Tag

    | vor der Beamtung endete.


    Du hast die Sache ja nun bereits festgezurrt. Im Parallelthread bedauert ein jüngst Verbeamteter den Wechsel zur PKV heftig und möchte gern in den Schoß der Mutter GKV zurück.


    Ich möchte anregen, daß Du den dortigen Thread dennoch liest. PKV ist auch für Beamte ein bißchen Kopfsache.

    JAG


    > Ich bin mal so frei und erzähle kurz die Situation meines

    > Vaters, der die "klassische" Einstellung zum Thema "anlegen" hat

    > (viel zu risikobehaftet...)


    Wenn man anderen Leuten zu einer bestimmten Anlagestrategie rät, kann man sich nur die Finger verbrennen. Laß es von der Tendenz.


    Der Mensch, von dem ich diesbezüglich am meisten profitiert habe, und der mich selbst vor langen Jahren aufs Gleis gesetzt hat, hat mich immer darauf hingewiesen, daß er mir gern etwas erzählt, mir aber niemals raten würde. Ich müsse meinen Weg selber finden. Und so sage ich Dir das jetzt auch.


    > Er ist 63, selbstständig und hat eine private Rentenversicherung

    > (ca 600-700 Euro ab 2023). Der Rest, ca. 300.000 Euro, liegt

    > auf Tagesgeldkonten.


    Dazu würde ich sagen. :-(


    > Er besitzt eine abbezahlte Doppelhaushälfte und eine kleine Wohnung,

    > geschätzter Wert ca. 120.000, Kaltmiete ca. 450 Euro.


    Also: Mieteinnahme 450 monatlich. Davon muß er die Wohnung natürlich auch erhalten, sprich: Ganz netto ist das nicht.


    Selbst wohnt er mietfrei, muß das Haus aber auch erhalten (neue Heizung -> 10 Mille).


    > Ab 2023 würde er gerne seine Kunden langsam abgeben und

    > somit übergangsweise Teilzeit und dann komplett aufhören.


    Hat Dein Vater denn auch einen Rentenanspruch?


    > Jetzt frage ich mich: Ist es sinnvoll, ihm jetzt noch zu

    > einem ETF Sparplan zu raten mit einem Teil des Festgeldkontos

    > oder sollte er einfach mit dem, was er hat schauen, wie lange

    > er noch auskommt?


    Einen Sinn in einem EFT-Sparplan kann ich nicht erkennen. Was willst Du denn hier in Raten aufbauen?


    Ich hätte von dem Tagesgeld (-0,5% "Verwahrentgelt" ...) längst einen Batzen ETF gekauft (der bekannte MSCI World ...). Der hätte in den unglaublich guten Börsenjahren 2019 und 2021 jeweils um die 25 bis 30% gewonnen.


    Für eine Investition an der Börse muß man aber gedanklich bereit sein. So wie Du es schilderst, ist Dein Vater das nicht.


    > Seine mtl. Ausgaben liegen ca. bei 1200 Euro (schätzungsweise,

    > Leasingraten und einige Versicherungen fallen dann weg..)


    Das hier kann keine ganzheitliche Finanzberatung werden, und die bräuchte Dein Vater nach meinem Dafürhalten. Die allererste Voraussetzung dafür aber ist, daß er das selber will.


    :-)

    Dr. Schlemann

    > bei meinem privat abrechnenden Kölner Wirbelsäulenspezialisten ist ein

    > Orthopädenkollege tätig, der gleichzeitig auch Physiotherapeut und

    > Osteopath ist. Somit bekam ich bei einer extrem schmerzhaften

    > Facettengelenksentzündung, die ca. 10 Tage lang nur mit Opioiden

    > halbwegs erträglich war, ohne Wartezeit das volle Programm

    > 1) Sofortiges MRT (ok, hier musste ich 20-30 Minuten warten),

    > um einen Bandscheibenvorfall auszuschließen

    > 2) Spritzen ca. alle 2 Tage,

    > 3) Physiotherapie / Osteopathie ca. alle 2 Tage und

    > 4) PRT (Spritze unter CT).


    War das (im Vergleich teure) MRT wirklich notwendig?


    Hier ist der Orthopäde zu loben, an den ich per Zufall geraten bin.


    Ich hatte schon einige Wochen heftige Rückenschmerzen ohne jede Tendenz zur Besserung. Ich dachte, das ist für meinen Hausarzt eine Nummer zu groß, wozu gibt es Fachärzte? Also habe ich beim Orthopäden angerufen, zu dem eine gute Freundin (GKV) immer geht. Termin in 4 Wochen, auch bei PKV. "Wir sind überlaufen."


    Das kann einem also auch als PKV-Versicherten passieren.


    Also habe ich meinen Hausarzt gefragt, zu welchem Orthopäden er seine Patienten schickt. Dort Termin gleich am Folgetag. Meine Symptome waren so, daß der Orthopäde ein MRT nicht für notwendig hielt (Das man übrigens sicher nicht mit 30 Minuten Wartezeit bekommt!). Ich habe mich in der Folge aber von Bekannten verrückt machen lassen und mir selbst einen MRT-Termin besorgt. Das MRT sicherte die Diagnose Bandscheibenvorfall. Damit bin ich wieder zum Orthopäden gegangen. "Ok, jetzt wissen wir, was dort los ist. Es macht therapeutisch aber keinen Unterschied, deswegen hätte ich von mir aus die Aufnahme nicht veranlaßt."


    Die Beschwerden sind dann auch mit physikalischer Therapie wieder weggegangen (Die insgesamt billiger war als diese eine Hightech-Aufnahme).


    Ein Risiko der PKV-Versicherung ist die Übertherapie. "Die Versicherung zahlt ja ohnehin alles", also wird so möglicherweise so manches am Rande gemacht, was vielleicht zusätzlich wünschenswert (oder möglich oder nicht ganz unsinnig) ist, aber nicht unbedingt notwendig.


    Ein Risiko der GKV-Versicherung ist die Untertherapie. Das Budget ist ausgeschöpft, der Arzt weiß, daß er weitere Maßnahmen ohne Entgelt erbringt, da mag er sich im Zweifel gegen eine zusätzliche Maßnahme entscheiden, die einem nicht unbedingt ins Auge springt.


    Wie man es auch macht, man macht es immer verkehrt :-)


    "Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil." (Friedrich S.)

    @Referat Janders

    > 1. Dass es Alternativen zur Nachversicherung gibt, ist bekannt?


    Ja, das ändert aber nicht so richtig viel. Die Höhe des Altersgeldes richtet sich nach der Beamtenzeit, und wenn zum Ruhestand vielleicht fünf oder zehn Jahre Beamtenstatus auf dem Zettel stehen, dann berechnet sich das Altersgeld nach dieser Zeit. Wenn einer 40 Jahre Beamter ist, ist das ein ganz anderer Schnack.

    > 2. Dass ein Arzt eine Chimäre aus Mediziner und Kaufmann ist, ist unausweichlich

    > und dem hat sich alles unterzuordnen?


    Erfreulicherweise nicht. Jeder Dienstleister ist zwangsläufig eine "Chimäre aus xx und Kaufmann", und das ist auch gut so. Wäre er das nicht, würde seine Firma/Praxis/Kanzlei nicht lang überleben. Mich hat die Webseite Schlemann mit der dortigen Selbstdarstellung angenehm berührt, weil dort steht mit meinen Worten): "Wir verdienen gut mit unserer Firma und sind daher nicht auf jeden Euro angewiesen. Im Zweifelsfall übernehmen wir auch einen Auftrag, bei dem nichts für uns herumkommt." Genau so schreiben es die Kunden immer wieder. Wem es wirtschaftlich gut geht, der hat die Option, ganz bewußt auf einen möglichen Gewinn zu verzichten. Wer strampelt, hat diese Option nicht.


    Mein Orthopäde (siehe Parallelposting) ist offensichtlich aus ähnlichem Holz. Ich habe nach einem halben Jahr nach der Rechnung gefragt, hätte ja sein können, daß der Umschlag irgendwie unter die Werbung gekommen und somit untergegangen wäre. Nein, nein, sagte man mir. Die Rechnung ist noch nicht geschrieben. Wir lassen uns damit immer etwas Zeit. Sympathische Einstellung. Er hat seine Rechnung geschrieben, er hat sein Geld von mir bekommen, schnell wie immer, aber es nimmt mich für den Mann ein, daß er ganz offensichtlich nicht hinter dem Geld her ist.


    > 3. Das SGB definiert auch Rechte des Versicherten.


    Ja, ja, und es gibt in unserem Land einen nennenswerten Unterschied zwischen dem geschriebenen und dem gelebten Recht.

    5551008


    Generell ist es in finanziellen Dingen immer besser, man informiert sich vorher als hinterher. Deine Verbeamtung ist ja nicht vom Himmel gefallen.


    Ein Beamter, der über seine Verbeamtung klagt! Das ist etwas Neues.


    Frag doch einfach Deine alte GKV! Ich bin mir sicher, daß die Dich sehr gern als freiwilliges Mitglied (und Maximalbeitragzahler) wieder aufnimmt. Da ist Dein Mann dann gleich auch mit versichert. Fragt sich halt, ob sich das für Dich lohnt. Wenn Du nicht im Bundesland Hamburg wohnst, zahlst Du den Krankenkassenbeitrag dann komplett aus eigener Tasche (kein Arbeitgeberzuschuß). Hamburg ist Ausnahme, da kannst Du seit wenigen Jahren als Beamter wählen, ob Du lieber einen Krankenkassenzuschuß haben möchtest oder die Beihilfe.


    Natürlich kannst Du Dich auch entbeamten lassen. Ich erinnere mich an einen Bericht in "Spiegel online", in dem ein ehemals verbeamteter Lehrer davon berichtet, mit welchem Engagement er sich entbeamten lassen hat. Soviel nur vorweg: Eine Entbeamtung kostete Dich eine Menge Geld. Du sprichst von Höchstbetrag in der Krankenkasse, also mußt Du im höheren Dienst sein. In dieser Dienstposition verdienst Du als Beamter netto etwa 20% mehr als ein gleichrangiger Angestellter im öffentlichen Dienst. Deutlich größer noch ist der Unterschied bei den Alterseinkünften: Da bekommt ein Beamter bei sonst gleicher Berufsbiographie etwa das Doppelte dessen an Pension, was ein Angestellter als Rente bekommt. Grob überschlagen brachte Dir die Verbeamtung eine halbe Million, die Entbeamtung würde Dich die halbe Million wieder kosten.

    Und Du eierst herum, weil Du nun die PZR über die Beihilfe laufen lassen mußt?


    <Kopfschüttel>


    Natürlich kannst Du jederzeit zum Arzt gehen und die Kosten dafür auch einreichen.


    Wenn Dir Deine Versicherung eine Beitragsrückerstattung nach kostenfreien Jahren in Aussicht stellt, ist es ein schlichtes Rechenexempel, ob Du das tust. Sagt mir meine Versicherung: "Wenn du fürs Jahr 2021 nichts einreichst, kriegst du 1200 Euro zurück", dann nehme ich die Arztrechnung über 430 Euro natürlich auf meine Kappe.



    Ich halte es übrigens für grundsätzlich falsch, daß der Durchschnittsbeamte privatversichert ist, und zwar deswegen, weil zur Privatversicherung eine gewisse Geisteshaltung gehört, die gerade entgegengesetzt zu der Geisteshaltung des Durchschnittsbeamten ist. Für die meisten Beamten wäre eine staatliche Rundumversicherung sinnvoller.


    Der Privatversicherte ist dem Arzt gegenüber Kunde, der den Arzt schonmal fragt, was die vorgeschlagene Maßnahme kostet, und sich dann überlegt, ob er das haben will (und dann zahlt) oder nicht. Das ist aber auch einer, der im Zweifelsfall dem Arzt sagt: "Das überzeugt mich jetzt, das will ich haben, und es ist mir egal, ob die Versicherung das übernimmt oder nicht."


    Der gesetzlich Versicherte hingegen ist kein Kunde, sondern schlichtes Objekt. Der Behandlungsvertrag entsteht in diesem Fall zwischen Arzt und Krankenkasse. Was er bekommt oder nicht bekommt, bestimmt wesentlich die Krankenkasse, aber nicht er selbst. Böse gesagt ist der Krankenkassensachbearbeiter für ihn so etwas wie ein Erziehungsberechtigter.



    Beamte fallen in Praxen gern dadurch auf, daß sie ihre Privatversicherung wie eine Fahne vor sich her tragen und sagen: "Schaut her, ich bin privat versichert! Daher habe ich Anspruch auf ein Vorzugsbehandlung." Dem Arzt sagen sie: "Für mich nur das Allerbeste - aber die Beihilfe muß es zahlen." Schlägt man dann eine Behandlung vor, kommt ständig die Rückfrage: "Zahlt denn das auch die Beihilfe?" Das ist während der Behandlung bisweilen etwas lästig.



    Dr. Schlemann erzählt immer wieder, der Beitrag der PKV steige über die Zeit langsamer als der Beitrag der GKV. Meine eigene PKV betrachtend kann ich das nicht bestätigen. Über die Jahrzehnte ist meine PKV stärker gestiegen als die GKV. Allerdings darf man nicht das Niveau vergessen, von dem man kommt. Bei meinem Übertritt zur PKV betrug der PKV-Betrag ein Drittel des GKV-Beitrags. Aktuell (Ich bin "rentennaher Jahrgang") bezahle ich bei der PKV etwa 60% des GKV-Beitrags (und das bei besseren Leistungen). Für einen fairen Beitragsvergleich müßte man zum GKV-Beitrag übrigens noch die teils erheblichen Eigenanteile dazurechnen, die ein GKV-Versicherter zu leisten hat, ein PKV-Versicherter aber nicht (Lesebrille, Zahnersatz).



    Mag sein, daß ich im Ruhestand mehr Krankenkassenbeitrag zahlen werde als ein Rentner ("Krankenversicherung der Rentner"). Das ist aber in die finanzielle Gesamtplanung für die nächsten Jahre einkalkuliert. Man muß diesbezüglich ohnehin das Gesamtbild sehen und darf sich nicht in einen Einzelposten verbeißen. Immerhin werde ich nicht große Augen machen müssen wie mancher Rentner, von dem seine Krankenkasse Beiträge nicht nur von seiner Rente, sondern auch von allen anderen Einkünften haben will. Und nein, ich bin mir durchaus nicht sicher, ob der aktuelle Handhabungsunterschied bezüglich der Beitragspflicht anderer Einkünfte zwischen gesetzlichen und freiwilligen Rentner-Mitgliedern der GKV angesichts der Leere der Kassen der kranken Kassen dauerhaft erhalten bleiben wird.



    Dr. Schlemann schreibt richtig, daß die Entscheidung für eine PKV eine ziemlich komplexe ist. Bis ins letzte berechnen kann man das ohnehin nicht, weil Prognosen nun einmal schwierig sind, vor allem dann, wenn sie für die Zukunft gelten sollen. Aber das gilt ja fürs Leben allgemein. Was die Zukunft bringt, kann schließlich niemand im voraus wissen. Viele wesentliche Entscheidungen unseres Lebens (Berufswahl, Partnerwahl) sind bei Licht besehen SPEKULATION (Ein Begriff, den gerade der gute Deutsche überhaupt nicht gern hören mag), nämlich Entscheidungen, die zwangsläufig auf ANNAHMEN beruhen (müssen) und nicht auf Jahrzehnte hinaus mathematisch vorherberechnet werden können.

    [Zitat von Reimo]

    > Ich habe die Schlussrechnung [von gas.de] schon vor 14 Tagen

    > erhalten. Das mag aber daran liegen, dass gas.de noch eine

    > Stange Geld (Rechnung scheint OK) von mir für 2021 haben möchte.


    > Schon im November 21 hatte mir gas.de eine Preiserhöhung von

    > ca. 5 Cent / kWh auf ca. 16 Cent zum 01.01.22 angekündigt.


    > Jetzt stellt sich mir die Frage, ob diese exorbitante

    > Preiserhöhung vom 5 auf 16 Cent überhaupt zulässig gewesen wäre,

    > falls gas.de solange geliefert hätte.


    Das kann niemand ohne Kenntnis Deines Vertrages wissen.

    Bei mir, der ich immer Verträge mit 1jähriger Preisgarantie abschließe, wäre es unzulässig gewesen.


    > Sollte die Preiserhöhung nämlich genauso wie die Kündigung

    > zum 02.12.21 unrechtmäßig erfolgt sein, dann wäre mein

    > Vertrag regulär mit 5 Cent bis zum 30.09.22 weiter gelaufen

    > und gas.de hätte mir die Mehrkosten meines neuen

    > Lieferranten zu ersetzen.


    Wenn das so wäre, dann ja.


    > Problem dabei, die genaue Schadenshöhe kann ich erst im

    > Oktober 22 nach der Zählerablesung ermitteln.


    Du kannst die Schadenshöhe realistisch schätzen. Du weißt ja, was Du aktuell beim Grundversorger bezahlst, und Deinen letztjährigen Verbrauch kennst Du auch.


    > Meine Frage: Kann ich die Nachzahlung aus 21 bis zum

    > Oktober 22 unter Hinweis auf den absehbaren

    > künftigen Schadensersatzanspruch verweigern oder

    > muss ich dann mit einer (für gas.de erfolgreichen)

    > Klage wegen Nichtzahlung einer fälligen Forderung

    > rechnen.


    Können kann man immer.


    Ob das in Deinem Fall sinnvoll ist, kann keiner sagen, der Deinen Vertrag nicht kennt.


    Mal angenommen, das wäre mein Vertrag mit einer 1jährigen Preisgarantie vom 01.10.2021 bis zum 30.09.2022, dann wüßte ICH erstmal, wieviel Gas ich im Zeitraum 01.10.2021 bis zum Lieferende verbraucht hätte, kennte somit den Rechnungsbetrag dafür. Ich wüßte weiterhin, daß gas.de bis zum 30.09.2022 zum vereinbarten Preis von 5 ct/kWh hätte weiterliefern müssen. Mein Gasverbrauch ist ziemlich konstant, also würde ich für diesen Zeitraum auf den letztjährigen Verbrauch zurückgreifen. Weiterhin wüßte ich, daß ich den Vertrag erfüllt hätte, somit am 30.09.2022 den Neukundenbonus bekommen hätte.


    Jetzt hat gas.de den Vertrag aber nicht eingehalten, und ich müßte mir gezwungenermaßen einen neuen Versorger besorgen, der erheblich mehr Geld verlangt. Die Differenz könnte ich ausrechnen und würde sie dem vertragsbrüchigen Alt-Lieferanten in Rechnung stellen und den Neukundenbonus dazu.



    Ich ahne nicht, ob Du im Zweifelsfall bereit wärest zu streiten.


    Wenn die Sache so liegt, wie oben beschrieben, halte ich es für sinnvoll, an dieser Stelle die Entscheidung zu treffen, ob Du das durchziehen oder lieber zahlen willst.


    Wenn Du ganz sicher sein willst, keinen Ärger zu bekommen, dann zahl einfach, was sie von Dir wollen. Du brauchst dann an dieser Stelle nicht mehr weiterzulesen.



    Ich habe einen Fall wie diesen schon durch (und gewonnen).


    Ich würde in einer Situation wie der oben skizierten Situation der Rechnung widersprechen, etwa so:


    SgDuH, liebe Diverse,

    ich widerspreche Ihrer Rechnung vom xx.xx. in der Sie mir für xx kWh Gasverbrauch xxx Euro in Rechnung stellen.

    Ich hatte mit Ihnen allerdings einen Liefervertrag mit Preisgarantie bis zum 30.09.2022 abgeschlossen, den Sie nun nicht einhalten.

    Gemessen am letztjährigen Verbrauch muß ich nun xx kWh zu deutlich höherem Preis von meinem Grundversorger beziehen. Der Differenzbetrag beträgt xx Euro. Weiterhin war ein Neukundenbonus in Höhe von xx Euro vereinbart.


    Ich rechne diese beiden Beträge gegen Ihren Rechnungsbetrag auf:

    ...

    ...

    ...

    Ich fordere Sie auf, den Differenzbetrag bis zum (14 Tage) auf mein bekanntes Konto IBAN zu überweisen.


    MfG



    Mit guter Wahrscheinlichkeit hätte ich nach dieser Rechnung Geld von Vorlieferanten zu bekommen und nicht umgekehrt.


    Natürlich würde der Vorlieferant nicht bezahlen, sondern mit einem Textbaustein seinen Rechnungsbetrag einfordern


    Selbst klagen würde ich gegen den Versorger niemals, sondern das Geld unter "Shit happens" als Verlust abschreiben. Die Rechnung bezahlen würde ich allerdings auch nicht.


    Der Vorlieferant wird dann vermutlich mahnen und dann ein Inkasso einleiten. So mancher Energiediscounter hat ein assoziiertes Inkassounternehmen, das gehört zum Geschäftsmodell und kostet sie nichts als das Porto.


    Alles weitere kostet sie Geld. Ein gerichtlicher Mahnbescheid kostet um die 35 Euro, schindet beim vermeintlichen Schuldner aber mächtig Eindruck (Fristgerecht widersprechen nicht versäumen!)


    Es kann schon sein, daß sie danach klagen. Eine Klage macht noch mehr Eindruck als ein Mahnbescheid. Dazu müssen sie aber erstmal die Gerichtskosten vorschießen (etwa 150 Euro). Das macht man für eine Forderung von vielleicht 300 Euro nur, wenn man sich seiner Sache ganz sicher ist.


    Die Klage würden sie vermutlich verlieren, wenn die Sachlage ist wie oben. Dazu muß die Vertragssituation aber wirklich so sein, wie ich es oben vermutet habe.


    Die meisten Kunden kneifen in einer Situation wir der dargestellten. Damit rechnen manche Firmen.


    Nochmal: Wenn Du unsicher bist, zahl besser gleich, dann hast Du Deine Ruhe. Wenn Du Dich auf den Weg machst und dann zwischendrin Manschetten bekommst, zahlst Du mehr, als wenn Du gleich zahlst. Wenn Du (bei der beschriebenen Situation!) den Weg aber bis zum Ende gehst, stellst Du Dich finanziell vermutlich besser.


    Mach was draus!


    PS: Solltest Du Geld vom Alt-Versorger zu bekommen haben, kannst Du erwägen, den letzten oder die beiden letzten Abschläge zurückzuholen (sehe Beitrag Ines Rutschmann, geht bis 8 Wochen nach Zahlung). Natürlich nur dann, wenn Du bereit bist, Dich zu streiten. Wie die Vorversorger darauf reagieren, liest Du im Forum, wie das die Kunden verunsichert, auch. Mich würde das nicht verunsichern, aber jeder hat das ja selbst zu entscheiden.


    Na ja, Vertragsrecht ist Zivilrecht.


    Zumindest in meiner Stadt ist der Tarif des Grundversorgers von den "normalen" Eckdaten "Grundpreis" und "Arbeitspreis" sogar minimal preisgünstiger als der aktuell gewählte Discounter. Der Discounter rechnet sich für mich nur über die Boni.


    enerSwitch bietet Dir zur Vertragsauflösung den vollen Bonus und dazu die eventuellen Mehrkosten der Grundversorgung für 3 Monate.


    Heißt: Wäre ich Kunde von enerSwitch, hätte ich in diesem Jahr mit "Sofortbonus" und "Neukundenbonus" das, was ich vom Discountanbieter wollte. Ich würde das Angebot annehmen.

    Man müßtest hier, in meiner Stadt, nur überlegen, ob man die aktuellen Preise des Grundversorgers für ein Jahr fixiert oder sie offen läßt. Schließt man über 12 Monate ab, hat man 1 Jahr Preisgarantie. Läßt man den Vertrag offen, kannst Du den Wechselzeitpunkt auf den Sommer legen (was ich für günstiger halte), kann sich aber eine Preiserhöhung einfangen.


    Wenn die Boni eingesackt sind, dürfte auch bei Dir der Grundversorger so nah bei den Preisen des Discountanbieters liegen, daß sich die Mühe der Nachforderung nicht lohnt.


    Muß man halt individuell ausrechnen.


    Beim Gas ist aktuell preislich der Teufel los. Strom ist zwar auch teurer als im letzten Jahr, aber nur mäßig. Angesichts meines niedrigen Stromverbrauchs sollte selbst eine mäßige Preissteigerung kein großes Hindernis sein.


    Nach allem, was ich hier lese, ist enerSwitch ein seriöser Anbieter, der sich fair aus dem Vertrag lösen möchte. Da gibt es ganz andere Kadetten! Du hast eine E-Mail geschrieben, sie haben Dir sofort sauber und fair geantwortet. Freilich lohnt sich das für Dich, und selbstverständlich hast Du da in Deinem Sinne richtig gehandelt.


    Eine ganz andere Nummer wäre gewesen, wenn Dich ein Anbieter ablaufen läßt, wie das gerade zur Zeit die 365AG (oder wie die gerade heißen) macht.


    Angenommen, Du hättest eine berechtigte Forderung von z.B. 450 Euro, dann könntest Du die sicherlich in letzter Konsequenz einklagen (wenn sich der Anbieter auf seine Ohren setzt). Du mußt dann allerdings einen Rechtsanwalt finden, der Dir diese Sache für äußerst schmales Honorar macht (z.B. 50 oder 100 Euro, je nachdem, ob es zur Verhandlung kommt oder nicht). Ein schlechter Rechtsanwalt kann die Sache auch versemmeln, das kostet Dich dann Geld, weil Du die Gerichtskosten vorstrecken mußt, die dann ggf. verloren sind. Was Du auf keinen Fall zurückbekommst, ist die Zeit, die Du einsetzt.


    Man kann durchaus die Auffassung vertreten, daß man Schäden bis zu einer individuellen Grenze (vielleicht 300 Euro, vielleicht 500 Euro, vielleicht 1000 Euro) einfach unter Lehrgeld bucht, wenn sie auf einfache Weise (Mahnung, nochmal Mahnung, ggf. Mahnbescheid) nicht einzutreiben sind.


    Das muß aber jeder selber wissen, jeder hat da seine eigene Toleranzgrenze.

    Am Ende heißt es: pacta sunt servanda

    Das müßtest Du dann halt einklagen. Willst Du Dir das antun?

    Ich werde es drauf ankommen lassen. Das Schreiben ist reine Angstmache. Aber die Kündigung basiert auf keinerlei rechtlicher Grundlage.

    Die Firma wird (rechtswidrig) die Belieferung einstellen. Dazu reicht eine Meldung an den Netzbetreiber.

    Du magst der Kündigung widersprechen, das ändert daran aber nichts.

    Immerhin: Hinter diesem Anbieter steht eine seriöse Firma, und eine Insolvenz steht nicht zu befürchten.


    Es fragt sich trotzdem, ob die Firma freiwillig den Schaden bezahlt, den sie mit dem Vertragsbruch anrichtet. Klar ist, daß der volle "Neukundenbonus" anfällt und nicht etwa ein zeitanteiliger. Das hätten verschiedene Kunden angemahnt, und die Firma habe schnell eingelenkt. Dazu kommt eigentlich die Preisdifferenz zwischen dem vereinbarten Strompreis und dem Preis des Grundversorgers.


    Ich spare im aktuellen Jahr durch einen alternativen Stromanbieter etwa 100 Euro gegenüber dem Grundversorger. Würde mir der alternative Stromanbieter mitten im Belieferungsjahr kündigen, wäre das ein überschaubarer Betrag von 50 Euro. Das zahlt eine seriöse Firma, wenn sie schon den Vertrag bricht.


    Ansonsten könnte ich noch zwei Abschläge zurückholen, das würde für diesen Zweck reichen.

    Ich habe eine [fondsgebundene Renten-]Versicherung gekündigt. In den AVB steht unter dem §10 :


    Kündigung : Sie können ihre Versicherung jederzeit kündigen. Die Kündigung wird zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode wirksam, maßgeblich ist der Eingang des Kündigungsschreibens bei uns. Nun habe ich zum 30.11.2021 gekündigt. Und das Schreiben der Versicherung zeigt an Kündigung wird wirksam zum 1.12.2021 und damit haben sie noch den Beitrag Dezember eingezogen. Laut Mitarbeiter hätte ich zum 31.10 kündigen müssen zum 30.11 aber dann wäre es ja eine Frist ? Und im Vertrag steht "jederzeit". Könnt ihr mir da Licht am Ende des Tunnels bringen.

    Du schreibst zu wenig Info für einen guten Rat.


    Wie lang ist denn die "Versicherungsperiode"?

    Wann genau hast Du denn gekündigt? Hatte die Versicherung denn überhaupt genügend Zeit, die Abbuchung zum 01.12.2021 noch aufzuhalten? Die Kündigung zum 01.12.2021 hat sie ja wohl bestätigt.


    Wenn die Versicherungsperiode nur 1 Monat ist, würde ich mir nicht ins Hemd machen. Und der "Versicherungsbeitrag" einer Rentenversicherung ist letztlich eine Sparrate, die Du bei Kündigung dann wiederbekommst.

    mein (1jähriger) Vertrag beim Gasanbieter „Stadtenergie“ läuft im Mai aus. Deshalb habe ich diesen im Oktober gekündigt, bevor er sich wieder um 1 Jahr verlängert (4,55 Cent/kWh und 300€ Grundgebühr).


    Bei den aktuellen Energiepreisen landet man ja bei fast dem doppelten Verbrauchspreis/kWh.


    Meine Frage daher: besser jetzt einen neuen Vertrag abschließen, oder noch warten? Oder nochmal bei Stadtenergie fragen, ob die Kündigung zurückgezogen werden kann?

    Die Kündigung in genau dieser Zeit war ein Geniestreich. Wie bist Du nur auf diesen Trichter gekommen?


    Gerade jetzt ist ein absolut miserabler Zeitpunkt, einen neuen Vertrag abzuschließen. Nachdem Du schon mit beiden Beinen im Fettnapf stehst, würde ich an Deiner Stelle mindestens bis zum Frühjahr abwarten.


    Mein Gasvertrag läuft noch bis zum nächsten Herbst und ich werde unter den gegenwärtigen Bedingungen noch viele Monate die Füße stillhalten. Wäre ich (rein theoretisch) gezwungen, jetzt einen neuen Vertrag abzuschließen, würde ich ganz banal den Grundversorger wählen, weil der aktuell die preisgünstigste Alternative ist.


    Du hast den Vertrag gekündigt, unter den aktuellen Bedingungen ist es höchst unwahrscheinlich, daß der Anbieter Dir eine Verlängerung des Vertrags ohne Änderung der Konditionen anbietet. Nachdem nun das Kind aber schon im Brunnen liegt, besteht keine Eile.


    Ich rechne damit, daß sich die Situation nach dem Ende des Winters entspannt. Ich würde an Deiner Stelle den Markt im Auge behalten, aber mit nicht gedrängt fühlen zu handeln, bevor ich nicht müßte.

    @#6

    Vertragsrecht ist Zivilrecht.


    Im Fall Gas.de hat der Anbieter den abgeschlossenen Vertrag gebrochen, ist möglicherweise insolvent.


    Ich lese seit langer Zeit einmal pro Woche meine Zählerstände ab und trage sie in ein Excelblatt ein. Dort habe ich mir Formeln gebastelt, die den jeweiligen Tarif umsetzen. Ich weiß somit unmittelbar, wie ich zu dem betreffenden Anbieter stehe: Excel rechnet mir aus, ob ich vom Anbieter Geld bekäme, wenn der Vertrag heute zu Ende wäre, oder ob der Anbieter von mir noch Geld zu bekommen hätte. Ich kann also informiert handeln.


    Wenn der Vertrag schon länger läuft, beispielsweise im Sommer abgeschlossen worden ist, dann liegen hinter dem Kunden etliche Monate mit niedrigem Verbrauch und relativ hohen Abschlägen. Der Kunde hat somit ggf. ein hohes implizites Guthaben beim Anbieter, das er vermutlich nicht wiedersehen wird. Im Fall BEV hat eine Verbraucherzentrale ausgeklagt, daß der Anbieter den vollen Neukundenbonus schuldig ist, wenn er den Vertrag bricht. Bei der aktuellen Preissituation kommt dazu, daß der gekündigte Kunde in der Grundversorgung deutlich mehr bezahlt, als er bei einem vertragstreuen Lieferanten Gas.de hätte zahlen müssen. Hieraus resultiert natürlich ein Anspruch auf Schadenersatz.


    Hätte ich von einem Anbieter Geld zu bekommen, der gerade insolvent gegangen ist, würde ich ohne Zögern die letzte oder gar die letzten beiden Lastschriften zurückholen. Frau Rutschmann empfiehlt das ja in ihrem Artikel ausdrücklich.


    Der Insolvenzverwalter hat im Falle BEV eine phantastische Rechnung zu meinen Ungunsten aufgemacht. Ich habe sie mit einem Schmunzeln nonchalant ignoriert, da ich aus meiner eigenen Berechnung wußte, daß ich vom insolventen Anbeiter noch Geld zu bekommen hatte und nicht umgekehrt. Der Insolvenzverwalter hätte mich verklagen müssen, um seinen Anspruch durchzusetzen. Das hätte er nicht gemacht, denn diese Klage hätte er verloren. Alle die Kunden aber, die sich von seinem Schreiben haben einschüchtern lassen, haben letztlich draufgezahlt. Erstmal zahlen und darauf zu hoffen, daß die eigenen Ansprüche aus der Insolvenzmasse befriedigt werden, ist für den Kunden keine gute Strategie.


    Ich hätte im Fall BEV mehr Geld zu bekommen gehabt, als ich zurückbuchen konnte. Das war mein Verlust, das war mir sofort klar. Rein theoretisch hätte ich den Lieferanten verklagen können. Das macht man in einer solchen Situation aber besser nicht, denn man muß dann erstmal die Gerichtskosten auslegen und auch den eigenen Rechtsanwalt bezahlen. Man würde einen solchen Prozeß mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen, bleibt aber auf den Kosten sitzen, wenn die Gegenseite insolvent ist. Das läßt man sinnvollerweise bleiben und schreibt den Verlust halt ab.


    Wer den Dampf fürchtet, sollte nicht in die Küche gehen.


    Energiediscounter sind keine Waisenknaben, die gehen mit ihren Kunden gelegentlich robust um. Das muß man als Kunde aushalten können und wollen.

    Meldung von heute:


    https://de.finance.yahoo.com/n…v-132933121--finance.html


    Trotz der Insolvenz der Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV) haben ehemalige Kunden einen Anspruch auf den einst versprochenen Neukundenbonus. Das Oberlandesgericht (OLG) München entschied am Dienstag, dass der Insolvenzverwalter den Bonus nicht mit der Begründung vorenthalten durfte, dass Kunden eine Mindestbelieferungsdauer nicht eingehalten hätten, wie ein Sprecher des Gerichts mitteilte. Die Musterfeststellungsklage hatte 2019 der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eingereicht.


    Wenn dieses Urteil so stehenbleibt, hätte es sich also gelohnt, den Neukundenbonus komplett von der Nachforderung des Insolvenzverwalters abzuziehen. Bei mir hätte das seine Nachforderung überstiegen, er hätte also kein Geld von mir bekommen.


    Zurück bekommt man aber aus der Insolvenzmasse voraussichtlich nichts.


    Egal, ich habe auch so ein gutes Geschäft gemacht, dem "Sofortbonus" sei Dank.

    Ich habe mal Dein Zitat etwas zusammengefaßt (und die entsprechenden Stellen markiert). Bitte korrigiere mich, wenn ich da etwas falsch verstanden haben sollte.


    Ich hätte das genauso gemacht wie Du. Du wußtest, daß Du noch die Rechnung der BEV überzahlt hast, hast Dir daher den letzten (oder die letzten beiden) Abschläge zurückgeholt, als das noch möglich war.


    Jetzt ist die Endabrechnung gekommen.


    Ist die Endabrechnung nach Deiner Ansicht nach korrekt?
    Ist der Neukundenbonus korrekt abgerechnet?


    Wenn das beides zutrifft und dann noch eine Differenz übrigbleibt, die BEV (bzw. der Insolvenzverwalter) von Dir zu bekommen hat, dann würde ich diese Differenz an den Insolvenzverwalter bezahlen. Damit wäre für mich die Angelegenheit erledigt. In diesem Falle würde ich mir auch nicht die Mühe machen, mich an der Musterfeststellungsklage zu beteiligen. Wozu auch? Was soll dabei für Dich herauskommen?


    Ich würde mich von dem Musterschreiben des Insolvenzverwalters nicht verrückt machen lassen, der Dir schreibt: Abschläge nachzahlen (das ist echtes Geld) und Deine Forderung auf eine Liste schreiben lassen, aufgrund derer vermutlich nichts herauskommen wird. So blöd müßte man sein! Ich wäre es nicht, Du hoffentliich auch nicht.

    @markee1


    Jeder zahlt seine Rechnungen selbst, jeder entscheidet also selbst, was er macht.


    Ob ein Neukundenbonus fällig ist, wenn ein Anbieter unterjährig insolvent wird, wird just jetzt geklärt, da hat maierhuber recht. Das kostet Dich nichts, beteilige Dich doch einfach an dieser Sammelklage und halte ansonsten die Füße still.


    Meine BEV-Rechnung ist mir im Mai des letzten Jahres ins Haus geflattert (3 Monate nach Insolvenz). Sie war korrekt berechnet, also habe ich sie zeitnah bezahlt und habe für mich damit die Chose abgehakt.


    Ich mag manchmal etwas naiv sein, aber so naiv, daß ich nun dem Insolvenzverwalter echtes Geld bezahle und mich mit meiner eigenen Forderung in die Schlange der Insolvenzgläubiger einreihe (diese Forderung also faktisch abschreibe), bin noch nicht einmal ich.


    Mehr als die Differenz hätte der Insolvenzverwalter von mir im letzten Jahr nicht bekommen -- und ich hätte mich auch von salbungsvollen Worten nicht beeindrucken lassen, die den Insolvenzverwalter nicht mehr als das Papier und das Porto kosten.


    Klar: Man lebt am einfachsten, wenn man immer gleich das zahlt, was andere Leute von einem wollen, und zwar selbst dann, wenn eine Forderung unberechtigt ist.


    Gleich zahlen spart Nerven, kostet aber Geld.


    Wenn Du zu diesen gehörst, muß ich Dich allerdings fragen, warum Du überhaupt einen Vertrag mit einem Energiediscounter abgeschlossen hast, kann man doch schließlich wissen, daß solche Geschäftsbeziehungen gern mal etwas rauh verlaufen. Wer dieses Risiko minimieren möchte, darf keinen Vertrag mit einem Energiediscounter abschließen.


    Gerade gestern ist bei mir ein Schreiben des lokalen Amtsgerichts angelangt: Ein einschlägig bekannter Energiediscounter hat seine Klage gegen mich zurückgezogen. Er hatte nachträglich von mir einen erhöhten Grundpreis haben wollen, dessen Deklaration er in einer Werbe-E-Mail versteckt hatte und die deswegen nicht gültig war. Ich habe mich hartnäckig geweigert zu bezahlen und mich von Mahnungen, Inkassoschreiben und einem gerichtlichen Mahnbescheid nicht ins Bockshorn jagen lassen. Deswegen hat er mich schließlich nach 4 Jahren auf Zahlung verklagt. Die Verjährungsfrist für solche Forderungen beträgt aber nur 3 Jahre ...


    Wer den Dampf fürchtet, darf nicht in die Küche gehen.