Beiträge von Galileo

    Ich sehe es wie @chris2702, Du hast Deine Fragen eigentlich schon selbst beantwortet. Wir sind hier ja bei finanztip.de, und Deine Fragen wurden auch in den entsprechenden Artikeln schon beantwortet:


    Dieser hier https://www.finanztip.de/alter…/flexible-altersvorsorge/ beschreibt, dass ETF-Sparen fast immer besser ist als eine private Rentenversicherung (und immer besser ist als die teure, die Du hast).


    Dieser hier https://www.finanztip.de/investmentfonds/ beschreibt, warum aktive Fonds mit hohen laufenden Kosten (und noch dazu mit AA) nicht empfohlen werden und aus der Zeit gefallen sind.


    Und dieser hier https://www.finanztip.de/riester/ beschreibt, für wen sich Riester lohnt. Da würde ich allerdings noch weiter differenzieren. Für sehr gut verdienende kann es sich lohnen, aber man muss damit einverstanden sein, weitestgehend die Kontrolle über das Geld abzugeben. Und dann wiederum lohnt es sich bei Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern. Rechne Deine Förderquote aus, oder gib uns ein paar mehr Infos hierzu, und dann kann hier eingeschätzt werden, ob beitragsfreistellen/übertragen besser ist als kündigigen (sprich ob sich das Konstrukt "Riester" egal bei welchem Anbieter in Deiner Situation überhaupt lohnt). Es ist schade, dass es in Deutschland kein unversell zu empfehlendes Format zur Altersvorsorge gibt.


    Und zuletzt: Ich würde nicht von Beraterin, sondern von Verkäuferin sprechen. Nur gut getarnt, die Dame ;-)

    Wie verhält es sich denn, wenn die Einmalzahlung der arbeitgeberfinanzierten bAV schon vor (sagen wir) 4 Jahren ausgezahlt wurde, und man sich nun in den 120 Monaten befindet, in denen KV/PV-Beiträge an die Krankenkasse gezahlt werden. Fallen diese Beiträge ebenfalls weg, sofern die damalige Einmalzahlung ein bestimmtes Kriterium erfüllt (??unter die Bezugsgröße fällt??). Danke.

    Korrekt, hier gab es entweder ein schweres Kommunikationsproblem, oder der Mitarbeiter der Rentenversicherung hat grob falsch beraten.


    Vor- und Nachteile der Nachzahlung für Ausbildungszeiten sind hier nett diskutiert, wie ich finde:

    http://www.rentenfuchs.info/nachzahlen-fuer-schulzeiten/


    Dort gibt es auch einige andere Seiten mit Beispielrechnungen zu den Ausgleichszahlungen für frühere Rente (wohlgemerkt: Stand aktuell, die zukünftige Gesetzeslage ist unbekannt).

    Aber nicht inflationsbereinigt. Man kann sich also fragen, insbesondere bei langen Laufzeiten, was die Garantie eigentlich wert ist.

    Genau das! Die durchschnittliche Inflation von 1979 bis 2019 war 2.2% pa, vermutlich effektiv höher, weil der Anstieg der Wohnungskosten (Miete oder qm-Preise) nicht enthalten war. Damit bleiben Dir als 20-Jährigem von Deiner diesjährigen Einzahlung bis zum Rentenbeginn in frühestens 47 Jahren (also wenn Du 67 bist) durch die Beitragsgarantie (100%-2.2%)^47=(0.978)^47=35% der Kaufkraft erhalten. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass das nach Kosten ist. Die Garantie taugt für Dich also nichts.


    Mein Rat wäre daher, sich von angeblichen „Steuervorteilen“, „Zulagen“ oder „Garantien“ nicht blenden zu lassen. Es mag sehr wenige Fälle geben (zB sehr Kinder-reiche Familien), bei denen sich der aktuelle Riester lohnt, aber bei Dir ist das höchstwahrscheinlich nicht der Fall. Außerdem gilt: Im Gegenzug für diese „Garantie“ gibst Du weitestgehend die Kontrolle über das Geld ab (kannst also nicht bestimmen, wie es angelegt wird).


    Ich würde an Deiner Stelle den Vertrag kündigen (schädliche Verwendung), das Kapitel schließen und es einfach halten. Es ist top, dass Du schon so früh mit dem ETF-Investieren angefangen hast. Mach weiter, halte es kostengünstig (also bleib fern von Volksbank und Co, wo man Dir provisions-basiert teure Dinge andreht) und bedenke alles nochmal, wenn Du fest im Arbeitsleben stehst und/oder Familie hast - da ändern sich die Umstände ggfs wieder. Aber bis dahin wird es vermutlich durch die Europa-Rente auch geförderte Altersvorsorgeprodukte ohne Garantie geben.

    Moin, irgendwie beschleicht mich der Eindruck, dass die Diskussion hier (fast) nichts mehr mit der Ausgangsfrage von lukasju zu tun hat...

    Naja, die Ausgangsfrage war ja sehr breit ("Habt ihr Erfahrungen...?"), insofern sehe ich schon den Bezug. Aber gerne konkreter:


    - Soll etwas von Tecis abgeschlossen werden? Nein, nie. Keine Beratung, sondern Verkauf. Die Provisionen sind mit die höchsten am Markt und zerstören jegliche Chance auf Rendite. Auf den tollen Blog von Prof. Walz wurde ja verlinkt, dort gibt es mehrere Beispiele wo miserable Verträge von Strukturvertrieben wie Tecis durchgerechnet wurden. Und auch im konkreten Fall entlarvt sich der "Dienstleister" selbst, denn bei Fonds-basierten Verträgen gibt es meines Wissens nach keinen Rechnungsgarantiezins, den gibt es nur für Versicherungs-basierten Verträgen (und die sollte man im aktuellen Zinsumfeld ohnehin meiden).


    - Soll prinzipiell eine private Altersvorsorge (private Rentenversicherung) abgeschlossen werden? Dazu hat Finanztip gerechnet und gezeigt, dass es sich fast nie lohnt und man mit einem simplen ETF-Sparplan (breiter Index, niedrige Kosten, Füße still halten in allen Marktphasen) besser fährt.

    https://www.finanztip.de/alter…/flexible-altersvorsorge/


    - Soll prinzipiell eine ETF-basierte Rürup-Versicherung abgeschlossen werden? Ich gehe davon aus, dass Tecis eine Versicherung aus Schicht 1 nur deshalb mitangeboten hat, weil man bei 2 Vertägen 2x Provision locker macht, aber seis drum. Die Frage lässt sich ohne weitere Infos von Lukasju zu Gehalt, Alter, Rentenbedarf, Umstände (PKV?), ... nicht beantworten.


    - Erfahrung mit ETF-Rürup? Ja, siehe oben. Es gibt also Situationen, in denen ein günstiger ETF-basierter Rürup seinen berechtigten Platz hat (und auch mit Blick auf alle Einschränkungen und im Vergleich mit der GRV passt).

    Guter Punkt mit den Veränderungen und der Erwerbsminderungsoption. Und ja, das mit dem 1:1-Vergleich geht nicht. Die Zahlen oben sind auch schief, denn der oben genannte Rürup würde schon ab 62 auszahlen, aber die gesetzliche Rente ab 67 (oder 69 oder was auch immer dann gilt).

    Ob GRV oder kostengünstiger ETF-Rürup hängt wohl vor allem vom Alter (und ein Stück vom Sicherheitsbedürfnis und Vertrauen in den Staat) ab.


    Wenn man zB 10 Jahre oder weniger bis zum Rentenbeginn hat (also keine durchweg hohen Aktienquoten mehr fahren kann), sind Einzahlungen in die gesetzliche Rente oft unschlagbar. Mehr als (im besten Fall) Inflations-angepasste Erhöhung ist aber oft nicht drin.


    Wenn man aber zB 30 Jahre und mehr bis zum Rentenbeginn hat und von einer langfristigen Aktienrendite von >5% pa ausgeht, dann lohnt sich Rürup mehr. Dass man die Steuererstattungen selbst investieren kann, trifft für beides zu, daher für mich kein Argument im Vergleich.


    In meinem Fall: Ich zahle als Angestellter den maximalen Beitrag in die GRV (6900x12x18.6%=15401 Euro), und wenn ich das bis 67 durchhalte winkt eine gesetzliche (und noch zu versteuernde) Rente von 2500 Euro pro Monat. Für eine gleich-hohe Rürup-Rente (bei 80% Aktienanteil und den obigen Annahmen) müsste ich im Jahr ca 11000 Euro zahlen. (Ich habe einen fairrürp mit breiten Index-ETFs und zahle etwas weniger ein, weil ja nur ca 25000 pro Jahr absetzbar sind, aber die Rendite ist doch deutlich besser als bei der GRV.)

    1. Warum mehrere Tagesgeldkonten? Nur zur Info: Die gesetzliche Einlagensicherung von 100T Euro pro Person gilt für alle bei einer Bank gehaltenen Konten gemeinsam, kann also nur durch Konten bei verschiedenen Banken (nicht durch mehrere Konten bei der gleichen Bank) erweitert werden.


    2. „Anständige“ Zinsen (im

    Sinne von: „werterhaltend nach Kosten/Steuern“) für Tagesgeld gibt es derzeit nicht. Von ein paar sehr befristeten Neukundengeschäften und Banken aus weniger stabilen Länderm (Italien, Portugal, ...) abgesehen sind maximal 0.25% zB bei der Advanzia-Bank drin. Finanztip hat einen Artikel zum Vergleich.


    Bitte die Inflation berücksichtigen: Nach Steuern und Kaufkraft-Korrektur ist Tagesgeld aktuell immer ein Verlustgeschäft, und soll daher nur zB für essentielle Rücklagen, für demnächst geplante (Immobilien)Käufe oder als Sicherheitsbaustein gepaar mit Aktiendepot zum Einsatz kommen. Dauerhaftes alleiniges „Anlegen“ auf Tagesgeld bedeutet sichere schleichende Entwertung.

    Das mit der Einlagensicherung ist ein wichtiger Punkt, der sich allerdings erst bei einer Bankenschieflage bemerkbar machen würde. Allerdings „bezahlt“ die Schwiegermutter bereits jetzt für die sehr suboptimale Konstruktion von 400k auf dem unverzinsten Girokonto, nämlich in Form vom Kaufkraftverlust. Mit im Schnitt 1.6% Inflation in den vergangenen Jahren waren das 6.400 Euro pro Jahr an „versteckten Kosten“, und damit deutlich mehr als die 0.5%, um die es hier geht. Jetzt wissen wir nicht, wie alt die Schwiegermutter ist und wie lange das Pflegeheim finanziert werden soll, aber schon um zumindest einen Teil der Inflation auszugleichen, würde eine risikoangepasste Anlage (zB alles, was nicht für die nächsten 5-10 Jahre Pflegeheim benötigt wird) Sinn haben. Ob die Sparkasse mit ihren als Beratern getarnten provisionsgetrienen Verkäufern dafür der richtige Ort ist, muss man sehen, aber nicht jede Anlage ist „spekulieren“ oder „Zocken“.

    Keine 100%ige Sicherheit, da ich bisher nur mit Elster online simuliert habe, aber das Modell müsste auch als Arbeitnehmer mit AG-Zuschüssen funktionieren. Der Trick ist, dass man nach Vorauszahlung in Jahr 1 (zB 2 volle Jahresbeiträge zusätzlich), in den Jahren 2-5 jeweils manuell einen halben Jahresbeitrag bei der Versicherung einzahlt und damit die AG-Zuschüsse (ebenfalls halber Jahresbeitrag) neutralisiert. Das streckt die Wirkung der zwei Jahresbeiträge auf vier Jahre. Dann bleiben in den Jahren 2-5 die 1900 Euro übrig über Arbeitslosenversicherung (ca 1000 Euro) sowie BU+Unfall+Haftpflicht (bei mir ca 800 Euro), die ohne Vorauszahlung unberücksichtigt blieben. Ein netter Nebeneffekt scheint auch, dass in den Jahren 2-5 bei der halben manuellen PKV-Einzahlung nicht nur die Basis-Komponenten, sondern auch die Beiträge für darüber hinaus gehende Leistungen steuerlich in Abzug gebracht werden können, weil man ja unter 1900 Euro bleibt.

    Kann das jemand so bestätigen? Bin mitten in der Umsetzung, und kann nächstes Jahr berichten, ob das Finanzamt wie mit Elster simuliert rechnet.