Beiträge von katzenbaum

    Am 23. Juni steht eine wichtige Entscheidung des BGH zum Thema Verwirkung bei Verbraucherkrediten an. Es geht im Wesentlichen darum, ob ein Darlehen noch Jahre nach Abschluss wirksam widerrufen werden kann. Im konkreten Fall geht es zwar um ein Darlehen, das durch Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung beendet wurde. Allerdings ist zu erwarten, dass die Entscheidung auch weitreichende Auswirkung für noch laufende Kredite sowie die Rechtssprechung in den unteren Instanzen hat.


    Fällt das Urteil verbraucherfreundlich aus (was nach den bisherigen Urteilen des BGH zu erwarten ist), dann dürfte es eine neue Welle an Widerrufen geben. Zudem könnte es sein, dass etliche Banken, die bisher nicht kompromissbereit sind (z.B. die DKB) nach einem solchen Urteil vergleichsbereiter werden.


    Wer mehr wissen will, googelt einfach nach "bgh wegweisende entscheidung widerrufsjoker"

    @Jens 1961: Sieht leider nicht gut aus. Zu deiner ersten Frage: Die Bank hat dann recht, wenn Du bei der Anschlussfinanzierung 2009 keine neuen Mittel aufgenommen hast, sprich: die Kreditsumme erhöht hast. Siehe dazu auch folgenden Beitrag, der das Thema Widerruf von Krediten bei Prolongation ganz gut zusammenfasst:


    http://www.wallstreet-online.d…ens-prolongation-moeglich


    Zu deiner zweiten Frage: Für mein Verständnis kann in einer Anschlussfinanzierung durchaus eine abweichende Regelung zur Sondertilgung vereinbart werden. Mit dem Widerruf eines Kredits hat das nichts zu tun. Ich sehe jedenfalls keine Möglichkeit, da mit Hinweis auf den Ursprungsvertrag wieder auf ein Sondertilgungsrecht zu pochen.

    @Ronny


    Zu deiner Frage 1: Akzeptiert die Bank den Widerruf, kommt es zu einer Rückabwicklung. Dabei werden bereits geleistete Tilgungszahlungen verrechnet. Fällig wird also die Restschuld abzüglich des Schadensersatzes, den Dir die Bank für zu viel gezahlte Zinsen in der Vergangenheit schuldet. Da dieser Schadensersatz häufig zwischen 10 und 20 Prozent der Kreditsumme liegt, könnte es also sein, dass Du nur noch einen sehr geringen Betrag oder vielleicht sogar gar nichts mehr an die Bank zahlen musst.


    Klingt zu gut, um wahr zu sein? Stimmt, deswegen tritt dieser Fall in der Praxis auch nur sehr selten auf. Und wenn, dann nur noch nach langwierigen Gerichtsprozessen, verbunden mit dem entsprechenden Kostenrisiko. Realistisch ist dagegen, dass die Bank den Kunden OHNE Kompensation für in der Vergangenheit zu viel gezahlte Zinsen aus dem Vertrag entlässt. Das würde bedeuten, dass Du die Restschuld (also in deinem Fall die 20 Prozent) zurückzahlen musst und dafür eine Anschlussfinanzierung brauchst.


    Übrigens habe ich neulich eine recht interessante Aufstellung dazu gefunden, wie viele Banken eine Anschlussfinanzierung bieten, wenn der Kunde vorher einen Kredit widerrufen hat. Einfach mal unter "Widerrufsjoker Umfrage Anschlussfinanzierung" googeln.

    Wie ist das eigentlich wenn dass wirklich greifen sollte? Rückabwicklung heisst doch, ich bekomme mein gesamtes eingezahltes Geld zurück und die Bank die Summe, die finanziert wurde oder? Oder muss man Zinsen für die Vergangenheit zahlen und wenn ja, welche Höhe wurde dann angesetzt? Die, die vereinbart waren?
    Danke


    Die Kalkulation einer Rückabwicklung ist im Details recht kompliziert und wird in der Regel von spezialisierten Gutachtern vorgenommen. Grob gesagt läuft die Sache so:


    1. Du kommst sofort aus dem Darlehen raus und kannst bei einem anderen Kreditinstitut zum Marktzins finanzieren.
    2. Du musst Deine Restschuld an die Bank zurückzahlen abzüglich einer Art Schadenersatz für in der Vergangenheit zu viel bezahlte Zinsen. Die Höhe des "Schadenersatzes" ergibt sich aus der Differenz zwischen deinem Vertragszins und dem sich zwischenzeitlich ergebenden Marktzins. Aufgrund der stark gesunkenen Zinsen der vergangenen Jahre ergibt sich bei den meisten Verträgen ein Schadenersatz von 10 bis 20 Prozent der Restschuld, so dass Du also nur noch 80-90 Prozent deiner Restschuld zurückzahlen musst.


    In der Praxis ist eine komplette Rückabwicklung eher selten. Meistens einigt man sich darauf, dass einen die Bank aus dem Vertrag entlässt und verzichtet im Gegenzug auf den Schadenersatz. Vor Gericht gibt es eher die Möglichkeit, zumindest Teile einer Kompensation für zu viel gezahlte Zinsen zu erreichen.

    Ich habe auch eine Frage zum Widerruf. Wir haben 2011... Wie sieht es damit aus?
    Vielen Dank für eine erste Einschätzung


    Ich glaube, den besten Rat, den man Dir hier geben kann, ist, sich nicht auf "erste Einschätzungen" hier aus dem Forum zu verlassen. Es gibt Fachanwälte, die eine kostenlose Ersteinschätzung bieten. Googel doch mal unter "Widerrufsjoker Prüfung kostenlos". Wenn der Anwalt genug Erfahrungen mit dem Thema hat, kann er Dir auch sagen, wie Deine Bank reagieren wird, wenn Du widerrufst. Über kurz oder lang kommst Du bei dem Thema sowieso nicht an einem Anwalt vorbei.


    Daddy45:


    Zur Frage nach dem konkreten Beispiel, wie viel Geld man sparen kann:


    Nehmen wir an, Du hast eine Finanzierung über 200.000 Euro und zahlst dafür fünf Prozent Zins. Wenn Du nun für die restliche Laufzeit der Zinsbindung den Zinssatz auf zwei Prozent reduzierst, dann sind das 500 Euro Zinsersparnis pro Monat. Wenn Deine Zinsbindung noch vier Jahre läuft, dann sind das 24.000 Euro. Das ist ein durchaus üblicher Kompromiss und keine Illusion.


    Alles wie schon Garuda sagte komplett ohne jegliche rückwirkende Komponente, also Schadenersatz für zu viel bezahlten Zins. Die kommt im besten Fall noch dazu, allerdings meistens nur vor Gericht. Aber wenn Du natürlich nur deine Garage per Kredit finanziert hast, dann wird es natürlich schwer mit den "vielen Tausend Euro".

    Googel doch mal nach "widerrufsjoker erfolgshonorar kostenrisiko vermeiden" - dort findest Du was.


    Allerdings würde ich die Hoffnung auf die RSV nicht vorschnell aufgeben. Es ist leider völlig normal, dass die Rechtsschutzversicherungen sich bei diesem Thema drücken. Lass das ruhig mal den Anwalt machen. Es gehört zum täglichen Job des Anwalts, sich um die Deckungszusage zu kümmern.


    Siehe zu diesem Thema auch:

    http://www.wallstreet-online.d…iderruf-eines-kredits</a>

    Zitat

    Mir geht es leider ähnlich: Im Erstgespräch mit einer Anwältin wurde mir der Eindruck vermittelt, ich hätte Klasse Chancen und von anderen Urteilen zu den gefundenen Mängeln der Widerrufserklärung war keine Rede.


    Nachdem ich die Anwältin beauftragt habe und diese den Widerruf an die DB geschickt hat, hat die Deutsche Bank widersprochen. Nun hört sich eine andere Anwältin der gleichen Kanzlei (die den Fall übernommen hat) plötzlich viel pessimistischer an. Sie meint, dass es jüngst gerade im Frankfurter Raum viele Urteile gab, in der ein nachträglicher Widerruf als rechtsmissbräuchlich eingestuft wurde und daher abzuweisen ist.



    Vermutlich hättest Du auch gute Chancen, wenn Dein Atem lang genug ist, um durch alle Instanzen zu gehen. Da das aber bei den meisten nicht der Fall ist, folgender Tipp:


    Lasst Euch von den Anwälten nicht nur sagen, ob Eure Widerrufsbelehrung falsch ist, sondern fragt sie auch, mit welcher Reaktion bei eurer Bank zu rechnen. Erfahrene Anwälte können das sagen, zumindest bei den großen Banken. Ansonsten einfach mal googeln unter "Widerrufsjoker Banken kompromissbereit".


    Die Deutsche Bank ist nicht nur bei Dir außergerichtlich nicht vergleichsbereit, da kann die WBR noch so falsch sein. Cobank ähnlich. Da hilft nur eine Klage, am besten mit RSV oder Prozessfinanzierer. Andere Banken sind dagegen sehr wohl vergleichsbereit, z.B. die Diba.


    Ein seriöser und erfahrener Anwalt wird seinen Mandanten nicht ins offene Messer laufen lassen, indem er ihm außergerichtliche Aktivitäten berechnet, von denen er weiß (oder wissen sollte), dass sie nichts bringen.