Beiträge von Paulchen82

    zu Podcast #84


    Zum angeblichen Sichtweise von Kiyosaki in dem Buch, dass das Eigenheim kein Vermögenswert ist, sondern nur kostet möchte ich verteidigend anmerken, dass diese Aussage im Kontext des US-amerikanischen Immonilienfinanzierungsgebaren, insbesondere zur Zeit des Erscheinungsjahr des Buches 1997, zu sehen ist.


    Ja, Kiyosaki ist fixiert auf den Cashflow und was nichts abwirft ist kein Vermögensgegenstand, und dass, was etwas laufend kostet, ist eine Verbindlichkeit. (Verbindlichkeit ist bei ihm oftmals eher als 'laufende Zahlungen' und nicht als 'Schulden' zu verstehen).


    In einer Extrembetrachtung (schwarz/weis) ist doch zu fragen, wie finanzieren US-Amerikaner ihre Häuser und insbesondere wie war das 1997? Die US-Amerikaner haben weitestgehend voll finanziert, nie getilgt, Wertzuwächse mit weiteren Krediten belegt und die Zinsen als "Miete" betrachtet. Ausgehend von dieser Sichtweise, ist das Eigenheim tatsächlich kein Vermögensgegenstand da komplett Schulden dagegen stehen, Vermögen durch Tilgung nicht aufgebaut wird und die Zinsen nur Kosten sind.


    Wie in dem Podcast schon richtig gesagt, kann man das für das typisch deutsche Eigenheim so nicht stehen lassen. Hier wird normalerweise nicht vollfinanziert, ein gestiegener Immobilienwert nicht sofort mit neuem Kredit belegt und es wird getilgt. Hier macht es schon Sinn, das Eigenheim als Vermögenswert in die Bilanz aufzunehmen, da der Gegenposten in der Regel kleiner ist und immer kleiner wird. Es entsteht ein Nettovermögenswert, den es zu berücksichtigen gibt.


    Also Kiyosaki und Saidi haben jeweils auf ihre Art recht - kommt halt auf den Kontext an. Da sich das Finanzierungsgebaren für Eigenheime in den USA mittlerweile etwas verändert hat und in Deutschland schon immer komplett anders war, wird in dem Buch nicht reflektiert - ggf. würde eine beiligende Einordnungshilfe seitens des Verlages hier helfen.


    Zur Vervollständigung muss aber auch gesagt werden, dass die eingesparte Miete bzw. Kreditrate nicht so einfach als Vermögenszuwachs betrachtet werden kann. Man spart (Zufluss) eigentlich nur den Tilgungsanteil, Zinsen und AfA/Rücklage sind Kosten (Abfluss bzw. vorweggenommener Abfluss) die gegenzurechnen sind.