Beiträge von Klaus L.

    Ich finde das ist ein guter Plan und bin mir sicher, dass du damit zufrieden sein wirst! Man kann an so einem Portfolio lange herumdiskutieren und versuchen es zu "optimieren". Ist aber sinnlos, weil wir alle nicht die Zukunft voraussagen können. Auch nicht die zukünftige Zinsentwicklung.

    Hier meine Meinung zur deiner Situation. Wenn du deine Rente, zumindest zum Teil, aus selbst verwaltetem Vermögen unterstützen möchtest, dann gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten.


    1. Es gibt keine Garantien beim eigenständigen Investieren. Es ist nicht garantiert, dass du eine höhere Rendite einfahren wirst, als es dir die Einzahlung in die GKV gebracht hätte. Es ist nicht garantiert, dass du innerhalb der nächsten Jahrzehnte überhaupt besser abschneiden wirst mit deinem Investments, als du es mit Geld auf dem Girokonto getan hättest. Kein ETF liefert eine garantiert positive Rendite, nominal oder real, nach 15 Jahren. Nur weil es in der Vergangenheit so war, muss es in der Zukunft nicht auch so sein. Es scheint wahrscheinlich, ist aber nicht GARANTIERT. Wer sich einredet, Aktien-ETFs seien auf 15 Jahre oder mehr eine sichere Sache, belügt sich selbst.


    2. Sei dir bewusst, dass du selbst dein größter Feind beim Investieren bist. Nur weil ein MSCI world, den du in den nächsten 20 Jahren nicht anfasst, vielleicht 2-5 % pro Jahr über der Inflation erwirtschaften wird, heißt das noch lange nicht, dass du als Investor in den MSCI world das schaffen wirst. Es ist sogar wahrscheinlich, dass du "Dummheiten" anstellen wirst. Wenn der MSCI world einstürzt, dann tut er das nicht ohne Grund. Er tut das, weil sehr viele Investoren die REALE Gefahr eines langen oder gar permanenten Verlust ihres Geldes sehen oder weil sie im Rahmen einer Wirtschaftskrise ihr Investment verkaufen MÜSSEN. In diesen Zeiten wird es in allen Foren, in allen Zeitungen von absolut intelligenten, glaubwürdigen und ehrlichen Experten wimmeln, die erklären können, warum eine REALE Gefahr besteht, dass die Aktienmärkte sich in den nächsten Jahrzehnten eben nicht erholen. Du musst dich ehrlich fragen, ob du so kaltblütig bist, dass das alles an dir abprallt und dass du wirtschaftlich so gestellt bist, dass du in einer schweren Wirtschaftskrise nicht befürchten musst, auf deine Reserve zugreifen zu müssen. In der Finanzkrise war es keinesfalls klar, dass die Märkte sich rasch erholen würden. In der Koronakrise Anfang 2020 war es keinesfalls klar, dass die Märkte sich rasch erholen würden. Auch in der nächsten Krise wird es keinesfalls klar sein. Wenn du dann nach einem 40 % Kursverlust deinen ETF verkaufst, weil du ernsthafte und begründete Sorgen um einen noch größeren Verlust deines Investments hast und der Markt sich anschließend rasch ohne dich erholt um die 2-5 % Realrendite über die Jahre einzufahren, dann hast am Ende nicht 2-5 % Realrendite gemacht, sondern vielleicht -40 % "Rendite". Es ist leicht zu sagen, man muss einfach immer Nachkaufen und nie verkaufen. Um in einer schweren Krise nicht zu verkaufen braucht man eine echte, wahre Bereitschaft sein Geld im Zweifel auch zu verlieren. Oder man ist gut darin, sich selbst darüber zu täuschen, dass Aktieninvestments NICHT komplett risikolos über lange Zeiträume sind. Zuletzt bedenke, dass oft besonders informierte und interessierte Anleger die dümmsten Fehler machen. Frage dich, warum du immun sein solltest gegen etwas, wogegen sehr viele Investoren nicht immun sind. Betrachte es zumindest als eine 50/50 Chance.


    3. Wenn du dennoch selbst investieren willst, dann berücksichtige bitte Punkt Nr. 2 indem du nicht dein ganzes Geld in einen Aktien-ETF steckst. Ein Teil in Aktien-ETF, ein Teil angelegt in Festgeld oder Anleihen der Eurozone mit nicht zu langer Laufzeit und Duration. Egal was dann passiert, hast du immer die Gewissheit, keine riesige Dummheit mit deinem Geld angestellt zu haben. Habe wir weiter finanzielle Repression und Inflation, werden die Aktien dir über lange Zeit helfen. Fallen wir in eine tiefe Wirtschaftskrise, wird dir die festverzinsliche Anlage helfen. Wie du es aufteilst, bleibt dir überlassen. Alles zwischen 30/70 bis 70/30 (Aktien/Festverzinlich) ist vernünftig. Ich zum Beispiel teile es 60/40. Wenn du eine Ader zu Misstrauen gegenüber dem Staat oder Finanzsystem hast, dann kann auch etwas Gold hilfreich sein, um dich im Fall von Krisen im Sattel zu halten und vor Dummheiten zu bewahren.


    4. Erfolg beim selbstständigen Investieren hängt ganz überwiegend nicht davon ab, die Anlage mit der THEORETISCH besten Rendite zu wählen (niedrigste Kosten, bester ETF, bester Einstiegszeitpunkt, bester Sektor, höchste Aktienquote im Portfolio etc.), sondern so anzulegen, dass du langfristig investiert bleibst ohne von Weltgeschehnissen so überrascht zu werden, dass du zu einem großen Verlust verkaufen musst. Die Schildkröte besiegt den Hasen. Wer ganz durchschnittliche Renditen, vielleicht sogar unterdurchschnittliche Renditen einfährt durch seine Anlegen, jedoch überdurchschnittlich lange und konstant investiert bleibt, der fährt am Ende doch wieder überdurchschnittliche Renditen ein.


    5. Aktien-ETF-Empfehlung: ishares MSCI World akkum. oder thesaurierend. Hat die niedrigste Tracking Difference (und das zählt bei den Kosten, nicht die TER), hat die niedrigsten Spreads und wird vermutlich nie verschwinden.


    Viel Erfolg beim Investieren.