Beiträge von Antipode

    Nichts gegen Gansel, aber man muss schon wissen, worauf man sich dabei einlässt. Die Kanzlei beschäftigt mittlerweile eine ganze Reihe von jungen Anwälten, die das Thema Kredit-Widerruf nahezu industriell bearbeiten.


    Die Wahrscheinlichkeit, dass man dabei bei "Herrn Gansel" landet, ist nahezu null. Die Erfahrung für das Thema ist sicherlich in der Kanzlei vorhanden. Ob davon aber auch wirklich jeder einzelne Anwalt profitiert und damit das Beste für den Mandanten rausholt, kann ich nicht einschätzen.


    Klare: Grundsätzlich sehe ich es aber auch so wie Garuda. Gerade, weil Du durch die RSV kein Kostenrisiko hast, spricht vieles dafür, die Klage durchzuziehen. Vielleicht kannst Du aber die Entscheidung noch etwas hinauszögern. Am 23. Februar kommt das mit Spannung erwartete BGH-Urteil zum Widerrufsjoker. Das wird sicher die Chancen fast aller Widerrufsjoker-Fälle beeinflussen. Davon würde ich es abhängig machen, ob man sich außergerichtlich einigt oder nicht.
    Zu der anstehenden BGH-Entscheidung einfach mal googeln: "BGH Widerrufsjoker drei"

    Klare: Wenn Du nach Erfahrungswerten fragst, ist es immer gut zu wissen, um welchen Darlehensgeber und um welchen Jahrgang es geht. Häufig verhalten sich Kreditinstitute durchaus unterschiedlich - je nachdem, welche Widerrufsbelehrung es geht. Die Diba ist so ein klassischer Fall.


    Grundsätzlich klingt mir das nach einem Angebot, das sich durchaus noch verbessern lässt. Du solltest Deinen Anwalt bitten, hier noch einmal nachzuverhandeln. Zwei bis drei Durchläufe sind hier im außergerichtlichen Bereich Standard. Es sei denn, der Anwalt kann Dir aufgrund seiner Erfahrung mit dem jeweiligen Kreditgeber glaubhaft machen, dass solche Angebote grundsätzlich nicht nachgebessert werden.


    Und noch was: Du hast keinen Grund, hier vorschnell einzulenken. Wenn deine RSV weiter deckt, kannst Du auch vor Gericht ziehen und dort über eine Rückabwicklung deutlich mehr erzielen als bei einem Ausstieg aus dem Darlehen. Einfach mal googlen unter "So viel bringt die Rückabwicklung eines Darlehens".


    Wenn es sich um die BHW handelt, dann kann ich nur sagen, dass es bereits einige Urteile gibt, die zu einer Rückabwicklung geführt haben. Auch hier hilft Google: "BHW Rückabwicklung Widerrufsjoker".

    @Gast 10: Die Commerzbank ist leider immer noch nicht kompromissbereit. Bei der Debeka sieht es deutlich besser aus. Hier sind offenbar außergerichtliche Vergleiche möglich.


    Wer eine Übersicht kompromissbereiter Kreditinstitute sucht, sollte nach "Widerrufsjoker Banken kompromissbereit" googeln. Infos zur Debeka finden sich unter "Widerrufsjoker Debeka".


    cogito: Das sieht mir auch nach einem sehr seltsamen Vorgehen des Anwalts auch. Er scheint hier mehr für die eigene Brieftasche zu handeln als für das Interesse des Mandanten. Wenn der Mandant selbst zahlt, sollte der Anwalt bemüht sein, die Kosten niedrig zu halten, auch wenn das seinem persönlichen Interesse entgegen steht. Dies sollte man möglichst vor einer Mandatierung besprechen.

    cogito: Von solchen Fällen habe ich auch schon gehört, sie scheinen also keine Ausnahme zu sein. Juristisch ist diese Vorgehensweise des Richters natürlich höchst fragwürdig. Allerdings ist ein Richter auch nur ein Mensch. Offenbar hat er sich darüber geärgert, dass du seinen Vergleichsvorschlag abgelehnt hast und ihm dadurch zusätzliche Arbeit beschert hast (ein Urteil ist für den Richter wesentlich aufwändiger als ein Vergleich). Vermutlich hat er sich dann gedacht: "Dem zeig ichs" - und hat die Klage abgelehnt.


    Das zeigt, dass man in solchen Fällen immer mit Augenmass an die Sache rangehen und nicht allzu gierig werden darf. Ich will dir hier keine Gier unterstellen, weil ich in deinem Fall den Vergleichsvorschlag gar nicht kenne. Allerdings gibt es viele Kläger, die meinen, sie könnten einen solchen Fall nur gewinnen. Das ist falsch. Ein Kredit-Widerruf ist vor Gericht kein Selbstläufer. Gerade in den unteren Instanzen entscheiden viele Richter auch aus dem Bauch heraus - und damit auch mal für die Banken. Das bessert sich in der zweiten Instanz und erst recht vor dem BGH. Aber dahin muss man erst mal kommen.


    Gerade im genossenschaftlichen Bankensektor (Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda, R&V, etc.) kann man zudem häufig eine Klage vermeiden und Hilfe eines außergerichtlichen Vergleichs die Zinsen deutlich reduzieren. Das geht schnell und ist wesentlich kostengünstiger.


    Googelt einfach mal nach den Begriffen "sparda genossenschaftlicher sektor kompromissbereit" - da gibt es einige Erfahrungsberichte.

    Zum Thema Anschlussfinanzierung:


    Es ist richtig, dass man keine verbindliche Zusage für eine Anschlussfinanzierung bekommt, solange nicht klar ist, dass die alte Bank das Grundbuch räumt. Zudem hat eine verbindliche Finanzierungszusage auch immer eine sehr beschränkte Gültigkeit von einigen Tagen. Das heißt, man müsste hier dauernd neue Zusagen einholen.


    In der Praxis ist das aber auch gar nicht nötig. Wenn die eigene Bonität vernünftig ist, dann findet sich auch ein finanzierendes Institut, wenn es soweit ist. Deswegen reicht es für den Anfang vollkommen aus, sich ein unverbindliches Finanzierungsangebot einzuholen, um die grundsätzliche Machbarkeit zu prüfen und sich dann darauf zu konzentrieren, den Widerruf des alten Darlehens voranzubringen.


    Google kennt auch einige gute Artikel zu diesem Thema.
    Sucht mal nach "Widerrufsjoker Angst vor Anschlussfinanzierung".

    Morph5599:


    Grundsätzlich können auch Darlehen, die nach 2010 abgeschlossen worden sind, falsche Widerrufsbelehrungen enthalten. Allerdings sind die Fehlerquoten deutlich geringer als im Zeitraum 2002 bis 2010.


    Ein Beispiel für Fehler in vergleichsweise neuen Kreditverträge sind die sogenannten Checkbox-Widerrufsbelehrungen der Sparkassen aus den Jahren 2011 und 2012. Wer mehr wissen will, googelt einfach unter
    "widerruf checkbox widerrufsbelehrung".


    Aber auch bei anderen Banken gibt es immer mal wieder fehlerhafte Widerrufsbelehrungen in den neueren Jahrgängen.

    Kathi: In Frage kommen nur die Verträge, die nach November 2002 abgeschlossen wurden. Zudem liegt die Zahlung schon fünf Jahre zurück, da kommt schnell das Thema Verwirkung ins Spiel. Insgesamt scheinen mir die Chancen nicht allzu gut zu sein, aber Du solltest den Fall mal prüfen lassen.


    Da gibt es etliche Anbieter, die das kostenlos anbieten. Einfach googlen nach "Widerrufsjoker kostenlose Prüfung".

    Fatma:


    Das kann man so pauschal nicht beantworten. Es kommt auf zahlreiche Faktoren an. Nur als Beispiel:


    1. Wie fehlerhaft ist der Kreditvertrag? "Falsch" ist bei den Widerrufsbelehrungen nicht gleich "falsch". Die Fehlerhaftigkeit der Widerrufsbelehrung ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Je stärker die Fehlerhaftigkeit, desto besser die Chance.


    2. Bei welchem Kreditinstitut seid ihr? Ist dieses Kreditinstitut kompromissbereit? Gibt es Chancen auf eine außergerichtliche Einigung oder läuft es auf eine Klage hinaus?


    3. An welchem Ort müsstet ihr klagen? Wie haben die Gerichte an diesem Standort in Sachen Kredit-Widerruf bisher entschieden? Sind die Richter dort eher verbraucherfreundlich oder bankenfreundlich?


    4. Habt Ihr eine Rechtsschutzversicherung (RSV), die die Kosten übernimmt oder könnt Ihr eine solche noch abschließen? Eine Rückabwicklung, die bei Euch sinnvoll wäre, ist in der Regel nur vor Gericht zu erzielen. Das bedeutet ein großes Kostenrisiko, wenn keine RSV vorhanden ist.


    Du siehst, dass man den Fall unter etlichen Aspekten sehen muss. Die Verbraucherzentralen leisten da bestenfalls Unterstützung für den Einstieg. Bei den entscheidenden Fragen lassen sie den Verbraucher häufig allein. Such Dir einen Anwalt oder eine Interessengemeinschaft, die auf das Thema spezialisiert sind und besprich dort die genannten Punkte.