Wie wird man Vermögensberater auf Honorarbasis und was sind die rechtlichen Vorraussetzungen

  • Guten Tag,


    ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und arbeite als Entwicklungsingenieur. Ich mag meinen Job und will diesen auch nicht aufgeben. Was mich aber interessiert, ist ob man Vermögensberater auf Honorarbasis als Nebenjob ausüben kann. Ich würde mich gerne mit einem kleinen Sitebusiness selbstständig machen und wenn ich Klienten habe diese dann nach Stundensatz im Bereich Tagesgeld, Festgeld, Aktien, Anleihen und ETFs beraten.


    Meinen Fragen hierzu wären:


    1.) Welche rechtlichen Vorschriften gibt es in der Vermögensberatung? Ich erinnere mich daran, dass mein Provisionsberater etliche Zettel ausfüllen musste und ich bestätigen musste, dass ich richtig Beraten wurde. Gilt dies auch in der Honorarberatung?


    2.) Welche Qualifikation benötigt man als Honorarberater, um als dieser auch arbeiten zu dürfen? Irgendeine IHK Prüfung oder Schulung? Oder ist es wie bei Ernährungsberatern, kein geschützter Begriff.


    Danke für eure Hilfe!

  • Ich kann dir die exakten Pragraphen nicht sagen. Aber du brauchst eine IHK Schulung und Prüfung nach Paragraph 34.x und eine Haftpflichtversicherung. Letztere hat Beitragssätze im vierstelligen Bereich. Du musst also einen gewissen Umsatz machen, um da mit Gewinn rauszugehen.


    Ich hatte mal davon geträumt, Menschen gegen kleines Geld 20 Euro/h zu beraten. Nach obiger Erkenntnis hatte sich das erledigt. Am Ende hätte ich 2000 Eur Umsatz gemacht, die komplett in die Haftpflichtversicherung gegangen wären.

  • Hallo Apoka , willkommen hier im Forum.


    Deine Motivation klingt ähnlich wie meine, ich habe so angefangen. Vermögensberater ist kein geschützter Begriff, ebensowenig wie Honorarberater. Der schnellste Weg zu Deinem Ziel ist der zum (begriffsgeschützten) Honorar-Finanzanlagenberater nach § 34h der Gewerbeordnung.

    http://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__34h.html


    Beratung für einzelne Aktien ist dabei allerdings nicht drin, "nur" für Investmentvermögen. Wenn Du eh davon überzeugt bist, dass ETF für die meisten besser sind als einzelne Aktien, dann reicht diese Zulassung.

    Wenn Du glaubst, schon alles zu wissen, dann kannst Du Dich direkt bei der IHK zur "Sachkundeprüfung Finanzanlagenfachmann" anmelden. Ist die bestanden, fehlt nur noch der Gewerbeschein, und los geht's.


    Die Haftpflichtversicherung ist nach Umsatz gestaffelt, wenn man den richtigen Versicherer wählt. Das geht zum Einstieg mit 90 € pro jahr, wenn der Umsatz noch unter 10k liegt.


    Was Du nicht unterschätzen darfst: Anfangs verbringst Du die meiste Zeit nicht mit Beratung, sondern mit Marketing. Zahlende Kunden stehen nicht Schlange. Leider gibt es keine Finanzbildung in deutschen Schulen. Die Leute haben also dringenden Bedarf nach guter Beratung, wissen das aber nicht. Und wegen der Kostenlos-Mentalität sind die meisten nicht einmal bereit, etwas zu zahlen, wenn sie den Änderungsbedarf schon erkannt haben. Du brauchst also einen guten Businessplan und eine Strategie.

  • Die IHK-Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil (Multiple Choice) und einem mündlichen, in dem ein Beratungsgespräch simuliert wird. Für den schriftlichen Teil gibt es Vorbereitungsprogramme, die auf Stil und Inhalt der Fragen vorbereiten.

  • Vielen Dank für eure schnelle Hilfe!


    @chris2702 Autsch … also 2000€ wären für mich auch zu viel.



    @tobiasweiss Einzelaktien möchte ich auch gar nicht beraten, aber Produkte die Aktien enthalten. Kannst du irgendwelche Versicherer Empfehlen? Oder zählt das schon zur Honorarberatung :P

    Kunden finden wird auf jeden Fall einer der Herausforderungen auch wenn ich glaube, dass ich den einen oder anderen schon habe, aber mal gucken, wenn es dann ums Bezahlen geht wie viele bei der Stange bleiben.


    @Pantoffelheld Danke gut zu wissen!

  • Moin Apoka


    auch wenn in der heutigen Zeitkaum jemand Wert auf Rechtschreibung und Grammatik legt, so würde ich an deiner Stelle und im Hinblick auf die geplante/geträumte Beratungstätigkeit mich mal kurz auch darum kümmern. Sorry für diesen Seitenhieb! Ich würde mich von niemandem beraten lassen, der Verben wie "Beraten" oder "Empfehlen" groß schreibt ;-)

    ... ähhh ... ich haue beim Schnellschreiben auch oft Fehler rein ... aber ich berate auch niemanden gegen Honorar.


    Weitere Punkte... die du in die Überlegungen einbeziehen solltest: Beim Metzgermeister vor Ort kann ich nicht Medizin studieren. Und der Friseur zeigt mir nicht, wie man Sachertorten backt.

    Was qualifiziert dich? Hast du aus 10.000 Öcken drei Millionen gemacht? Oder kennst du dich so ein kleines bisschen mit Finanzprodukten aus?


    Abgesehen davon ... wir leben mit Menschen zusammen, die auf "Geiz ist geil" geprägt sind. Diejenigen, die eine solide, fundierte Beratung nötig haben und sicherlich sehr davon profitieren würden, wollen sie sich nicht leisten.

    An diejenigen, die sich die Beratung leisten können, wirst du nicht herankommen... sie haben sie i.d.R. nämlich nicht nötig.


    Also, womit willst du Geld verdienen?


    Geh' mal auf die Seite der KfW und lade dir die Checklisten für angehende Unternehmer runter (Sektion Business Plan). Beschäftige dich damit und stelle ernüchtert fest, dass du es nicht weit schaffen wirst...


    Übrigens liegt nach meinen Erfahrungen das "Problem" nicht im Defizit der Bevölkerung hinsichtlich von Anlageformen und -möglichkeiten, sondern viel tiefer... bei Mangel an Planung, Disziplin im Umgang mit Geld, im Sparverhalten bzw. der Chance, überhaupt sparen zu können.


    Du darfst jetzt gerne denken, der JDS ist ein arrogantes A.......h! Kannst mir aber glauben, dass ich mir in den letzten etwas über 30 Jahren schon zwei, drei Hörner abgestossen habe.


    Ich möchte dich absolut nicht demotivieren!!! Wenn du Ideen hast, auf die das Volk abfahren wird, so gönne ich dir von ganzem Herzen deine Erfolge!!!

  • Den Tipp, zuerst den Businessplan aufzustellen, kann ich nur nochmals unterstützen! Ich finde hier die Seiten des BMWi schön übersichtlich:

    https://www.existenzgruender.de


    Womit willst Du in 5 Jahren Geld verdienen? Wie kommst Du da hin?


    Die Versicherung ist das kleinste Problem. Wenn Du in die Impressen der Kollegen schaust, findest Du Anregung. Natürlich könntest Du auch einen Experten fragen. Einen Versicherungsvertreter zum Beispiel, wenn Du schon weißt, welche Gesellschaft es werden soll. Oder einen Makler, wenn Du über mehrere Firmen suchen willst. Beide sind für Dich kostenlos, weil sie über die Provisionen der Anbieter finanziert werden. Klingt das gut? Als künftiger Honorarberater willst Du bestimmt lieber zu einem Versicherungsberater, der Dich ohne Interessenskonflikte auf Honorarbasis berät. Aber unabhängig vom Abschluss kostet Dich seine Beratung etwas. Bist Du dazu bereit? Wenn nein, wieso sollten Deine Kunden Dich bezahlen? ;-)

    (Diese Fragen sollen nicht ärgern, sondern zum Nachdenken des Geschäftsplans anregen.)

  • tobiasweiss Vielen Dank für deinen Input.


    Ich bin durchaus bereit in mein Geschäft zu investieren und habe auch keine Berührungsängste mit Honorarberatern. Um genau zu sein war es eine negativ Erfahrung mit einem Versicherungsvermittler, welcher mich dazu gebracht hat, mich mit meinen Finanzen auseinander zusetzen.


    Nun habe ich ja ein wenig was an Hausaufgaben. Vielen Dank dafür.